Friedensbewegung

 

 

Inhalt:

 

1. Vietnam

1.1 Internationaler Vietnam-Kongress

1.2 Vietnam-Proteste

 

2. Abrüstung

2.1 Abrüstungskonferenz

2.2 Ostermarschbewegung

 

3. Aufrüstung

3.1 Nato-Doppelbeschluss in Brüssel

 

 

 

1. Vietnam

 

1.1 Internationaler Vietnam-Kongress

 

Der "Internationale Vietnam-Kongress" wurde 1968 in West-Berlin abgehalten und die Beteiligten forderten, dass "in Vietnam wie in den Metropolen der Imperialismus beseitigt werden müsse, um ein menschenwürdiges Leben auf diesem Globus zu ermöglichen".1

Veranstaltet wurde der Kongress von sozialistischen und trotzkistischen Organisationen aus Ländern wie Frankreich, Italien, Holland und Grossbritannien. Außerdem wurde das Ganze unterstützt von Menschen wie Jean-Paul Sartre, Ernst Bloch, Helmut Gollwitzer, Michelangelo Antonioni und Giorgio Strehler.2

Die Veranstaltung sollte ein Zeichen für den Antiimperialismus in Westeuropa setzen.

 

 

Reaktion des Berliner Senats auf den Vietnam-Kongreß

Der Senat von Berlin, das Abgeordnetenhaus von Berlin, die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien, die Gewerkschaften und der Ring politischer Jugend ermutigen die Berliner Bevölkerung, bei der Kundgebung teilzunehmen. 3

Dabei verwenden sie folgende Worte:

"Berlinerinnen und Berliner! Unsere Stadt steht für Freiheit und Frieden. Das haben wir in der Vergangenheit bewiesen. Das werden wir auch in Zukunft beweisen. Was die Berliner denken und wollen, werden sie morgen vor der Welt kundtun. Wir wissen, wer unsere Freunde sind. Wir lassen uns von ihnen nicht trennen. Wir wissen auch, wo unsere Gegner stehen. Alle Berliner sind zur Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg am Mittwoch um 16.30 Uhr aufgerufen. Berlin steht für Freiheit und Frieden."4

 

 

Auszug aus der Rede des Vorsitzenden der Jungsozialisten

Bei dieser Rede wird auf die wenigen "Krawallmacher" eingegangen und klargestellt, dass eine Mehrheit der Jugendlichen für einen Frieden in Vietnam ist.

Ganz klar wird ein politischer Frieden gefordert, der militärische Sieg des Vietkongs aber verachtet.

 

Auzug aus der Rede des Berliner DGB-Vorsitzenden und Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhases, Walter Sickert:

 

In dieser Rede kritisiert Walter Sickert die Gewaltbereitschaft vieler Demonstranten, seiner Meinung nach kann man nicht "Haß gegen Haß, Gewalt gegen Gewalt oder Terror gegen Terror"5 setzen.

Für ihn ist der Erhalt der Demokratie, des Friedens und der Freiheit sehr wichtig.

Walter Sickert glaubt, dass die Demonstranten nicht für die baldige Beendigung des Vietnamkrieges auf die Strasse gehen, sondern um Kritik am Staat zu üben.

 

1.2 Vietnamproteste

 

Ständig kommt es zu weiteren Protesten gegen den Vietnamkrieg. Am 13. und 14.  November 1965 versammeln  sich 250.000 Menschen in Washington und sie fordern ein Ende des Blutvergießens.6

Weiters gibt es immer mehr Anzeichen für Massaker, ausgeübt von den US-Einheiten.

Laut der "New York Times" soll es im südvietnamesischen Dorf My Lai am 16. März 1968 zu einer Massenermordung mit ca. 500 Opfern gekommen sein.

 

Proteste gegen den Krieg in Vietnam kamen oft von jungen Menschen. In den USA gab es die Hippies und die Black Panther, in Amsterdam die Provos, in Japan die Zengakuren, in Lateinamerika die Guerilleros, in Vietnam den Vietkong und in China die Roten Garden. Diese Menschen bildeten eine große Befreiungsbewegung.

 

 

 

Das Bild zeigt eine Demonstration gegen den Vietnam-Krieg. Sie findet am 18. Februar 1968 in Berlin statt. Die Medien griffen die studentischen Aktionen bereitwillig auf und sorgten für eine bis dahin nicht dagewesene Publizität des Protests.

 

Fakten zu den Vietnam-Protesten7

 

Am 9. 2. 1965 demonstrieren Tausende von Studenten von der Lumumba-Universität in Moskau gegen erneuten Bombenangriff von den USA in Vietnam. Als Zeichen ihres Protestes beschädigen sie mit Tintenfässern und Steinen die amerikanische Botschaft.

 

Am 1. März1965 kommt es zum Sturm auf die Wohnung des amerikanischen Botschafters in Djakarta. Dabei beteiligt sind Hunderte indonesische Studenten, die gegen die Angriffe der USA auf Vietnam protestieren.

 

Am 4. 3. 1965 belagern die Studenten von Moskau erneut die amerikanische Botschaft. Dabei werden Beteiligte verletzt und Studenten verhaftet.

 

Am 24.3. 1965 kommt es zu Vorbereitungen auf den ersten Marsch auf Washington. Diese Vorbereitungen werden an der Universität von Michigan getroffen. Teilnehmer sind 3000 Studenten und Professoren, die gelieferten Informationsbeiträge dauern bis früh in den Morgen. Der Marsch auf Washington findet dann am 17. April 1965 statt. Dabei protestieren 25000 Menschen gegen den Vietnamkrieg und die Regierung von Johnson.

 

Vom 15.-16. Oktober 1965 wird der "Vietnam Day" veranstaltet. Beteiligte sind Studenten und Professoren von amerikanischen Colleges und Universitäten. Die Demonstration am amerikanischen Militärstützpunkt soll verhindern, dass weitere Truppen nach Vietnam geschickt werden.

 

Am 27.11.1965 wird die Fortsetzung des 1. Marsch auf Washington durchgeführt. Hierbei protestieren 40000 Menschen gegen die Fortführung des Krieges in Vietnam.

 

Am 16.12.1965 werden die Rocker "Hell´s Angels" in die Demonstration mit einbezogen, jedoch eskaliert die Situation. Die Rocker greifen die Wortführer der Vietnam Gegner mit den Worten "Verräter, Kommunisten, Beatniks" an. Nur durch Polizeigewalt kann die Lage stabilisiert werden.

 

Am 3.-4. Februar 1966 wird eine Plakataktion mit dem Titel "Amis raus aus Vietnam" gestartet. Dabei werden Beteiligte verhaftet und es kommt zu einer Demonstration auf das Amerikahaus, bei der sich 2500 Studenten beteiligen. Es wurden Sitzstreiks durchgeführt, dadurch wurde der Verkehr lahmgelegt.

 

Am 26.3.1966 wird ein "Internationaler Tag des Protests" abgehalten. Gegner des Vietnamkrieges marschieren in New York durch die 5th Avenue bis zum Central Park. In weiteren amerikanischen Städten kommt es ebenfalls zu Massenveranstaltungen, auch in Rom wird demonstriert.

 

 

2. Abrüstung

 

 

2.1 Abrüstungskonferenzen

 

Im März 1960 treffen sich die zehn Mächte USA; Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, Sowjetunion, Polen, CSSR, Rumänien und Bulgarien erstmals in Genf um bei der Ost-West-Abrüstungskonferenz mitzumachen.

Der Vorschlag von den Briten ist ein Drei-Stufen-Plan. Die Russen sind für eine totale Abrüstung innerhalb von vier Jahren. Die Sowjets wollen außerdem einen Vertrag zur Einstellung von leicht erkennbaren Atomversuchen - einschließlich der unterirdischen Kernexplosionen. 8

 

 

 

 

Im März 1962 wird erneut über die Abrüstung in Form einer Konferenz beraten. Das Thema ist die Abrüstung zwischen den USA und der UdSSR. Ort der Verhandlungen ist Genf und Teilnehmer sind 5 Staaten jeweils aus der NATO und dem Ostblock sowie 8 bündnisfreie Länder.

Das Ziel dieses Treffens soll eine kontrollierte Abrüstung sein.

Es werden zahlreiche Vorschläge gebracht, doch zu einer Einigung kommt es nicht. Trotzdem stehen weiteren Verhandlungen nichts im Wege. 9

 

 

 

2.2 Ostermarschbewegung

 

Die Anfänge dieser Bewegung waren dreitägige "Ostermärsche" im Jahre 1960. Dabei trafen sich ethisch-pazifistisch motivierte Menschen um gegen die atomare Aufrüstung zu demonstrieren. Ihr Vorbild war die britische "Campaign für Nuclear Disarmament".

Ab 1963 wurde diese Organisation "Kampagne für Abrüstung" genannt, später ab 1968 nennt sie sich "Kampagne für Demokratie Abrüstung".

 

 

Die Zahl der Teilnehmer bei diesem Märschen stieg ständig an. Am Anfang nahmen nur etwa 1.000 Menschen teil, diese Zahl steigerte sich bis zu 300.000. Mitglieder dieser Bewegung waren Geistliche, Theologen, Pädagogen, Gewerkschaftsfunktionäre, Künstler, Schriftsteller, Publizisten, Wissenschafter und Hochschullehrer. Es wurden Öffentlichkeitskampagnen, Demonstrationen, sogenannte "direkte Aktionen" selber organisiert, es wurde gewaltfrei Widerstand geleistet. Im Jahr 1970 wurde es ruhiger um diese Bewegung, da manche führende Mitglieder ausgetreten sind.

Erst 1982 tauchte die Ostermarschbewegung wieder auf, dies auf Grund der NATO-Nachrüstung. Jedoch hatte das Interesse an dieser Bewegung nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall des Ostblocks nachgelassen.

 

 

3. Aufrüstung

 

 

 

3.1 Nato-Doppelbeschluss in Brüssel

 

Im November 1979 steht es fest, dass die Mitgliedsstaaten der NATO den Entschluss gefasst haben, nachzurüsten.

Die Sowjetunion hat seit Mitte der 70er Jahre neue Mittelstreckenraketen stationiert. Mit diesen könnten sie alle westlichen Hauptstädte erreichen. Dadurch sah sich die NATO bedroht und das Resultat war ein erneutes Aufrüsten.

Wenn die Sowjets nicht zustimmen und diese Waffen vom Typ SS 20 abrüsten, so wird im Westen ab 1983 mit vergleichbaren Waffen nachgerüstet.

 

Dieser Beschluss trifft in der Bevölkerung auf großen Widerstand. Tausende von Menschen versammeln sich auf den Strassen und demonstrieren gegen diesen Beschluss. Von der deutschen Friedensbewegung wird eine Aktionswoche gestartet. Dazu gehörten Sitzblockaden, Friedenscamps und Menschenketten. Ebenfalls wird die Politik von Kohl und seinen Verbündeten kritisiert.

Aufgrund der zahlreichen Protesten glaubte die Sowjetunion nicht an eine Nachrüstung, deswegen sind sie auch nicht zum Einlenken bereit. Als dem Nato-Doppelbeschluss dann zugestimmt wurde, versuchten viele Anhänger der Friedensbewegung mit einer Blockade die Nachrüstung aufzuhalten. Zu diesem Zweck blockierten sie ein amerikanisches Raketenlager in Württemberg. Mit dieser Aktion sollte die Stationierung von amerikanischen Atomraketen verhindert werden.

Die folgenden Abrüstungsverhandlungen wurden durch diesen Beschluss stark beeinträchtigt.

 

Durch den Nato-Doppelbeschluss herrschte in der Bevölkerung Angst vor einem Atomkrieg. Aus diesem Grund entstand in den 80er Jahren in manchen westlichen Staaten eine Friedensbewegung. Die Mitglieder dieser Bewegungen sind mit der Aufrüstung der Großmächte nicht einverstanden und protestieren dagegen. Ihre Forderungen beinhalten eine Rüstungskontrolle und Abrüstung. Die BRD und die DDR wären von einem Atomkrieg zuerst betroffen. Deswegen entstand sogar in der DDR als einziges Ostblockland eine Friedensbewegung.

Die Anhänger dieser Friedensbewegung in der Bundesrepublik waren von den Grünen, von kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen und auch von der SPD. Sie veröffentlichten den "Krefelder Appell" was ein Aufruf an die Bundesregierung sein sollte. Darin forderten die Mitglieder, dass die Stationierungserlaubnis von amerikanischen Mittelstreckenraketen in Deutschland zurückgenommen werden soll. Eine weitere Aktion der deutschen Friedensbewegung war die Demonstration im Bonner Hofgarten 1980. Dabei nahmen 100.000 aus der ganzen Bundesrepublik teil.

 

 

Anmerkungen:

 

1 The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 196

2 Vgl. The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 196

3 Vgl. The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 197

4 Zitat aus The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 197

5 Vgl. The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 199

6 Vgl. Chronik des 20. Jahrhunderts, S. 1012

7Vgl. http://www.trend.partisan.net/1967/2667112.html

8 Vgl. Chronik des 20. Jahrhunderts, S. 877

9 Vgl. Chronik des 20. Jahrhunderts. S. 933

10 The roaring sixties. Hamburg, 1986, S. 73

 

 

Bildnachweis:

 

http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/NeueHerausforderungen/Buergerbewegungen/friedensbewegung.html

 

http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/NeueHerausforderungen/Buergerbewegungen/antiAtomkraftBewegung.html

 

http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/NeueHerausforderungen/Buergerbewegungen/ostermarschBewegung.html

 

 http://www.dhm.de/ausstellungen/erf/raum/hdd/bild39.htm