Literatur und Theater im Umbruch

 

 

 

Gliederung:

 

1.Nachkriegsliteratur

1.1 "Gruppe 47"

1.2 Trümmerliteratur

2. Die 50er Jahre

3. Die Literatur politisiert sich (1960-1968)

4. Das Theater als Instrument der Politik

5. Der Roman in den 60er und frühen 70er Jahren

6. Die 70er Jahre. Ausblick auf die 80er Jahre

7. Anhang

 

 

1.)Nachkriegsliteratur:

 

1.1)"Gruppe 47":

Im Jahre 1947 gründet Hans Werner Richter die "Gruppe 47", da seine Zeitschrift Der Ruf von der alliierten Zensur verboten wurde.

Während den Sitzungen dieser Gruppe wurden Texte vorgelesen, die von den einzelnen Autoren stammen. Wird der Vortragende von den anderen Mitgliedern akzeptiert, so ist er in die Gruppe aufgenommen.

Ihre Ziele sind moralisch:

Sie will die einzelnen Personen verändern, da sie die Eigenverantwortung im Faschismus überdenken soll.

 

Diese wichtige literarische Gruppe wird von den Gegnern heftig kritisiert, sodass 1967 offiziell das Ende der "Gruppe 47" verkündet wurde.

 

Bedeutende Autoren dieser Gruppe:

Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Paul Celan, Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser.

 

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1.2)Trümmerliteratur:

Die ersten schriftstellerischen Versuche nach 1945 wurde als Trümmerliteratur bezeichnet, da die Autoren von dem Krieg, von der Heimkehr und dem was sie im Krieg gesehen hatten und bei der Heimkehr vorfanden, nämlich Trümmer, schrieben.

Daraus ergaben sich drei Schlagworte:

Die Menschen lebten nicht mehr in Frieden und nichts um sie herum war mehr idyllisch.

Die Autoren beschrieben die Trümmerliteratur, da sie die Zeitgenossen nicht in die Idylle führen wollen, weil ihr Erwachen daraus schrecklich für sie wäre. Sie versuchen die Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren.

 

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2.)Die 50er Jahre:

 

Diese Jahre werden als Adenauer-Restauration bezeichnet. Die Autoren sind gegen die weltweite atomare Aufrüstung und behandeln diese Themen auch in ihrer Literatur. Sie sehen sich selber als "öffentliche Mahner" und engagieren sich, nehmen an Demonstrationen teil und veröffentlichen ihren Widerstand.

Aufgrund ihres Engagement müssen sich die Schriftsteller Kritik und Beschimpfungen von den Politikern gefallen lassen, da sie als Außenseiter angesehen werden.

 

In den Romanen werden Themen wie der Krieg und der Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit und die deutsche Gegenwart, angesprochen.

Die Autoren, zu denen z.B. Heinrich Böll, Martin Walser und Alfred Andersch zählen, verwenden eine sozialkritisch-realistische Erzählweise und glauben an die Wirksamkeit der Literatur. Sie versuchen die Realität und ein beschädigtes Leben zu erzählen.

 

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3.)Die Literatur politisiert sich (1960 - 1968):

 

Die 60er Jahre sind davon geprägt, dass viele Schriftsteller politisch-gesellschaftliche Veränderungen bewirken wollen.

 

Das Kennzeichen der restaurativen Phase der 50er Jahre, ist der große Wirtschaftswachstum mit all seinen Erscheinungen, wie Vollbeschäftigung, keine Streiks, u.s.w.

In den 60er Jahren kommt es jedoch zu einem Rückgang des Bruttosozialprodukts und es entstehen die ersten Streiks. Die folgenden Jahre von 1966 bis 1967 sind von Massenentlassungen und Arbeitslosigkeit geprägt.

Mit dem Bau der Berliner Mauer (1961) will die DDR-Regierung die konstanten Flüchtlingsströme von Ost nach West verhindern. Damit kommt es zu einer Spaltung von Deutschland in zwei Teile.

Die Studentenbewegung (APO) , die teilweise eine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen bewirkt, scheitert jedoch politisch, da sie unter sich zerstritten ist, den Staat gegen sich aufbringt und in der Bevölkerung keine Mehrheit gewinnen kann. Einzelne Randgruppen gleiten in den Terrorismus ab.

1968 und 1969 kommt es zu politischen und sozialen Auseinandersetzungen, dessen Thema der Krieg der USA in Vietnam, die Probleme der Dritten Welt und die Politik der Ausbeutung dieser Entwicklungsländer seitens der Industriestaaten sind.

Innenpolitisch lehnen sich die Studenten gegen die Nichtaufarbeitung der deutschen Geschichte, sowie gegen die erstarrten autoritären Strukturen auf.

Universitäten, Verlage, die Frankfurter Buchmesse, die "Gruppe 47", etc. werden heftigst kritisiert.

Äußere Kennzeichen der antiautoritären Revolte der Jugendlichen sind lange Haare, bunte Kleidung und Rockmusik.

 

Aufgrund diesen Ereignissen bleibt die Literatur nicht unberührt, vor allem weil sich viele Schriftsteller politisch engagieren.

Bemerkenswert ist das parteipolitische Engagement für die SPD von Schriftstellern, wie Günter Grass, Heinrich Böll, Siegfried Lenz und Peter Härtling im Jahr 1961.

Ralf Schnell meint zum politischen Engagement von Autoren, dass Schriftsteller genauso zu den schlichten Bürger zählen und ihre eigene Privatmeinung haben dürfen.

Viele Dichter wollen jedoch aus unterschiedlichen Gründen öffentlich keine politischen Aussagen tätigen.

Die Politisierung der Literatur hält bis in die frühen 70er Jahren an, dann kommt es jedoch zur Gegenbewegung.

 

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4.)Das Theater als Instrument der Politik:

 

Das deutschsprachige Theater der 60er und frühen 70er Jahre entwickelt sich im Vergleich zu den 50er Jahren weiter. Einerseits beruft es auf Bertolt Brecht, jedoch andererseits lehnt es ihn ab.

Viele Bühnenstücke, die von Themen wie Politik und Zeitgeschichte geprägt sind, entstehen und das absurde Theater der 50er Jahre verliert seine Bedeutung, weil sich deren Inhalte und Formen wiederholen.

In dieser Zeit wird jedoch ein breites Spektrum an theatralischen Darbietungsweisen angeboten, wie zum Beispiel:

 

In den 70er Jahren tritt eine Veränderung im Theater ein. Die politischen Stoffe verschwinden und die Autoren wie Thomas Bernhard und Botho Strauß wenden sich ihren eigenen privaten Problemen zu und beschäftigen sich mit dem Innenleben ihrer Personen.

Das politische Theater (Volksstück und Zeitstück) wird auf Brecht, Piscator und das sozialkritisch-realistische Volksstück zurückgeführt.

Ziel des Zeitstückes ist die Kritik und Veränderung der Gesellschaft, die Aufklärung und Provokation des Publikums, wobei die Ästhetik nicht so eine große Rolle spielt, als die Wirkung eines Stückes auf die Zuschauer. (Autoren: Rainer Werner Fassbinder, Martin Sperr, Franz Xaver Kroetz).

Das Dokumenttheater versucht die Wirklichkeit darzustellen, jedoch haben sich folgende Probleme ergeben:

 

Er ordnet nur mehr die Texte und ist kreativ nicht mehr tätig.

 

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5.)Der Roman in den 60er und frühen 70er Jahren:

Die Schriftsteller schreiben seit den 50er Jahren über politische Themen der Vergangenheit und der Gegenwart. Sie verwenden nicht den Stil der Propaganda, jedoch ändert sich dies unter dem Eindruck der allgemeinen Politisierung ein wenig.

 

Schriftsteller, die dieser Zeit angehören:

Heinrich Böll, Wolfgang Koeppen, Martin Walser, Günter Grass

 

Die Ereignisse der 68/69er Jahre haben natürlich auch für die Existenz der Literatur den tiefgreifendsten Umbruch seit 1945 gebracht.

In der 68er Revolte werden die Schreibstrategien immer radikaler, sodass die Leser zum eigenständigen Mitdenken animiert werden.

 

Oft werden auch aggressive gesellschaftliche Stile verwendet, um die Menschen zu provozieren. Schriftsteller versuchen durch die Provokation die Menschen aus ihrer Passivität zu holen. Sie äußern sich oft mit knappen und treffenden Sprüchen zu aktuellen Themen der Politik und spotten oftmals über die Gegner.

Auch Texte, die direkt die Lebensformen der Studentenbewegung und die Nachstudentenbewegung beinhalten, wurden von Autoren wie z.B. Hubert Fichtes geschrieben.

 

Trotz der Studentenbewegung entwickelt sich die Frauenliteratur weiter, die sich gegen die Unterdrückung der Frau wehrt und nach einer eigenen weiblichen Identität sucht.

 

Günter Grass, der seit 1958 erfolgreiche Prosa schreibt, engagiert sich bereits 1961 in Bundestagswahlkämpfen für die SPD.

Seine einzelnen Gedichte in dem Gedichtband "Ausgefragt" (1967) handeln sehr stark von politischem Engagement. Seit seinem Roman "Die Blechtrommel" (1959) wird er als einen nicht scheuenden, ewig protestierenden Provokateur angesehen, der über den Verdrängungssog der Zeit schrieb, sich selbst jedoch als einen Moralisten versteht. Seit 1971 beschäftigt er sich mit der Protestlyrik.

In seinem Werk "Aus einem Tagebuch einer Schnecke" wiedergibt er seine Eindrücke, Reden, Selbstreflexionen, die die Menschen zum Nachdenken anregen sollen.

 

 

Günter Grass (geb.1927)

 

Trotz der unterschiedlichen Motiven der Literatur des Jahres 1968/69, haben diese keinen neuen und notwendigen Zusammenhang zwischen Literatur und fortschrittlicher gesellschaftlicher Praxis ergeben.

 

 

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6.)Die 70er Jahre. Ausblick auf die 80er Jahre:

 

Autoren, die in dieser Zeit ihre Werke schreiben, werden Entwicklungen erleben, die man heute noch gar nicht genau erkennen kann.

Nach der Literatur von 1968 folgt die Ernüchterung. Mitte der 70er Jahre ziehen sich die Schriftsteller wieder zurück in ihr privates Leben, in ihre Innerlichkeit. Jedoch soll dies nicht heissen, dass sich die Autoren nun völlig aus der Öffentlichkeit und der Politik zurück gezogen haben.

Themen wie, eigene Biographien, persönliche Probleme, Krankheitsabläufe, Emotionen, Empfindungen und sinnliche Wahrnehmungen werden wieder verwendet. Sehr wahrscheinlich sind diese Themen eine Reaktion auf die Studentenbewegung und deren Literatur.

 

Autoren:

Peter Rühmkorf, Jakov Lind, Günter Grass, Walter Kempowheimer, Wolfgang Koeppen, Elisabeth Plessen.

 

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7.)Anhang:

Quellenangabe:

Stichwort Literatur/ Gerald Rainer, Norbert Kern, Eva Rainer/ Veritas

Geschichte der deutschen Literatur Band XII, Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart/ De Boor, Newald/ C.H.Beck/ 1994

Deutsche zeitgenössische Literatur, Epik und Dramatik nach 1945/ F.M. van Boesschoten/ Uitgverij Nijgh & Van Ditmar

Deutsche zeitgenössische Literatur, Epik und Dramatik nach 1945/ F.M. van Boesschoten/ Uitgverij Nijgh & Van Ditmar / Foto: Honig Seite 88.

Stichwort Literatur/ Gerald Rainer, Norbert Kern, Eva Rainer/ Veritas /Bild Seite 387

 

 

Wortbedeutung:

AOP...... Außerparlamentarische Opposition

Adenauer- Restauration...... Konrad Adenauer: deutscher Bundeskanzler der Nachkriegszeit, Restauration: Wiederherstellung der früheren politischen Ordnung

Ästhetik: Lehre von der Kunst und vom Schönen