Projekt: 1968 – ein Symbol für gesellschaftlichen Umbruch Autor: Bal Ercan 8r1 2000
BÜRGERRECHTSBEWEGUNG IN DEN USA
Der Kampf gegen die Rassentrennung
Die Parlementarische Repräsentanz nach der Bürgerrechtsbewegung
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Die Afroamerikanische Bevölkerung
Der Großteil der afroamerikanischen Bevölkerung Nordamerikas lebt mit mehr als 30 Millionen Einwohnern inden Vereinigten Staaten, was ein Anteil von etwa 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung ist. In Kanada liegt der Anteil bei weniger als einem Prozent, was in Zahlen rund 170 000 Einwohnern entspricht. Sie sind fast ausnahmslos Nachkommen der Afrikaner, die zwischen 1501, als Spanien die Sklaverei in seinen Kolonien einführte, und 1808, als die Vereinigten Staaten den Sklavenhandel verboten, unfreiwillig in die "Neue Welt" kamen. Bis heute ist die Geschichte der Afroamerikaner durch den immer wieder aufflammenden Kampf um
Bürgerrechte, soziale Gleichheit und politische Selbstbestimmung gekennzeichnet.
Verstädterung
Nach der "Reconstruction" der Südstaaten gegen Ende des 19. Jahrhunderts lösten die schlechten Lebensbedingungen für Afroamerikaner in diesen Staaten, mehrere Abwanderungswellen Richtung Norden und Westen aus. Die Mehrheit dieser Auswanderer ließ sich an der Ostküste nieder. 1910 lebten noch 91 Prozent der Afroamerikaner im Süden, 1979 waren es lediglich 53 Prozent. Angezogen von den
wirtschaftlichen Möglichkeiten, lebten bereits 1983 drei Viertel aller Afroamerikaner in Städten, mehr als 80 Prozent von diesen in innerstädtischen Ghettos. Diese neu ankommenden Afroamerikaner sahen sich Diskriminierungen und Feindseligkeiten weißer Arbeitnehmer ausgesetzt. Sie waren meist aus den Gewerkschaften der "American Federation of Labour" ausgeschlossen und sahen sich der Konkurrenz
europäischer Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt gegenüber. Trotzdem boten die afroamerikanischen Gemeinden ein breiteres Angebot an sozialen Einrichtungen und Bildungsmöglichkeiten, als dies im Süden der Fall gewesen war. In den Städten wuchsen bereits Anfang dieses Jahrhunderts kritische afroamerikanische Akademiker, wie W. E. B. Du Bois, heran. Verschiedene afroamerikanische Protestbewegungen, wie das "All-Black African-American Council" und das "Niagara Movement" oder die auch liberalen Weißen offen stehende "National Association for the Advancement of Colored People" (NAACP), entstanden.
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Der Kampf gegen die Rassentrennung
Ein erster Erfolg der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde 1954 erzielt, als der Oberste Gerichtshof ein Verbot der Rassentrennung an öffentlichen Schulen aussprach. 1955 kam es in Montgomery (Alabama) zu Unruhen. Die Afroamerikanerin Rosa Parks hatte sich geweigert, ihren Platz in einem Stadtbus
für einen Weißen frei zu machen und wurde verhaftet. Unter der Führung des Baptistenpfarrers Martin Luther King jun. organisierten die afroamerikanischen Bewohner der Stadt einen Busboykott, der über ein Jahr anhielt, bis das Bundesgericht Alabamas das "Gesetz der Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln" für verfassungswidrig erklärte. 1960 gründeten junge Aktivisten das "Student Nonviolent Coordinating Committee" (SNCC).
Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC)
1960 wurde die Organisation, während einer von Martin Luther King initiierten Versammlung in Raleigh (North Carolina, USA) von schwarzen und weißen Studenten gegründet. Das SNCC organisierte gewaltlose Protestaktionen, ermutigte die Schwarzen zur Teilnahme an Wahlen, gründete Kooperativen und Gesundheitszentren und kümmerte sich um die "Alphabetisierung" der schwarzen Landbevölkerung.
Ab Mitte der sechziger Jahre, unter Hubert Rap Brown, radikalisierte sich das SNCC und verabschiedete sich
von seinen Grundsätzen der Gewaltlosigkeit. Die Organisation löste sich 1970 auf.
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1966 erklärte sich das SNCC zu einer "Blackpower-Bewegung". Voraussetzung für die Erreichung politischer Ziele sei, das Schwarze ein positives Bild von sich selbst hätten. Zur gleichen Zeit radikalisierten und militarisierten sich die Black Muslims in den Städten im Norden. Einer der Wortführer des afroamerikanischen Kulturnationalismus der Black Muslims war Malcolm X (Biographien), der sich später jedoch von den rassistischen, Ideen dieser Gruppe abwandte. Nach seiner Ermordung 1965, vermutlich durch Black-Muslim-Aktivisten, wurden seine Ideen zunehmend populärer. Sein Aufruf zur bewaffneten Selbstverteidigung war einer der Auslöser für die afroamerikanischen Aufstände in Los Angeles 1965. In den folgenden drei Jahren kam es in fast allen Städten der Vereinigten Staaten zu ähnlichen Auseinandersetzungen.
1966 entstand die militante sozialrevolutionäre Black Panther Party, der sich viele unzufriedene afroamerikanische Jugendliche in den Ghettos der Großstädte anschlossen.
1968 fiel der populäre Bürgerrechtler Martin Luther King (Biographien) einem Mordanschlag zum Opfer. Schwarze Studenten forderten die Aufnahme von "Black Studies", d. h. Studien über Geschichte und Kultur der Afroamerikaner, in die Lehrpläne der Universitäten.
Das neue Selbstbewusstsein zeigte sich besonders im Sport. Der Schwergewichtsboxer Muhammad Ali (ehemals Cassius Clay) wurde zur Symbolfigur des neuen "schwarzen" Selbstbewusstseins.
Er weigerte sich konsequent die Rollen anzunehmen, die den Afroamerikanern von der euroamerikanischen Gesellschaft zugewiesen wurden. Der "Größte", wie er sich nannte, stieg als erster Afroamerikaner zum Medienstar auf und wurde für die euroamerikanische Bevölkerungsmehrheit zum meist gehassten Mann der sechziger Jahre. Gleichzeitig aber erreichte er in der afroamerikanischen Bevölkerung eine ungeheure Popularität. 1966, bevor sich noch eine nennenswerte Anti-Vietnam-Bewegung in den USA gebildet hatte, verweigerte er den Kriegsdienst in Vietnam – mit der lapidaren Begründung, er habe nie Streit mit dem Vietcong gehabt.
Daraufhin sprach man ihm den Weltmeistertitel ab.
Zwischen 1964 und 1968 wurden bei Ghettoaufständen 220 Menschen, fast ausschließlich Afroamerikaner, getötet und etwa 8 000 verletzt. Zehntausende Afroamerikaner wurden verhaftet und teilweise zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Polizei ging brutal gegen die Ghettobewohner vor, aber kein einziger Beamter wurde in diesem Zeitraum wegen Übergriffen auf die afroamerikanische Bevölkerung verurteilt. Diese Polizeimaßnahmen führten schließlich, zusammen mit der Kriminalisierung der Führer von radikalen Bürgerrechtsbewegungen, wie Angela Davis, zum Ende des organisierten Widerstandes gegen die weiße Vorherrschaft.
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Die Black Panther Party war ursprünglich eine Art Selbstverteidigungsclub der Schwarzen. Sie wurde 1966 von den schwarzen Bobby G. Seale und Huey P. Newton in Oakland (Kalifornien) gegründet und nach ihrem Symbol, einem springenden Panther, benannt. Sie forderte die schwarz - amerikanischen Staatsbürger dazu auf, ihr, durch die Verfassung garantiertes Recht auf Selbstbewaffnung, in Anspruch zu nehmen. Im Mai 1967 erregten die Black Panthers erstmals Aufmerksamkeit, als sie in das Parlament von Kalifornien eindrangen, um
gegen ein Waffenkontrollgesetz zu protestieren. In der Folgezeit griffen sie immer wieder zum bewaffneten Aufstand, sofern ihre Ziele auf anderem Wege nicht zu erreichen wären. Auf ihrem Höhepunkt 1967/1968 hatte die Black Panther Party schätzungsweise 5 000 Mitglieder.
In den späten sechziger Jahren begannen die US-Behörden eine Offensive gegen die Black Panthers. Man verdächtigte sie terroristischer Aktionen, und ihre Kontakte zu "fremden" Mächten waren nicht nach den Interessen der US-Regierung. Die US-Geheimdienste verschärften gezielt Konflikte zwischen den Black Panthers und anderen politischen Gruppen. 1969 töteten Polizisten in Chicago zwei führende Black Panthers unter bis heute ungeklärten Umständen; bei verschiedenen Zusammenstößen gab es Schießereien und weitere Tote, die Organisation war ständigen Schikanen seitens der Polizei ausgesetzt, und die beiden Gründer der Black Panther Party und ihr Chefpropagandist Eldridge Cleaver wurden des Mordes angeklagt.
1972 spaltete sich die Partei, als Newton und Seale den Einsatz friedlicher Mittel zur Erreichung ihrer Ziele propagierten, während Cleaver weiter auf Gewalt setzte. Seale kandidierte 1973 für das Bürgermeisteramt von Oakland, bekam ein Drittel der abgegebenen Stimmen, unterlag jedoch in der Stichwahl. Ab etwa 1973 verloren die Black Panthers an Bedeutung.
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Die offiziell unter dem Titel "American Muslim Mission" bekannte Gruppe hieß früher "Lost-Found Nation of Islam in North-America". Die religiöse Gemeinschaft fordert die strikte Einhaltung des islamischen Verhaltenskodexes, der den Verzicht auf bestimmte Speisen sowie westliche Kleidung vorschreibt und die zwischenmenschlichen Beziehungen regelt. Auch gilt es religiöse Rituale wie das fünfmalige Gebet pro Tag zu beachten.
Geschichte
1933 wurden die Black Muslims in Chicago von Eijah Muhammad gegründet, welcher der Bewegung bis zu seinem Tod 1975 vorstand. In den sechziger Jahren trennte sich Malcolm X, der ehemalige Pressesprecher Muhammads, von der Bewegung. 1965 wurde Malcom X, angeblich von Mitgliedern der Black-Muslim-Bewegung, erschossen.
Früher setzten die Black Muslims die Weißen mit dem Teufel gleich (der alle Farbigen versklaven will) und kämpften für die Einrichtung eines getrennten "afroamerikanischen Homelands" in den Vereinigten Staaten.
Wallace D. Muhammad, der seinen Vater Elijah Muhammad 1975 ablöste, erteilte dem schwarzen Nationalismus eine Absage, nahm nichtfarbige Mitglieder auf und hob die Bedeutung islamischer Glaubens- und Lebensregeln hervor.
In den späten siebziger Jahren nahm eine von Louis Farrakhan geleitete Gruppe von Widerstandskämpfern den ursprünglichen Namen, "Nation of Islam", wieder an und entfachte erneut die Diskussion um die Rassentrennung. Diese Gruppe erfreute sich in den neunziger Jahren eines großen Zulaufs unter jugendlichen Afroamerikanern.
Bedeutung
Die Black Muslims bauten staatlich anerkannte Schulen in über 45 Städten auf. Das von ihnen herausgegebene Wochenmagazin, "Muslim World News" (früher : "Muhammad Speaks"), gilt als die meist gelesenste afroamerikanische Zeitschrift überhaupt. Strafgefangene (z.B.: der Boxer Mike Tyson), Drogensüchtige und Alkoholkranke finden in der Philosophie des "doing-for-self" ("Tu es für Dich") der Black Muslims eine Motivation, ihr Leben zu ändern. Obgleich keine statistischen Erhebungen existieren, schätzt man die Zahl der Anhänger auf mehr als 100 000.
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Die Parlamentarische Repräsentanz nach der Bürgerrechtsbewegung
In den siebziger Jahren gewannen bei der afroamerikanischen Bevölkerung zunehmend Führungspersönlichkeiten an Bedeutung, die nicht auf eine radikale Änderung der sozialen Ordnung Amerikas zielten. Thurgood Marshall war der erste Schwarze, der in den Obersten US-Gerichtshof berufen wurde.
Die afroamerikanischen Bewohner der Innenstadtbereiche stellen immer häufiger die Mehrheit der Wählerschaft. Afroamerikanische Kandidaten können daher bei Wahlen Erfolge verzeichnen.
Die Anzahl der schwarzen Volksvertreter stieg von 300 im Jahr 1965 auf 7 480 (darunter 26 Kongressabgeordnete) gegen Ende des Jahres1990. Illinois war 1992 der erste Staat, der von einer afroamerikanischen Frau im Senat vertreten wurde. In den achtziger Jahren wurden in Chicago, Philadelphia, New York und weiteren Städten des Landes Schwarze als Bürgermeister gewählt.
Ende 1990 gab es im ganzen Land 318 schwarze Bürgermeister. Dennoch waren 1990 lediglich 59 Prozent der afroamerikanischen Bevölkerung im Wahlregister eingetragen.
Quellenangabe:
· "Die Chronik des 20. Jahrhunderts"
· Encarta 1997
Jan Carew: " Geister in unserem Blut" (- Mit Malcom X auf den Spuren der schwarzen Indentität)
· Albert Scharenberg: "Schwarzer Nationalismus in den USA"
· Martin Luther King: "Aufruf zum zivilen Ungehorsam"