Geschichte- Projekt:
Mode (Kleidung) Jugendlicher in
Inhaltsverzeichnis:
Junge Mode in den 60er und ihre Vorbilder
Hippie- Mode und der Gammlerstil
Mary Quant, die Erfinderin des Mini- Rocks
Die sechziger Jahre markieren das Ende der deutschen Wiederaufbauphase und hier setzte der Protest, der heranwachsenden Jugend, an. Sie wuchsen auf in einer Gesellschaft, in der es weniger um die Schaffung ideeller als vielmehr materieller Werte ging. Darauf reagierte die Jugend mit Kritik und sie begehrten auf gegen die als heuchlerisch, gleichgültig und ungerecht empfundene etablierten Gesellschaft. Das taten diese jungen Menschen mit zum Beispiel Konsumverweigerung, sexueller Libertinage, neuen alternativen musikalischen Ausdrucksformen oder Drogenkonsum, und nicht zuletzt mit provokanter Kleidung.
Das Wort Mode ist aus dem lateinischen modus ( = Maß, Regel, Art und Weise) entstanden. Daraus entwickelte sich im 17. Jahrhundert, das französische la mode, woraus dann die deutsche Schreibweise Mode entstand.
Mode ist ein Synonym für Brauch, Sitte, Zeitgeschmack usw.
Sie beeinflußt zum Beispiel das Verhalten des Menschen und wirkt auf das gesamte Geschmacksempfinden.
Mode gilt aber nicht nur im Bezug auf das äußere Erscheinungsbild des Körpers mit Kleidung, sondern auch im Bezug auf Autos, Häuser usw.
Meistens denkt man aber, wenn man von "der Mode" spricht an Kleidung. Deshalb ist im folgenden auch an Bekleidungsmode gedacht, wenn von Mode die Rede ist.
Bekleidungsmode ist immer Schutz und Schmuck zugleich:
Was den Schutz betrifft:
Die Kleidung soll den Körper vor den Gefahren und Einflüssen der Natur in
Außerdem ist Mode der persönliche Freiraum des Menschen, sich anzupassen oder über die Ausdrucksform der Bekleidung abzulehnen.
Selten war die Modeszene so bewegt wie damals in den 60er Jahren. Es waren die "swinging sixties" und die Zeitschrift "Vogue" sprach von den "Revolutionaries", da die junge Mode endgültig gesiegt hat. Die Jugend wurde zum Modevorbild schlechthin.
1967 erwarben die 15- 19jahrigen 60% aller Modeartikel. Die Boutiquen stellten ihre Verkaufsstrategie unter das Motto "Teenager machen Mode für Teenager."

Trägerrock für Teenager
Auch die Modevorbilder folgten dem jugendlichen Trend.
Jacqueline Kennedy (war First Lady Amerikas), kleidete sich nicht konventionell , ,sondern sie präsentierte sich mit jugendlicher Kleidung, trotz ihrer repräsentativen Stellung.
Zum offiziellen Galaabend, erschien die First Lady in extravaganten Modellen, wie zum Beispiel ein schulterfreies Abendkleid, und zum Stadtbummel trug sie Hosenanzüge. Ihre schlichten Prinzes- oder Etuikleider mit kurzem, losem Jäckchen wurden allgemein Mode. Dazu trug Jacky Kennedy Hüte mit breiter aufgebogener Krempe oder, die durch sie populär gewordene Pillbox (siehe Abbildung). Ihre Lieblingsfarbe Rosa wurde 1962 zur Modefarbe des Jahres.

Modevorbilder waren zu jener Zeit auch Sandy Shaw, Julie Christie, Jean Shrimpton und noch immer Brigitte Bardot.
Twiggy (eigentlich Leslie Hornby):

Mit ihrer knabenhaften, jugendlichen Figur, wurde sie zum Schönheitsideal der ausgehenden 60er Jahren. Der Typ und Kleidungsstil des englischen Mannequins beeinflußten bald die gesamte Mode. Twiggy, mit den Maßen 78 55 80, wurde von der Kritik zur "teuersten Bohnenstange der Welt " erklärt. Es war wichtig keinen Busen zu haben, und das wenige im Transparent-Look arglos zu zeigen.
Hippie- Mode und der Gammler- Stil:
Die Hippie- Welle, die nach Mitte der sechziger Jahre von den USA aus ganz Europa überschwemmte, brachte eine farbenfrohe, nostalgische Mode und je unkonventioneller desto flippiger war die Kleidung. Krawatte und Anzug wurden zum Feindbild. Die Hippies trugen provokante Kleidung wie zum Beispiel Schlaghosen, knallenge Hosen mit seitlichen Beinschlitz oder mit Schlitz vorne, eventuell noch mit Gloldkettchen und mit Knöpfen verziert, Beatstiefel (dieser Name deshalb, weil die Zeit, der Beatmusik herrschte), grell bunte Hemden, breite Gürtel mit Riesennieten, seidene Halstücher, die etwas schwuchtelig gewirkt haben, jessussandalen und dergleichen.
Die Anhänger dieser Mode drückten ihre Lebenseinstellung in der Kleidung aus:
Mit Blumen im Haar und bunter, unkonventioneller Kleidung machten sie auf die Freuden des noch nicht von der Zivilisation verseuchten Lebens aufmerksam. Hippie- Mädchen trugen keine Mode, die "von oben diktiert" wurde und sie waren gegen praktische, funktionelle Kleidung.
Sie entlehnten ihre Kleidung den Indianern ebenso wie den Eskimos und trugen einzelne Kleidungsstücke peruanischer, mexikanischer oder fernöstlicher Trachten.
Die Mädchen trugen weite, lange Röcke oder bequeme Jeans. Sie trugen auch transperente Blusen oder Netzunterhemden, was sehr gewagt war. Sie zeigten ihre Körper auch unverhüllt, nur mit Blumen bemalt. Die Haare trugen sie offen und natürlich, da sie jede "Frisur" ablehnten.
Der Kleidungsstil der Hippies wurde bald von Modemachern ausgenutzt; die Grenze zwischen Mole als "Lebenseinstellung" und reiner Sensation begann zu verschwimmen. In Boutiquen gab es bald alles, was einen als Hippie aussehen ließ, und das wichtigste Hippie- Symbol, die Blume, zierte Jeans, T- Shirts, Stiefel, Taschen, oder Sonnenbrillen. Man konnte die "Blumenkinder" in allen Großstädten antreffen.

Hippie-Hochzeit unter freiem Himmel
Die Sogenannten Gammler zogen sich betont nachlässig und schlampig an. Sie trugen abgewetzte Klammoten, das waren zum Beispiel abgewetzte Jeans, zerschlissene Pullover oder eine alt- Herrenweste. Sie rasierten und frisierten sich auch nicht. Ihre Haare trugen sie schulterlang und einen Unterschied was die Kleidung zwischen Mann und Frau betraff gab es nicht.

Gammler -Look
Mary Quant, die Erfinderin des Mini- Rocks:
Die junge Engländerin Mary Quant war noch völlig unerfahren und unbekannt, als sie bereits 1955 in Chelsea einen kleinen Modeladen, den "Bazaar", eröffnete. Da sie keine Kleider nach ihren Vorstellungen zum Wiederverkauf fand, begann sie aus billigen Stoffen und nach einfachen abgewandelten Schnittmustern ihre Modelle selber zu schneidern. 1962 wurden ihre Kreationen zum ersten Mal in der Zeitschrift "Vogue" vorgestellt. Drei Jahre später, wurde ihr "mini- skirt" (Mini- Rock) zum Modeschlager auf der ganzen Welt, und ihre erste Amerika Tournee war ein riessen Erfolg.
Mary Quant hatte den Mut eine Mode zu kreieren, die verrückt genug war, um die Jugend zu begeistern. 1966 erhielt sie für ihre Verdienste um den englischen Modeexport den "Order of British Empire".
Die neue Länge, die mindestens zehn Zentimeter oberhalb der Knie endete, setzte sich durch. Teenager und Hausfrauen ebenso wie Damen des Adels und der High- society trugen ihn, den Mini- Rock. Sogar das englische Königshaus gestattete eine Kleiderlänge von sieben Zentimetern oberhalb der Kniemitte. Der Vatikan, allerdings, verbot die neue "unzüchtige" Kleidung. Strenge Ordnungshüter vor dem Petersdom in Rom wiesen jede modebewußte Dame, die zuviel Bein zeigte, zurück. Der Mini wurde immer getragen, zu jeder Tageszeit und zu jeder Gelegenheit. Ins Theater und zum Galaabend ging die modebewusste Dame mit kurzen Kleidchen aus kostbaren, extravaganten Stoffen und mit den dazu passenden Accessoires. Auch im Büro wurde Mini getragen, und auch der Wintermantel war kurz.

elegantes Mini Kleid
Auch die französische Haute Couture stellte Mode in Supermini vor.1969 war der Höhepunkt der Mini- Länge erreicht. Man trug Röcke, die gerade den Popo bedeckten. Gegen klirrende Winterkälte wehrten sich die "Miniberockten" mit langen Stiefeln und dicken Strumpfhosen. Yves Saint Laurent versuchte 1967/68 seine Kundinnen für halblange Mäntel zu gewinnen, vergeblich. Erst zu Beginn der siebziger Jahre wurden die Knie wieder bedeckt. Verwegen und ein Diskussionsgrund ist der Mini geblieben. Die hohen Herren und die Spießer zerrießen sich das Maul und überlegen wie sie ihre Verklemmtheit am besten hinter Empörung verstecken können. Schon das nackte Knie einer Frau wirkte hochexplosiv.
Eine Meldung: "Wien. Die mit dem Frühling kürzer wedenden Röcke eröhen nach Ansicht österreichischer Kriminalpsychologen die Gefahr von Sexualdelikten. In manchen Situationen stelle der Minirock einen zusätzlichen Anreiz das und könne selbst Männer animieren, die ursprünglich gar keine böse Absicht gehabt hätten. [...]"
Für die Jugendlichen war der Minirock ein Stück Rebellion und je kürzer desto provozierender.
Es gab eine Gruppe von Frauen die schrie: "Der Mini befreit uns". Eine andere rief: "Der Mini, ein Werk des Teufels" und eine dritte Gruppe meinte:
"Der Mini macht uns zu Sex- objekten".
Der Mini hat nicht nur Beine enthüllt, sondern auch Moralvorstellungen und Gesinnungen enthüllt.
In den sechziger Jahren wurde die Blue jeans, die gleichermaßen von Hippies, Gammlern und Wohlstandsbürgern beiderlei Geschlechts geschätzt wurde, allmählich zur selbstverständlichen Alltagskleidung. Jedoch nicht ohne heftigen Widerstand. Schuldirektoren protestierten empört gegen die doch für Mädchen unziemenden Jeanshosen; in vielen Schulen wurde sie ganz verboten. Auch mancher Bürochef sah seine Sekretärin nicht gerne darin. Dennoch war der Siegeszug der Jeans, die der jugendliche, sportlichen Lebenseinstellung der Zeit entsprachen, nicht mehr aufzuhalten.
Auch Jeans gehen mit der Mode. Pop- Art und Hippie- Mode brachten grelle Farben. Teenager bemalten und bestickten sie mit Blumen und mit Sternen, beklebten sie mit bunten Stoffen oder nähten andersfarbige Stoffe rund um den Saum.
Hellblaue Jeans, deren Stoff bereits vor der Verarbeitung ausgewaschen und entsteift wurde, tauchten gegen Ende der sechziger Jahre auf.
Anfänglich waren die amerikanischen Jeans Symbol einer neuen Weltanschauung, die bürgerliche Zwänge und Engstirnigkeit ablehnte. Sie hatten das Flair des freien, unkomplizierten Lebens ohne Kleidungsvorschriften und bürgerliche Konvention. Jeans bedeuteten Auflehnung der Jugend gegen die ältere Generation, die diese Kleidung ablehnte. Die blauen verwaschenen Hosen wurden von Eltern und Vorgesetzten als häßlich abgetan, da sie keine Bügelfalte, unschöne Nähte und derb aufgesetzte Taschen hatten. Sie galt einfach als "zerknittert und unordentlich". Aber schlußendlich war manch eine Mutter froh die Hose nicht mehr mühsam bügeln zu müssen. Dazu kam, dass in den sechziger infolge des Mangels an Arbeitskräften kein Unternehmen sich leisten konnte, einen Arbeitnehmer abzulehnen, weil er Jeans trug.
Der Hosenanzug war ein modischer Ausgleich für alle Gegnerinnen des Mini- Rocks, denn die Hose gehört längst zur selbstverständlichen Kleidung der Dame.
1964 kamen Hosenanzüge à la Marlene Dietrich mit streng geschnittener Jacke in der Art eines Herrensakkos auf. Der Hosenanzug wurde aus allen Stoffen, von Reinseide und Samt über Baumwolle bis zu Synthetics hergestellt.
Als Ergänzung zu Pullover, Leder- und Lodenjacken war die Einzelhose, meist in Streifen-, Karo-, Hahnentritt-, Fischgräten-, oder Jacquardmuster, sehr gefragt.
Die Hose saß knapp auf den Hüften und wurden mit einem Gürtel gehalten.
Eine Zeitlang trug die Jugend die stark ausgestellten, sogenannten Manchesterhosen. Manchen konnten die Hosenbeine und den Saum nicht weit genug sein, weshalb sie in Trompetenform, keilförmig mit der Spitze nach oben, einen oft andersfarbigen Stoff einsetzten.
Die allgemeine Sexwelle, die in den 60er Jahren herrschte zeigte sich auch in der Mode. 1968 sollten auch oben die Hüllen fallen. Die Haut Couture schlug durchsichtige Blusen vor, die ohne Dessous getragen wurden.
Courrèges brachte Kleider aus durchbrochenen Stoffen, die seinen geometrischen Stil bewahrten. Saint Laurent stellte ein langes, transparentes Abendkleid vor und der amerikanische Modedesigner Rudi Gernreich plädierte für "Oben- ohne"- Bikinis.
Er erfand einen BH, der aus zwei, von Gummizug eingefaßten transparenten Dreiecken, bestand. Sein "Oben- ohne"- Baden setzte sich bald an der Cote d`Azur durch.
Pret- à- porter und Boutiquemode:

Boutiquen-Mode
Da nicht mehr Damen über dreißig, sondern Teens und Twens die Mode diktierten, änderte sich auch die Verkaufspraxis der Haute Couture (= Französische Bezeichnung für schöpferisches Modeschaffen in Paris).
Die Modehäuser richteten Boutiquen ein, in denen Pret- à- Pporter- Modelle (Haut Couture von der Stange für den gehobenen Mittelstand) verkauft wurden, die in England "ready- to- wear" und in Italien "Alta Moda pronta" genannt wird. Die Modelle waren weniger extravagant, dafür aber jugendlich und modern.
Op- Art war das, was man vor allem 1963 trug. Yves Saint Laurent und andere stellten Kleider und Ensembles mit schwarz- weißem, geometrischem Muster vor, die sofort allgemein Anklang fanden. Bald tauchte das Muster auch auf Mänteln und Kostümen, ebenso auf Kappen, Schuhen oder Handtaschen, auf. Auch Schmuck wie Ketten, Ringe und Ohrclips gab es mit schwarz- weißem, geometrischem Muster.
In England gab es von Jahr zu Jahr, mehr "heiße" Boutiquen. Unter dem Klang von Beatrhythmen verkauften sie alles, was "poppig" und "schocking" war, wie zum Beispiel T- Shirts mit Comic- Strip- Abzeichen oder knalligen Pop- Art- Motiven, knielange Stiefel in allen Schockfarben mit Sternen und Blumen übersät, dazu passende Umhängetaschen sowie Jeans mit bunten Applikationen, Uhren in Bonbonrosa und Grasgrün. In der englischen Metropole, gab es alles, was die Jugend begehrte. Außerdem gab es in England die ersten Mini- Röcke.
"The Roaring Sixties"
"Mode im 20. Jahrhundert"; Ingrid Loschek;
"Bekleidungslexikon"
"Hippie- Lexikon"
Bildquellennachweis:
Alle Bilder aus dem Buch "Mode im 20. Jahrhundert" von Ingrid Loschek