Geschichte der Juden von 1000 v Chr. bis 1933 in groben Zügen




3 Könige

Samuel wurde nachgesagt, der letzte Richter gewesen zu sein, der vom Volk gebeten wurde, ihm einen König zu geben. Somit ernannte er Saul zum König. Saul war jedoch nicht im Stande, diese Bürde zu übernehmen. Gott, so heißt es in der Bibel, verwarf ihn. An seine Stelle trat König David, letzter Sohn Isasis, der von Samuel auf Gottes Bitte aufgesucht und gesalbt wurde. Nach einem siebenjährigen Krieg herrschte David nicht nur in Judäa, sondern auch in Israel und ernannte Jerusalem, das an der Schnittstelle von Judäa und Israel lag und zu keinem der 12 Stämme gehörte, zu seiner Hauptstadt. Er ernannte die Stadt jedoch auch zum „religiösen und kulturellen Mittelpunkt des jüdischen Volkes.“ Zudem dehnte er „Israels Einflussgebiet vom Euphrat bis an die Grenze Ägyptens“ aus. 1 Nächster König wurde Salomo, Davids Sohn, der, als er den Thron bestieg, eher Frieden und Ruhe wollte. Er strebte es an, Reichtümer anzusammeln und seine außenpolitischen Pflichten erfüllte er nicht mit Kampf und Krieg, sondern mit Diplomatie. Er war für seine Weisheit für seine Bautätigkeit bekannt. Er baute den ersten Tempel, den Salomonischen Tempel, der später jedoch zerstört wurde.

Rekonstruktion des Salomonischen Tempels

Auseinanderbrechung des Reiches

Nach Salomos Tod zerbrach die Einheit des Volkes, das Land teilte sich in einen nördlichen und einen südlichen Teil. (Im Norden Israel mit der Hauptstadt Sichern – später Samaria; und im Süden Judäa mit der Hauptstadt Jerusalem.) Es entstanden Kämpfe zwischen den zwei Staaten, sowohl wegen territorialen, als auch wegen kulturellen Fragen. Die in Israel Angesiedelten waren nämlich plötzlich nicht mehr so Gottergeben, wie diese, die in Judäa lebten. Somit spaltete sich das Königreich nur weiter, in dem sich Nachbarvölker von der „Herrschaft befreiten und ihre eigenen Territorien auf Kosten Israels und Judas vergrößerten.“  2 Was die beiden Königreiche aber vor allem unterschied war die Tatsache, dass die Dynastie in Judäa von dem Haus David ausging, Israel jedoch insgesamt den Aufstieg und Untergang von neun Dynastien miterlebte.

Der im Norden angesiedelte Stamm wurde jedoch endgültig besiegt, als die Assyrer (diese haben eine lange Reihe ausländischer Großmächte gegründet. Assur, Babylon, Medien, Persien, Griechenland, Rom) eintrafen und die Hauptstadt eroberten und dann auch noch verschiedene Kulturen einsiedelten. Somit entstand eine religiöse und kulturelle Mischkultur, sodass es einfach nicht mehr möglich war, die Traditionen Israels fortzuführen. Der Süden konnte sich davor aber retten, indem sie sich den Assyrer einfach beugten.


Die Zerstörung des 1. Tempels und das Babylonische Exil

Ein babylonischer König namens Nebukadnezar eroberte 586 v. Chr. Jerusalem und zerstörte den Königspalast, wie auch den Salomonischen Tempel. „Bevor sie den Tempel nieder brannten, schafften die Babylonier die Tempelgeräte fort, darunter die Bundeslade, die seitdem verschollen ist.“  3 Er verschleppte jedoch auch die Juden nach Babylon und steckte sie in ein Exil. Dies ist seit jeher als „Babylonisches Exil“ bekannt. In dieses Exil wurden auch die Propheten Daniel und Ezechel gebracht, wie auch der König Jojakim. In dieser Diaspora (Gebiet, in dem eine religiöse oder nationale Minderheit lebt, Wörterbuch Encarta), in die die Juden vom babylonischen König geschickt worden waren, durften sie, im Gegensatz zu den Juden, die zehn Jahre vorher von den Assyrer verschleppt wurden, ihren Glauben und ihre Traditionen mitten unter der heidnischen Völker weiterführen. Mit der Zerstörung des Tempels erkannten die Juden, dass sie nicht unbedingt einen Tempel brauchen, um Gott zu huldigen, und diesem auch keine Opfergaben niederlegen müssen. Stattdessen zogen sie sich auf die Tora zurück und Gebete traten anstelle von Opferbräuchen auf. „Der Perserkönig Kyros II. erlaubte den Gefangenen ab 538 v. Chr. die Rückkehr in ihre Heimat und den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempel.“  4 Der Tempel wurde 515 v. Chr. fertig gestellt und somit nahmen die Juden ihren Kultus in Jerusalem wieder auf.

Esra, der aus dem Babylonischen Exil kam, führte die Juden in Judäa allmählich wieder zurück zu ihren Anfangswurzeln und handelte wieder nach dem Gesetz der Tora. Genau aus diesem Grund hat ein Bild Esras auch seinen Platz in einer babylonischen Synagoge nahe des Tora-Schreins gefunden. Dann kam auch noch Nehemia 445 v. Chr. als Statthalter und errichtete wieder die Stadtmauern, sodass Jerusalem wieder ein politisches, aber auch ein geistiges Zentrum wurde. Und da er den Schuldenerlass etwas entschärfte legten sich soziale Spannungen zwischen den Völkern.


Das Bild von Esra, das in einer babylonischen Synagoge ausgestellt ist


Nehemia

Juden und der Hellenismus

Dann eroberte 332 v. Chr. Alexander der Große sowohl Syrien wie auch Palästina. Die Juden, die sich zugleich unterwarfen, erreichten somit, dass sie keinen Statthalter bekamen und so Judäa ein Tempelstaat bleiben konnte. Nach seinem Tod kamen sie unter die Herrschaft der Ptolemäer und machten sich langsam mit dem Hellenismus vertraut. Die Juden in der Diaspora konnten natürlich schon längst griechisch sprechen und schließlich wurde die Tora in Griechisch übersetzt. Nach den Ptolemäern folgten die Seleukiden unter Antiochos III. um 198 v. Chr., die ihnen ebenfalls den Tempelstaat überließen.
Dann kam jedoch der König Antiochos IV. Epiphanes, der die „Steuererlast verdoppelte, den Tempelschatz plünderte, Truppen in Samaria und Judäa stationierte und im Herzen von Jerusalem die Akra, eine Stadtfestung mit syrischer Besatz, baute.“ Er stellte den Hohepriester Jason ein, der sein Volk verriet, da er dem Hellenismus ergeben war. 167 v. Chr. meinte Antiochos, indem er die Juden mit der Todesstrafe drohte, die Religion aufzugeben, Beschneidungen zu unterlassen und auch den Schabbat nicht mehr zu feiern. Und der Tempel wurde Olympios geweiht, sodass sich auch die hellenistischen Priester aufregten und durch die Weigerung den Opferkult weiterzuführens zeigten sie ihren Widerstand. Dann gingen die Juden zum Angriff über. Der Priester Mattatias und seine fünf Söhne waren beim Aufstand mit dabei und sein ältester Sohn eroberte mit jemand anderen Jerusalem und den Tempel. Bis 164 v. Chr. war der Tempel wieder gereinigt und eingeweiht, sodass Opferfeste wieder stattfinden konnten. An dieses Ereignis erinnert im Übrigen das Chanukka-Fest. Dadurch, dass der älteste Sohn Juda Makkabi hieß, bekam sein Haus den Beinamen „Makkabäer“.


Herrschaft der Hasmonäer

Jonathan Makkabäus wurde zum Hohepriester ernannt und beschloss sich mit den Feinden zu verbünden. Dessen Nachfolger, der sowohl Hohepriester, Fürst des Volkes wie auch Heerführer war, führte die Erbung einer Stelle ein und somit begann „die dynastische Phase der hasmonäischen Geschichte.“  5 Sie unterwarfen Gebiete, eroberten auch das Gebiet der Samaritaner und der Idumäer, und zwangen die Menschen das Judentum anzunehmen. „Der Hasmonäerstaat wurde in den militärischen und zivilen Strukturen, in der Architektur, der Sprache und sogar in der Geschichte der Erbfolgestreitigkeiten einem hellenistischen Königreich immer ähnlicher.“  5 Der Streit der zwei Söhne Aristobul II. und Hyrkan II. um den Sohn ließ sogar Rom eingreifen. Pompeius eroberte Judäa und somit herrschte Rom 700 Jahre über dieses Land. 63 v. Chr. richtete er sogar ein Blutbad in einem Tempel an, der von Aristobul-Anhängern gehalten wurde. Durch diese Tat hetzten die Römer den Hass der Judäer auf sich, die Rom nun als Feind ansahen. Die Herrschaft der Hasmonäer endete, als Herodes sich zum König über Judäa ernennen ließ und 37. v. Chr. die Herrschaft erlangte und der vorige König und Hohepriester enthauptet wurde.

Herodes

Herodes (vor allem durch den Kindermord in der Bethlehemgeschichte bekannt) versuchte durch die Heirat einer Hasmonäer Prinzessin die Treue des Volkes zu erringen. Weiterhin versuchte der Römer das Judentum durchzusetzen und die Gesetze der Tora zu verteidigen, auch wenn weiterhin hellenistische Einflüsse seine Herrschaft kennzeichneten. Trotzdem ließ er schließlich den Tempel erneuern und das Areal vergrößern. Mit seinem Tod endete eine römische Ära und Rom „schaffte die Monarchie ab, übernahm im Lauf der Zeit die ganze Macht und ließ das Land durch Statthalter, sogenannte Prokuratoren, regieren.“  5b Diese verletzten jedoch die religiösen Gefühle der Juden und ließen nur wieder zu, dass ein Groll gegen Rom herrschte und sich die Juden einig waren, dass Rom stürzten müsste, damit das Gottesreich Platz hätte.

Zerstörung des 2. Tempels

Es kam zum ersten jüdisch-römischen Krieg, und Titus Flavius Vespasianus wurde von einem Angehörigen einer vornehmen Priesterfamilie zum Kaiser ernannt, sodass dieser sich das Leben retten konnte. 69 v. Chr. wurde Flavius zum Kaiser ausgerufen und so begann das flavische Kaiserhaus. Er teilte seinem Sohn mit, den Eroberungszug zu ende zu führen und der Zweite Tempel ging am 9. Aw (70 n. Chr.) unter, anscheinend am gleichen Tag wie der erste.


Aufstand unter Simon Bar Kochba

Unter Bar Kochba wurde erneut ein Aufstand gegen das römische Reich angefangen, ausgelöst wegen dem Verbot der Beschneidung. Dieser Aufstand wurde jedoch grauenvoll niedergeschlagen. Jerusalem wurde fortan Aelia Palaestina genannt und Judäa wurde unter dem Namen Syrien-Palästina eine röm. Provinz. Und die Juden, die nicht getötet wurden, wurden in die Sklaverei verkauft.

Juden unter dem Islam

Als, nachdem ein Berber 711 n. Chr. die Iberische Halbinsel eroberte, die Muslime an die Macht kamen, ging es den Juden relativ gut. Sie wurden, wie die Christen, als „Angehörige einer Buchreligion“ bezeichnet und durften ihre Religion frei ausleben, auch wenn sie sich schon damals als Juden kennzeichnen mussten. (Mit gelben Flicken an den Ellbogen – die Christen mussten dunkelblaue Flicken tragen.) Auch hatten sie Einschränkungen. z.B. durften sie keine Pferde reiten, keine öffentlichen religiösen Feste veranstalten, keine neuen Gotteshäuer bauen und keine Waffen tragen. Als 1146 n. Chr. die Almohaden an die Macht kamen, wurden die Juden dazu gezwungen zum Islam überzutreten, weshalb diese zu den Christen nach Nordafrika oder Nordspanien flohen und diese regelrecht um Hilfe baten.

Blütezeit in Spanien

In den von der christlichen Reconquista eroberten Gebieten ging es den Juden zuerst gut und sie erlebten eine Blütezeit, denn die Christen waren „aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen an den Juden interessiert.“ 6 Die Juden mussten aber, um jedes Recht zu erhalten (z.B. stand ihnen jeglicher Beruf offen) dem König treue schwören und dienen. Hier entstanden dann auch die philosophischen und mathematischen Werke. (z.B. der Philosoph Aristoteles wurde einige Male übersetzt.)

Inquisition und Auswanderung

Jedoch kam es dann zur Spaltung im jüdischen Glauben. Manche gründeten nämlich die Kabbala, eine jüdische Mystik. „Die Kabbalisten ersehnten eine mystische Vereinigung mit Gott.“ 7 Und die übrigen versuchten einen vernunftgemäßen Zugang zur Tora zu schaffen. Noch dazu kam, dass die christlichen Herrscher neidisch wegen des wirtschaftlichen Wohlstandes der Juden wurden und so forderte der spanische Klerus 1311 immer mehr „die Entfernung der Juden aus allen Staatsämtern, die Trennung von christlichen von jüdischen Lebensbereichen, die Aufhebung des Zeugnisrechtes für Juden und ihre öffentliche Kenntlichmachung durch besondere Kleiderattribute, wie dem Tragen eines Judenabzeichens.“ 8 Noch dazu wurden Religionsdisputationen zwischen Juden und Christen herbeigeführt, wobei der Sieg der Christen vorhersagbar war – der Sinn der Sache: Sie wollten möglichst viele Konversationen herbeiführen. Dann wurde das jüdische Viertel Sevillas angegriffen und es kam dazu, dass die Juden entweder getötet, versklavt oder zwangsgetauft wurden. Die meisten jedoch traten zum Christentum über. „Die zwangsgetauften Juden – spanisch conversos bzw. Marranen: Schweine), lateinisch christiani novi, hebräisch annussim: Gezwungene genannt – sollten in den folgenden Jahrzehnten das Ziel blutiger Verfolgungen und Massaker sein.“  8 Doch trotzdem hatte das Christentum Angst, dass die Konvertierten trotzdem ihrem Glauben anhängen und somit wurde die spanische Inquisition eingeführt und die „Neuchristen“ überwacht. Und die Könige Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien führten 1481 die Reconquista wieder auf, die 1492 n. Chr. wieder endete, indem sie auch die Muslime von den Iberischen Halbinsel vertrieben und diese wieder völlig christlich war – bis auf die Juden. Viele Juden wurden auch in Sevilla unter der Inquisition verbrannt und somit wanderten auch an die 150000 Juden 1492 aus. „Eine größere Gruppe wandte sich nach Portugal, wo sie 1496 / 97 ebenfalls vertrieben wurde. Die Mehrzahl floh nach Nordafrika und ins Osmanische Reich, einige auch nach Nordwesteuropa.“  9
Noch ein kleiner, aber bedeutsamer Hinweis: Als 1353 n. Chr. die Pest in Europa ausbrach, wurden die Juden dafür als Sündenböcke hergenommen. (Sie hätten z.B. die Brunnen vergiftet.)

Auswanderung nach ...

Polen & Litauen: iele der Juden flohen im 15. und 16. Jahrhundert sowohl von Deutschland, wie auch von Spanien oder Portugal, zu den Aschkenasim (eine der Hauptgruppen der Juden, der heutzutage ca. 85 % der Juden angehören) nach Polen oder Litauen, da sie dort unglaubliche Privilegien hatten. Sie durften fast schon steuerfrei Synagogen und Friedhöfe errichten und durften jegliche Beruf annehmen.

Amsterdam: Zwar war nur die calvinistisch-reformierte Religion zugelassen, jedoch wurden andere Religionsrichtungen (wie eben das Judentum) nicht verfolgt solange sie ihren Glauben nicht öffentlich auslebten. So durften z.B. die Synagogen von außen hin nicht als Synagogen erkenntlich sein. Die Juden mussten sich öffentlich nicht einmal als Juden kennzeichnen. (Dieses Recht galt in allen Städten in den Niederlanden, die die Juden aufnahmen.) „Erst 1670 wurde es den Juden erlaubt, an ihrem Äußeren erkennbare Synagogen zu bauen.“  9a Die große Synagoge wurde dann jedoch bald zu klein, weshalb dann 3 weitere, kleinere Synagogen gebaut wurden. Im 18. Jahrhundert änderte sich aber auch in Amsterdam alles. „Ende des 18. Jh. Erhielten 87% der aschkenasischen und 54% der sefardischen Juden Unterstützung aus der Armenkasse der Gemeinde.“  10 Und noch etwas zu Amsterdam: Es entstand dort eine Synagoge der Sefardim 1675 namens Portugiesische Synagoge und ist eine der bedeuteten Barocksynagogen, sogar noch heute.

England: „1290 hatte Eduard I. die Ausweisung der Juden aus England befohlen.“  11 Aber im 17. Jahrhundert kämpfte ein Amsterdamer namens Manasse ben Israel um die Erlaubnis, dass die Juden wieder in England ansiedeln dürfen, da er der Meinung war, dass der Messias auftauchen würde, sobald die Juden in aller Welt verteilt sind. 1656 erlaubte dies Oliver Cromwell, jedoch wurde es nie öffentlich bekannt gegeben. Die Juden wanderten stillschweigend ein und hatten so gut wie alle Rechte. Nur durften sie bis Mitte des 19. Jahrhundert keine öffentlichen Ämter ausüben. 1701 wurde dann auch eine Synagoge gebaut, nach dem Vorbild der Portugiesischen Synagoge in Amsterdam.

Brasilien: Die Juden wanderten, nachdem die Niederlanden 1630 Pernambuco in Nordost-Brasilien eroberten hatten, in Brasilien ein und bauten ein Handelszentrum auf. „Einige besaßen Zuckerrohrplantagen oder handelten mit Zucker, Tabak und Hölzern.“  12 Nachdem die Portugiesen Brasilien wieder zurückerobert hatten, war dies 1654 das Aus für die jüdische Gemeinde dort und sie wanderten nach Holland zurück oder nach Mittel- oder Nordamerika. „So entstanden jüdische Gemeinschaften in Surinam und auf Curacao, auf Barbados und Jamaika und in der Kolonie Neu-Amsterdam, dem heutigen New York.“  13

Nordamerika: 11654 wanderten Juden nach Neu-Amsterdam, wo sie der Gouverneur Peter Stuyvesant sofort wieder vertreiben wollte. Jedoch kämpften die Juden für ihr Recht und durften dort bleiben. Später kämpften sie auch noch für das komplette Bürgerrecht, da sie ja in Amsterdam als Bürger galten und als Bürger wollten sie auch in Neu-Amsterdam gelten. Somit durften sie 1655 dann auch der Stadt dienen. 1763 bauten sie schließlich eine sefardische Synagoge, die wieder nach dem Vorbild der Portugiesischen Synagoge gebaut wurde.

Austreibung

Im Spätmittelalter wurden die Juden aus fast allen großen Städten vertrieben und lebten auf dem Land. Trotzdem kam eine reiche jüdische Gemeinde hervor, die so genannten „Hofjuden“, die bei Fürsten arbeiteten und sich in prachtvollen Häusern wohnten, in denen sich manchmal auch kleinere, jüdische Gemeinden entwickelten. Doch die Hofjuden waren auch Sklaven der Macht, denn sobald sie in Missgunst ihrer Fürsten gerieten, hieß das, dass sie der Feindschaft der Stände wieder ausgesetzt wurden.
Etwa 1670 wurden die Juden auch aus Wien vertrieben. 50 der reichsten Familien wurden in Berlin aufgenommen – jedoch nur um die Stadt zu fördern. Jedoch wurden diese durchaus unterdrückt, mussten höhere Steuern zahlen und hatten auch nur ein Tor durch das sie Berlin betreten durften, gleichgültig, dass einige zu den reichsten Männern Mitteleuropas gehörten. Und genau die Reichen passten sich den Christen an.

Gleichstellung

Nach der Französischen Revolution wurde der Schrei nach Gleichberechtigung vor dem Gesetz für alle (auch die Forderung nach Bauernbefreiung) immer lauter und in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts bezeichnete man dies als „Emanzipation“. Sie wollten, dass die Juden vor dem Gesetz auch gleichgestellt sind. Erst 1871 war die Emanzipation abgeschlossen, erst dann wurde die Gleichberechtigung der Juden ins Reichsgesetz aufgenommen. Es dauerte somit jedoch fast 100 Jahre – wobei dies in gewissen Schüben passierte und nicht stetig aufwärts, wie man es sich denken könnte und auch Revolutionen kamen zum Vorschein.

Reform

Die Juden waren Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts der Meinung, dass sie vielleicht den Hass der anderen spüren, da sie sich zu wenig anpassen und so wurden erstmals jüdische Schulen gebaut, deren Unterrichtssprache Deutsch war und in denen das Judentum gelehrt wurde (normalerweise wurde man damit erzogen). Somit traten sie in die deutsche Gemeinschaft ein.
Es gab noch nie ein einziges Judentum, schon immer war es gespalten und das geschah noch einmal im 19. Jahrhundert, wo manche Juden ihren Gottesdienst reformieren wollten, den sie „würdiger“ und „erbaulicher“ gestalten wollten. „Man führte Synagogenordnungen ein, die das Verhalten der Beter genau vorschrieben. An die Stelle des Singsangs des Vorbeters traten Choräle eines ausgebildeten Chors mit Orgelbegleitung, die Drascha, die bibelexegetische Lehrvortrag, wurde durch die erbauliche Predigt in deutscher Sprache ersetzt.“  14 Dieser reformierte Gottesdienst wurde in Berlin aber in 1823 auf königlichen Befehl hin verboten.
In drei Rabbinerversammlungen wurde immer wieder diskutiert, wie weit es mit der Anpassung an das Christliche gehen dürfte. Als man sogar die hebräische Sprache aus dem Gottesdienst des Judentums verbieten wollte, verließ Zacharias Frankels 1845 unter Protest den Raum und gründete die so genannten „konservativen oder positiv-historischen Richtung des Judentums. Seit 1854 war er Direktor des „jüdisch-Thelogischen Seminars“ in Breslau sowie Gründer und 17 Jahre lang Herausgeber der Monatsschrift über Geschichte und Wissenschaft des Judentums.“  15

Antisemitismus

Bald nachdem die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland fixiert war, brach auch schon Gegenspruch von einem “antijüdisch eingestellten Journalist” namens Wilhelm Marr auf. Er veröffentlichte Hetzschriften „in denen er die Probleme des Staats als Kampf auf Leben und Tod zwischen Juden und Germanen darstellte, bei dem die Juden im Begriff seien, die Oberhand zu gewinnen.“  16 Er gründete auch den so genannten Rassen-Antisemitismus, da er begründete, dass die Juden vom biologischen her anders seien als die Christen bzw. Germanen. Auch gab bald das ganze Volke deutscher Nation den Juden die Schuld an allem Negativen, das passierte (auch an der Wirtschaftskrise). Schuld war der Neid, da die Juden in der Wirtschaft besser waren als sie und so entstanden auch bald Parteien, die den Antisemitismus vertraten. In Russland hatten die Juden unter dem Zar Nikolaus I. wieder eine halbwegs lebensfähige Situation, doch nach seiner Ermordung 1881 wurden sie wieder unterdrückt, die Rechte wurden ihnen wieder genommen. Ebenfalls wurden sie unfairer Weise an der Ermordung des Zaren beschuldigt. „Kurz darauf kam es in über 100 jüdischen Gemeinden der Ukraine zu Progromen (Verwüstungen) – so nannte man nun die mit Plünderung und Mord einhergehenden Judenverfolgungen im zaristischen Russland.“  17 Die Behörden halfen ihnen nicht und nach den Progromen folgte eine starke antijüdische Politik, die die Juden in die Armut stürzte und erst eine Revolution 1917 brach dies. Auch im Deutschen Kaiserreich kam es zu Rufen gegen die Juden, wobei wieder einmal gefordert wurde, dass sie keine öffentlichen Ämter bekleiden dürften. Darauf starteten die Juden eine Gegenaktion und gründeten Verbände, wobei die bedeutendste Vereinigung die in „1893 in Berlin gegründete „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (CV)“ war.  18 Sie wollten Angriffe von antisemitischen Parteien stoppen, indem sie immer wieder betonten, dass eine Symbiose zwischen Deutschtum und Judentum möglich sei und dass die Loyalität der deutschen Juden vor allem Deutschland galt. Auch versuchten sie antisemitische Parteien am Aufstieg zu hindern. Dadurch, dass die Juden merkten, dass eine Assimilation an das christliche Volk nirgends möglich war, wurde der Gedanke an ein eigenes Gebiet, das nur von Juden bevölkert werden würde, immer größer und vor allem sah man sie bald als einzige Lösung der Judenfrage an. Vor allem unter Theodor Herzl wurde dieser Gedanke immer bedeutender, dessen Ziel es war ein eigenes Palästina zu gründen – und wo dies sein sollte war ihm völlig egal. Nach seinem Tod wurde diese Idee weiter verfolgt, jedoch kam sie nicht zur Erfüllung. Auch waren manche Juden, ob orthodoxe oder assimilierte, gegen diese Idee und nannten Herzl einen Ketzer, da er nicht demütig auf die Ankunft des Messias warten wollte. Andere sahen den Antisemitismus lediglich als „heilbare Krankheit“ an und waren der Meinung, dass der Zionismus alles nur verschlimmern würde. Überhaupt hatte der Zionismus keine so große Anhängerschar, in Deutschland waren es vor dem Ersten Weltkrieg nie mehr als 9000. Nach dem Ersten Weltkrieg besserte sich die Situation, der Antisemitismus wurde bekämpft, doch in Deutschland wollten viele die Demokratie gegen ein autoritäres Regime eintauschen, „was am 30.01.1933 mit Hitler als Ernennung zum Reichskanzler geschah.“  19


Zitate:
1 Judentum Schnellkurs S. 13
2 Judentum Schnellkurs S. 17
3 Judentum Schnellkurs S. 19
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Babylonische_Gefangenschaft10.06.07
5 Judentum Schnellkurs S. 33
5b Judentum Schnellkurs S. 37
6 Judentum Schnellkurs S. 53
7 Judentum Schnellkurs S. 54
8Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005, Thema "Judentum" 18.06.07
9 Judentum Schnellkurs S. 57
9a Judentum Schnellkurs S. 129
10 Judentum Schnellkurs S. 132
11 Judentum Schnellkurs S. 133
12 Judentum Schnellkurs S. 134
13 Judentum Schnellkurs S. 135
14 Judentum Schnellkurs S. 152
15 Judentum Schnellkurs S. 154
16 Judentum Schnellkurs S. 166
17 Judentum Schnellkurs S. 170
18 Judentum Schnellkurs S. 172
19 Judentum Schnellkurs S. 178

Das Buch "Judentum Schnellkurs" wurde von Monika Grübel geschrieben und 1996 erstmals publiziert.