Der Nahostkonflikt, Juden Massenflucht, Gründung des Staates Israel
Von Theodor Herzls Judenstaat bis zur Deklaration
Theodor Herzl, geboren am 2. Mai 1860 in Budapest, studierte Jura und widmete sich auch der Schriftstellerei. Er war der Meinung, dass das Problem des Antisemitismus (Hass und Feindseligkeit gegen Juden) sich lösen würde, wenn die Juden einen eigenen Staat hätten. In einer Schrift von 72 Seiten namens „Der Judenstaat – Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ schrieb er seine Gedanken und Vorschläge darüber auf. Er war der Hinsicht, dass der Staat nicht unbedingt in Palästina sein muss, sondern vielleicht auch in Afrika, Argentinien sein. Doch
zuerst wurden die Ideen von Theodor Herzl nicht gerade zum Erfolg. Die meisten Juden waren der Meinung, dass sie keinen Staat bräuchten, da sie keine Nation
wären, sondern nur einen gemeinsamen Glauben hätten. Schon vor Herzl hatten andere Juden, wie zum Beispiel Moses Hess und Leon Pinsker, den Vorschlag des Zionismus (eigener Staat für Juden) gegen den Antisemitismus gehabt, deshalb gilt Theodor Herzl nicht als Gründer
des Zionismus. Jedoch war Herzl der Erste, der den Zionismus als politische Bewegung organisierte. So kam es zum ersten Zionistenkongress in Basel vom 29. bis 31.08.1897.
Es gab viele Vorschläge. Ein Beispiel: Die Errichtung zionistische Banken oder hebräische Universitäten
kamen zum Gespräch und die Bauten wurden auch realisiert. Einer der wichtigsten Ziele dieser Zionistenkongresse war auch ein Staat in Palästina zu gründen. Für Herzl und seinen Mitstreitern lautete es: „Ein Land ohne ein Volk für ein Volk ohne Land“.1 Dass es ein Land ohne Volk gar nicht gibt, wurde ignoriert. Sie hatten auch verschiedene Vorstellungen, was mit den Menschen dort gemacht werden könnte, um einen jüdischen Staat zu gründen. Herzl schrieb seine Vorstellung in seinem Tagebuch auf: „Die arme Bevölkerung trachten wir unbemerkt über die Grenze zu schaffen, indem wir ihr in den Durchzugsländern Arbeit verschaffen, aber in unserem eigenen Lande jederlei Arbeit verweigern.“2
Die Zionisten sahen sich selbst als „Ureinwohner“ des Palästinas, denn sie sind die Nachfolger der Hebräer. So meinte der erste Ministerpräsident Israels David Ben Gurion 1937: „Das Land ist in unseren Augen nicht das Land seiner jetzigen Bewohner […] Wenn man sagt, das Israel das Land zweier Nationen sei, so verfälscht man die zionistische Wahrheit doppelt. […] Palästina muss und soll nicht die Fragen beider Völker lösen, sondern nur die Frage eines Volkes, des jüdischen Volkes in der Welt.“3
Am 3. Juli 1904 starb Theodor Herzl ohne die Verwirklichung seines Traumes zu sehen.

Theodor Herzl
Quelle: Bild:
http://www.zionismontheweb.org/herzl.jpg
Der Nahe Osten war bis 1918 Teil des Osmanischen Reiches. Doch als das Osmanische Reich im November 1914 an der Seite Deutschlands, Österreich-Ungarns getreten war und verlor, wurde Großbritannien zunächst die entscheidende Macht im Nahen Osten.
Am 15. Juni 1916 erklärten die Araber den Türken den Krieg, weil sie unabhängig sein wollten und die Türken vertreiben wollten. Die Araber waren der Meinung, dass sie genug unter dem Osmanischen Reich gelitten hätten.
Am 16. Mai 1916 vereinbarten Großbritannien und Frankreich den Sykes-Picot-Abkommen, eine Aufteilung der Region, indem Palästina unter gemeinsame Verwaltung kommen sollte.
Nach Herzls Tod war sein Nachfolger, der Hauptsprecher der Zionisten, Chaim Weizmann. Weizmann gelang am 2. November 1917 die Balfour-Deklaration, die nach dem damaligen Außenminister benannt ist und indem die britische Regierung erklärte: „Die Regierung Seiner Majestät begrüßt die Errichtung eines Staates für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Möglichstes zur Unterstützung dieses Projekts tun. Bei der Erreichung dieses Zieles sollen die zivilen und religiösen Rechte der bereits in Palästina lebenden, nichtjüdischen Gemeinden nicht beeinträchtigt werden ...”4
Quelle: Rolf
Steiniger, Der Nahostkonflikt, Frankfurt am Main 2005
Microsoft Encarta Enzyklopädie
Professional 2005
Das britische Mandat
Die Briten hatten den Arabern ein eigenes
Großreich versprochen, doch inzwischen wollte keiner in Großbritannien darüber
sprechen. Für sie war das Wichtigste im Moment die Vereinbarung mit den
Franzosen.
Ben Gurion, geboren 1886 in Polen, war einer der entscheidenden Führer des
Zionismus und war auch der erste Ministerpräsident von Israel. Ben Gurion war
auch einer der Ersten, der einsah, dass es keine Lösung für den
jüdisch-arabischen Konflikt gibt.
Weizmann hatte dem Sohn Husseins Emir Feisal versprochen, dass die Juden nicht
die Absicht hätten eine Regierung zu bilden. So kamen Emir Feisal und Weizman im
Januar 1919 in Paris zu einer Vereinbarung zusammen. Doch als Weizman sagte,
dass sie Palästina jüdisch machen wollten und Emir Feisal fest entschlossen war,
dass sie Palästina nicht hergeben würden, wurde keine Vereinbarung geschlossen.
So nahmen die Araber die Sache selbst in die Hand. Am 8.03.1920 wurde Feisal zum
König ausgerufen und schon nach vier Wochen kam es zu den ersten antijüdischen
Aktionen indem Juden getötet und mehrere verletzt wurden. Im gleichen
Monat noch am 24.04.1920 kamen Frankreich und Großbritannien zusammen und
teilten die Region ein: Syrien und Libanon wurde französisch, Palästina und
Mesopotamien britisch. Bald wurde die jüdische Vertretung Jewish Agency
öffentlich anerkannt und wurde auch zur Regierung Palästinas eingeschlossen.
1922 machte Winston Churchill im „Ersten Weißbuch“, der Balfour-Deklaration entsprechend klar, wie es weiter gehen sollte: „1. Die jüdische nationale Heimstätte wird in Palästina errichtet, Palästina ist den Juden nicht als Heimstätte gegeben worden. 2. Dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit ist das Recht verliehen worden, die nationale Heimstätte zu errichten. 3. Die jüdische Gemeinschaft im Lande ist, unterstütz durch die Bemühungen des gesamten jüdischen Volkes, kraft eigenen Rechts und nicht aus Duldung in Palästina.“ 5
Doch nun herrschte eine noch größere Brutalität zwischen den Arabern und den Juden in Palästina. Es wurden 133 Juden und 116 Araber getötet. Deshalb setzten die Briten eine Untersuchungskommission ein und die Schlussfolgerung war, dass die Araber für die Massaker verantwortlich gemacht wurden, doch mit dem völligen Verständnis der Briten. Die Juden waren empört. Doch im Weißenbuch stand geschrieben, „dass Großbritannien gleich große Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern habe und die Jewish Agency keinen speziellen politischen Status besitze.“6 Daraufhin meinte Weizmann, dass es für sie unmöglich sei hier etwas zu erreichen. Es schien auch so, dass weitere Entwicklungen nur mit Zustimmung der Araber geführt werden könne. So brachte der britische Premierminister Ramsay MacDonald in einem Brief an Weizmann 1931 die Dinge wieder in die richtigen Verhältnisse. Dies war Weizmanns letzter politischer Erfolg und wurde von den Arabern als den „Schwarzen Brief“ angesehen.
„Im Februar 1947 erklärte die britische Regierung, sie habe „nicht die Macht, das Land den Arabern oder den Juden zuzusprechen oder es unter ihnen aufzuteilen” und schob das Problem den Vereinten Nationen zu, die in der Generalversammlung vom 29. November 1947 mit einer Stimmenmehrheit von 33 zu 13 die Aufteilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschlossen (UN-Resolution 181). Beide Staatsgebilde sollten in einer Wirtschaftsunion verbleiben, für Jerusalem war ein internationaler Status vorgesehen.“7

Quelle:Bild:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Declaration_of_State_of_Israel_1948.jpg
Am 14. Mai 1948 endete schlussendlich das 26-jährige britische Mandat über Palästina. Im Stadtmuseum von Tel Aviv bei der Versammlung des jüdischen Nationalrates verkündete Ben Gurion unter einem Porträt von Theodor Herzl, links und rechts Fahnen mit dem Davidstern (oben am Bild zu erkennen), die Errichtung des Staates Israel. Nach elf Minuten wurde Israel von USA anerkannt. Gleich am nächsten Tag wurde Israel von ägyptischen, jordanischen, syrischen und irakischen Truppen angegriffen. Somit begann der erste israelisch-arabische Krieg.
Quelle:
Rolf Steiniger, Der Nahostkonflikt, Frankfurt am Main 2005
Microsoft
Encarta Enzyklopädie Professional 2005, Israel Geschichte
Flucht der Juden in die verschiedenen
Ländern
Mit der Machtergreifung der
Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich löste sich in der jüdischen
Bevölkerung eine Massenflucht aus. In Österreich flüchteten viele in die
Nachbarländer, wie zum Beispiel Ungarn und Tschechoslowakei. Auch im
faschistischen Italien und Jugoslawien, das noch ein Königreich war, wurde von
den Juden Zuflucht gesucht. Andere Zufluchtsländer waren auch noch Frankreich,
Belgien, Niederlande und Großbritannien. Doch nicht allen gelang die Flucht.
Manche Flüchtlinge kamen wieder in den nationalsozialistischen Machtbereich und
andere starben auf der Flucht.
In Belgien im Frühjahr 1940 erreichte die jüdische Bevölkerung ungefähr 90.000
Personen von diesen Personen kamen 1.000 aus Österreich. Doch als auch Belgien
von der Deutschen Wehrmacht besetzt wurde, löste dies auch in Belgien eine
Massenflucht aus und deshalb lebten Ende 1940 nur noch ca. 52.000 Juden dort.
Bei der Deportierung der Juden aus Frankreich waren ungefähr 3.500
ÖsterreichInnen darunter.
Trotz der engen Verbindung Italiens zu Nazideutschland wurden mindestens 420
Flüchtlinge gefunden und nach Auschwitz deportiert.
Auch in der USA stieg die jüdische Bevölkerungsanzahl in den Jahren 1919 bis
1931 von 60 000 auf 175 000. Von 1932 bis 1938 flüchteten nur von Deutschland,
Österreich und Tschechoslowakei über 198 000 Juden nach Palästina aus.
Quelle: Rolf
Steiniger, Der Nahostkonflikt, Frankfurt am Main 2005, Seite 20
http://www.doew.at/projekte/holocaust/shoah/flucht/inhalt.html
Unabhängigkeitskrieg
Im ersten israelisch-arabischen Krieg erlitten die
Araber eine Niederlage, deshalb wurde diese von den Juden als den
„Unabhängigkeitskrieg“ gesehen. Doch dies hatte auch schwere Folgen: rund 70 000
Palästina flüchteten und die Araber waren jetzt noch entschlossener Israel zu
vernichten. Am Juli 1952 stürzten die „freien Offiziere“, darunter Gamal Ald el
Nasser, den König Faruk I. Nasser wurde 1954 Staatspräsident und sah sich als
Führer des arabischen Nationalismus. Dies bedeutete das Ende der britischen
Präsenz in Ägypten und so zogen sich Oktober 1954 die britischen Truppen
zurück.
Suezkrieg
Einer der wichtigsten Ziele für die Amerikaner und
der Briten war einen sowjetischen Einfluss im Nahen Osten zu hindern. So kam es
zur der Verteidigungsallianz indem Irak, Türkei, Iran und Pakistan
eingeschlossen wurden, der auch Bagdad- Pakt genannt wurde und von USA
finanziert wurde. Die Araber traten nicht bei, weil sie von Israel eine größere
Bedrohung sahen als wie von der Sowjetunion. Diese Befürchtung bestätigte sich
bald darauf, denn israelische Fallschirmjäger töteten 40 ägyptische Soldaten im
Gazastreifen. Nasser wollte ein neues Ägypten aufbauen doch dafür brauchte er
Geld, doch die Briten und USA lehnten ab. Deshalb kam nur noch die Sowjetunion
in Frage und so schlossen sie am 27. September 1955 ein Abkommen. Frankreichs
Interesse in Algerien wurde auch von Nasser bedroht, weil er sich als Führer der
Araber und Moslems sah. So verbündete sich Frankreich mit Israel und wurde zum
größten Waffenlieferanten Israels. 1956 erkannte Nasser das kommunistische China
an und so war es für den US-Außenminister Dulles klar, dass Nasser seine Politik
ändern musste. Am Juli 1956 verstaatlichte Ägypten den Suezkanal. Dieser Kanal
war für Großbritannien und Europa sehr wichtig, weil von dort Öl transportiert
wurde. Israel rückte mit Hilfe von Frankreich und Großbritannien bis zum
Suezkanal vor, weil sie diese unrechtliche Lage ändern wollten. Doch im Dezember
1956 mussten die britisch-französischen Truppen wegen einer UN-Resolution
zurückziehen und wurden durch UN-Truppen ersetzt. Durch die UN-Truppen konnten
wider im Suezkanal die israelischen Schiffe fahren und so zog sich schließlich
auch Israel zurück.
Der Sechstagekrieg
Am 5. Juni 1967 begannen wieder israelische Angriffe
auf Ägypten, weil sie den Golf von Akaba sperrten, der lebenswichtig für Israel
war. In kurzer Zeit besetzten die israelischen Truppen den Gazastreifen und
stießen in den Sinai vor. Der Sieger in diesem Krieg war klar. Israel hatte mit
diesem Krieg ein viermal so großes Gebiet erobert als das Staatsgebiet von 1949.
Nach dem Krieg war der Schiffsverkehr im Suezkanal bis 1975 blockiert.
Jom-Kippur Krieg
Am jüdischen Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag)
griffen ägyptische und syrische Truppen Israel an. Durch den
Überraschungsangriff hatten Ägypten und Syrien zu erst Erfolg, doch als USA
Israel militärische Unterstützung bot, wendete sich das Ganze. Doch durch den
Druck von der Sowjetunion und USA musste Israel seine Offensive beenden. So zog
sich 1974 aus einigen eroberten Gebieten zurück.
Das Camp David Abkommen

Quelle: Bild: http://jafi.jewish-life.de/zionismus/concepts/images/sd32.jpg
Am 17. September 1978 unterzeichneten der ägyptische Staatspräsident Anwar as Sadat und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin mit den Vermittlungen von dem US-Präsidenten Jimmy Carter, Abkommen für den Frieden im Nahen Osten.
Golfkrieg
Der erste Golfkrieg begann am 22. September 1980
durch den Angriff der irakischen Truppen auf Iran. Iraks Ziel war den
Grenzverlauf zwischen den beiden Staaten neu zu definieren. Zuerst hatte der Irak
Erfolge, doch dann startete Iran entlang der Grenze Angriffe und versuchte die
irakische Stadt Basra einzunehmen. Schließlich bestimmten beide Seiten 1988 den
Waffenstillstandsverhandlungen zu und so kam es am 20. August 1990 zum Frieden.
Während des 1. Golfkrieges starben etwa eine Million Menschen.
Der zweite Golfkrieg entstand zwischen Kuwait und Irak. Der Krieg begann am 2. August 1990 als Saddam Hussein mit seinen Truppen in Kuwait einmarschierte. Sein Ziel war die Kontrolle über die kuwaitischen Ölreserven an sich zu nehmen. Die Truppen Kuwaits wurden schnell von den Irakischen überrollt. So entstand unter der Aufsicht der Vereinten Nationen ein Militärverband aus Saudi-Arabien, Großbritannien, Ägypten, Syrien, USA und Frankreich. Ziel dieses Militärverbands war es Saudi-Arabien vor den Angriffen Iraks zu schützen. Innerhalb von 100 Stunden war die Stadt Kuwait befreit, doch die Schäden, die die irakischen Truppen angerichtet hatten, waren erheblich. Vertreter des Irak nahmen am 3. März die Bedingungen der Vereinten Nationen für einen vorübergehenden und am 6. April für einen ständigen Waffenstillstand an.
Libanonkrieg
An Israels Nordgrenze fanden immer wieder Konflikte
zwischen PLO (die Palästinensische Befreiungsorganisation
und die politische Vertretung der palästinensischen Araber) und Israel statt.
Durch die Ermordung des israelischen Botschafters in London nahm sich Israel das
Recht alle PLO-Stützpunkte bis nach Beirut zu eliminieren. Am 6. Juni 1982
marschierten israelische Truppen in Libanon ein. Durch die Hilfe und
Unterstützung von USA hatten die Israelis Erfolg. Sie hielten bis 1985 den Süden
Libanons besetzt.
Prinzipienerklärung

Quelle: Bild: http://img.stern.de/_content/53/16/531604/ArafatClintonRabin_250.jpg
In einem Schreiben von Arafat an Rabin am 9. September hieß es: „Die PLO erkennt das Recht des Staates Israel auf Existenz in Frieden und Sicherheit an. Die PLO nimmt die Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an. Die PLO verpflichtet sich auf den Nahost-Friedensprozess und auf eine friedliche Lösung des Konfliktes zwischen den zwei Parteien und erklärt, dass alle ausstehenden Fragen über den dauerhaften Status durch Verhandlungen geregelt werden.“8 So fand die Osloer Prinziperklärung am 13. September 1993 in Washington statt und wurde von Israel und der PLO unterzeichnet.
Quelle: Rolf Steiniger, Der
Nahostkonflikt, Frankfurt am Main 2005
Microsoft Encarta
Enzyklopädie Professional 2005
1 Rolf Steiniger, Der Nahostkonflikt, Frankfurt am Main 2005, Seite 8