Inhalt:
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war es für die Juden sehr schwierig eine führende Stellung im Geldhandel zu erreichen, da sie aus Städten stets vertrieben wurden und ihnen das Zinsverbot auferlegt wurde. So kam das die Juden aufs Land zogen um dort auf anderen Lebensgrundlagen im Vieh- und Pferdehandel, im Handel mit Textilien, Lederwaren oder landwirtschaftlichen Produkten aufzubauen. Da sie von großen Territorien ausgeschlossen wurden, suchten sie bei kleineren Reichsgrafen Unterschlupf. Der Schutz konnte nur für kurze Zeit in Anspruch genommen werden. Dies war der Grund weshalb die Juden im 16. und 17. Jahrhundert ständig auf Wanderschaft waren.
Im Januar des Jahres 1617 zogen mehrere Juden aus Rheineck auf ihren Handelsreisen durch Hohenems. In dieser Zeit äußerte sich der Reichsgraf Caspar, er wäre unter bestimmten Bedingungen bereit, Juden in seine Herrschaft aufzunehmen. Diese Nachricht wurde von den reisenden Juden verbreitet, so das sich bald darauf ein gewisser Wolf aus Langenargen am Bodensee, der schon seit vielen Jahren dort als Montfort’scher Schutzjude lebte, beim Reichsgrafen Caspar meldete. Er gab bekannt, vier Judenfamilien zu kennen, die Interesse daran hätten auf seine Zusage hin, sich in Hohenems anzusiedeln, wenn der Reichsgraf mit fünf Taler und zwei gemästeten Gänsen, als jährliches Schutzgeld einverstanden ist. Worauf sich der Reichsgraf einverstanden erklärte.
Alle Juden die sich in Hohenems ansiedelten, bekamen vom Reichsgrafen Caspar einen Schutzbrief. Da der Inhalt der Schutzbriefe sich für die Juden als günstig erwies, erhöhte sich die Zahl der einwanderwilligen Familien auf 14. Bei der Formulierung wirkte Wolf maßgeblich mit und erreichte folgende Rechte für die Juden.
Wolf wollte noch einen Schritt weiter gehen und die Niederlassungsbewilligung der Juden auf deren Kinder und Kindeskinder ausweiten. Damit sollten die Juden in Hohenems eine dauerhafte Bleibe finden. Dieser Antrag wurde jedoch vom Reichsgrafen abgelehnt.
Mit dem Regierungsantritt von Graf Karl Friedrich, der nun die Grafschaft Hohenems besaß, kam es zu einer Änderung des Schutzbriefes. Es wurden einige Zusätze eingeführt und das Schutzgeld wurde ebenfalls erhöht, weil ein beachtliches Vermögen von Graf Karl Friedrich, den Schweden in die Hände fiel.
Der dritte Schutzbrief kam mit der Einwanderung von 13 weiteren Juden in Hohenems zustande. Dieser enthielt jedoch nur geringe Änderungen, die sich von den vorhergehenden Schutzbriefen nicht sehr unterschieden.
Des Grafen Karl Friedrich judenfeindliche Gesinnung, nahm mit abnehmenden Reichtum zu. Nicht nur einmal brachte ihn die Geldnot dazu, größere Forderungen an die Juden zu stellen. Es folgte eine Verkürzung der Schutzzeit auf sechs Jahre und dazu noch mit erschwerten Bedingungen.
Hier sind einige aufgezählt:
Es wurden nachstehende Bestimmungen eingeführt.
Brennholz:
Jüdische Bürger sollen ihr übriges Brennholz an ihre Landsleute verkaufen, bei Mißachtung sollen diese bestraft werden.
Viehweide:
Jedes Pferd und jedes Vieh dürfen auf die Weide gebracht werden, jedoch muß für jedes Pferd 2 Reichstaler und für jedes Vieh ½ Reichstaler dem Grafen bezahlt werden.
Auch wurde in die Markgeschäfte der Juden und den Handel mit Fleisch eingegriffen. Sie wurden als Konkurrenz von den nicht jüdischen Bürger betrachtet und so kam es oft zu Verhandlungen und Änderungen der Rechte der Juden. Einstweilen versuchten die Bürger die Juden aus Hohenems zu vertreiben, was ihnen erstmals nicht gelang. Hier kam auch die gesetzliche Ungerechtigkeit, die von Grafen Karl Friedrich ausging, zu tragen, da er sich meistens auf die Seite der Einheimischen stellte.
Die Lage der Juden verschlechterte sich mehr und mehr und trieben somit die Verhältnisse immer schneller der Katastrophe entgegen.
Im Jahre 1669 befahl der Reichsgraf den Juden sechs Pferde zu einem überhöhten Preis abzukaufen oder aus Hohenems auszuwandern.
Nachdem sich die Juden jedoch nur zum Kauf von drei Pferden bereit erklärten, musste die gesamte Judenschaft innerhalb von drei Monaten Hohenems verlassen. In einem flehendem Bittgesuche baten sie den Grafen um eine Verlängerung des Abzugstermins, damit sie Zeit zum Aufsuchen eines neuen Wohnsitzes haben, worauf Karl Friedrich die Frist um ein halbes Jahr erstreckte.
Wie es jedoch nicht anders zu erwarten war, zögerten die Bauern mit dem Bezahlen ihrer Schulden, so dass sich die Juden erneut an den Grafen wandten und ihre traurige Lage erklärten. Dieser teilte ihnen mit, dass wenn sie erhöhtes Schutzgeld abgeben werden, wieder in Gnaden aufgenommen sind.
Die Juden bezahlten und blieben und dem Grafen Karl Friedrich und seinen Gläubigern war für eine Weile geholfen.
Kurze Zeit später, nach dem Tode des Karl Friedrichs, trat sein Sohn Graf Franz Karl die Regierung an und verjagte am ersten Pfingsttage alle Juden aus seiner Herrschaft.
Was des Grafen Zorn eigentlich erregte und ihn zu dieser gewaltsamen, plötzlichen Vertreibung veranlasste, ist unbekannt.
Die aus Hohenems vertriebenen Juden kehrten teils wieder in ihre deutsche Heimat zurück, mehrere Familien wanderten nach Innsbruck aus und ein Teil ließ sich in der österreichischen Herrschaft Feldkirch, insbesondere in Sulz, nieder.
Schon 1680 unterbreitete der Graf ein Angebot zur Rückkehr der Juden nach Hohenems.
Auf dieses Angebot griffen sie erst im Jahre 16887 zurück, nachdem eine Ausweisung der Juden aus Sulz beschlossen wurde. Es kam das drei, der reichsten jüdischen Familien in Sulz blieben und die restlichen zehn am 9. April des Jahres 1688 in der Hohenemser Grafschaft aufgenommen wurden. Nach ihrer Rückkehr mussten sie feststellen, dass ohne die drei reichsten Familien ein Leben ohne größeren Schwierigkeiten nicht möglich war. Vor allem beim Entrichten des Schutzgeldes traten Probleme auf, da es für die arme jüdische Gemeinschaft nicht möglich war das Geld für den Schutzbrief aufzubringen. In früheren Zeiten griff in solchen Notsituationen ein vermögendes Gemeindemitglied ein und beglich die Schulden. Einige Jahrzehnte später kamen auch die Juden von Sulz nach, da diese von dort brutal vertrieben wurden. Durch das Ansiedeln der Juden aus Sulz verdoppelte sich beinahe die Anzahl der Bürger in der Gemeinde Hohenems. Zwischenzeitlich kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, welche fast zu Ausweisungen einzelner jüdischen Familien führten. Auch unter den Juden kam es immer wieder zu Spannungen, was der Gemeinde nicht zu Gute kam.
Mit dem Aussterben der Grafen von Hohenems fiel die Reichsgrafschaft Hohenems an Österreich. 1777 zerstörte ein Großbrand weite Teile des Judenviertels, ermöglichte allerdings in der folgenden Jahren einen Ausbau der Isrealitengasse.
Die Synagoge war das Herzstück, welche ein äußeres Zeichen einer wachsenden Toleranz der Christen gegenüber den Juden war. Jüdische Arbeitskräfte waren nicht gern gesehen, da diese viele Feiertage hatten und eine besondere Kost beanspruchten, daher mußten viele ihren Lebensunterhalt als Hausierer verdienen.Trotz der Probleme der Juden in Hohenems, die sich im Laufe der Geschichte ergeben hatten, trugen sie wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes bei.
Aron Tänzer:
Er wurde am 30. Januar 1871 in Preußburg geboren. Im Jahre 1896 trat er sein Amt als Rabbiner von Hohenms an , das er bis 1905 bekleidete. Danach wirkte er als Rabbiner in Göppingen. Durch seine zahlreichen Werke historischer und religiöser Art und Predigten ist er hervorgetreten, doch als Geschichtsschreiber der Hohenemser Judengemeinde, ein detailiertes Buch das uns unvergessen bleibt, verdient Aron Tänzer eine besondere Würdigung.
Salamon Sulzer (1804-1890)
Er war als Begründer des Synagogengesanges einer der bedeutendsten Juden in Hohenems. Schon als begabter Knabe lernte er bei Kantoren in Hohenems und Endingen und zog als Hilfssänger durch Frankreich. 1820 wurde er als Kantor in Hohenems angestellt und 1826 ging er nach Wien, wo er als Oberkantor wirkte. Da er ebenfalls Prof. am Konservatorium und Gründer der ersten Wiener Liedertafel war, erhielt er mehrere Auszeichnungen. Viele weltberühmte Musiker, darunter auch Franz Schubert, zählte er zu seinen Freunden. 1890 fand er auf seinen Wunsch hin die Ruhestätte in seinem Geburtsort Hohenems, zu dem er nie seine Verbindungen abgebrochen hatte. Er wurde ebenfalls von der Christengemeinde geehrt, indem nach ihm eine Straße "Sulzer Straße" benannt wurde.
Kaufmann Jonathan Uffenheimer wanderte 1725 aus Innsbruck ein, der bald großen Einfluß in der jüdischen Gemeinde gewann, da er von 1739-1749 Vorsteher der Judengemeinde war. Die Familie Uffenheimer ist am ehesten vergleichbar mit Lazarus Josef Levi.
Lazarus Josef Levi, der Stammvater der späteren Familie Löwenberg, war ebenfalls Vorsteher (1785-1806) der Hohenemser Judengemeinde. Als Hoffaktor war er mit einem kaiserlichen Privileg ausgestattet, das ihm den Handel auf österreichischem Gebiet erheblich erleichterte.
Philipp und Joseph Rosenthal, deren Familie (ursprünglich Levi) von Sulz nach Hohenenms gekommen waren, trieben einen bedeutenden Handel mit Schweizer Textilwaren, die zum Großteil nach Italien transportiert wurden. Urban Veit Levi gründete unter dem Namen "Gebrüder Rosenthal" eine Firma, die einen ungeheuren Aufschwung erlebte. Durch stetige Erweiterungen und mechanischen Fortschritten, konnte so in Hohenems durch Jahrzehnte währende Arbeit, ein Unternehmen von Weltruf geschaffen werden.
Harry Weil-Das Leben einer bedeutenden Persönlichkeit, die fast vergessen wurde:
1.Lebensphase: Harry Weil wurde 1898 in Hohenems geboren. Er besaß ein hohes Ansehen in der jüdischen Gemeinde, sowohl auch unter den Katholiken. Er war Komponist, hatte die Tanzmusik unter seiner Leitung und wurde in den Kulturausschuß gewählt.
Mit seiner Frau und deren gemeinsames Kind, welches katholisch getauft wurde, lebte er später in Bregenz.
2.Lebensphase: 1938 marschierten die Deutschen Truppen ein und führten einige Hausuntersuchungen durch. Darunter befand sich auch die Wohnung von Herrn Weil, doch die Suche blieb ergebnislos. Nach dem Tod seiner Mutter führte er ihren Gemischtwarenhandel weiter.
Nach der Machtübernahme Hitlers, half er und seine Freunde einigen Juden über den Rhein zu entkommen. Sein Bruder jedoch wurde verhaftet und im Konzentrationslager Dachau umgebracht.
Seine Flucht, die ihm des Monats Juni/Juli gelang, rettete ihm sein Leben. Er flüchtete in die Schweiz, von dort in die USA und weiter nach Chicago.
Später ging er wieder zurück nach Hohenems, wo er sich in seinem ehemaligen Haus, im Rabbinerhaus, niederlassen wollte. Er war der Meinung, dass die Jüdische Gemeinde erhalten geblieben ist und wollte sein Haus zurück, war jedoch total erfolglos. Auch von dem reichhaltigen Bestand der Synagoge war fast nichts mehr übrig. Daher gab er den Gedanken auf in Hohenems seßhaft zu bleiben, zog weiter und blieb aber in Kontakt mit seinen Freunden und dem Geschäft, da es seine Heimatgemeinde war. Harry Weil verstarb 1970 und seine Asche wurde auf dem Jüdischen Friedhof, der heute noch zu besichtigen ist, feierlich beigesetzt.
Erst durch die Eröffnung des Jüdischen Museums wurde seine Lebensgeschichte bekannt.
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konnten die Schule nur mit finanzieller Unterstützung besuchen. Hingegen Kinder reicher Eltern wurden auf Privatschulen geschickt und so kam es, dass 1812 von den insgesamt 85 jüdischen Kindern nur noch 46 aus ärmeren Verhältnissen stammenden Schüler die "allgemeine Schule" besuchten.
Im Laufe der Zeit genoß die Schule ein immer größer werdendes Ansehen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die jüdische Gemeinde wirtschaftlich einen enormen Aufschwung und so war es kein Zufall, dass es zur Blütezeit der jüdischen Schule kam. Man versuchte mehr aus der Schule zu machen, und so gewann die Bildung einen immer höher werdenden Stellenwert.
Schon nach wenigen Wochen bewilligten die Behörden auch den Unterricht in Geschichte, Geographie und Zeichnen. Höhere Klassen wurden auch noch in Buchhaltung unterrichtet.
Da nach den Staatsgrundgesetzen von 1867 und dem darin garantierten freien Niederlassungsrecht die Bevölkerung der jüdischen Gemeinde in Hohenems rapid zurück ging, sank die Bedeutung der Schule immer mehr. Trotz finanzieller Unterstützung durch die Finanzkräftigen Mitglieder der Hohenemser Judengemeinde, konnte der Niedergang der Schule nicht aufgehalten werden. Die Schule scheiterte an den Gegnern von Toleranz und Aufklärung und so wurde die Schule 1913 gänzlich geschlossen. Es gab nur noch wenige jüdische Schulkinder, welche fortan in die allgemeine Volksschule gehen musste.
Am 30. November 1986 wurde in Hohenems der Verein "Jüdisches Museum Hohenems" gegründet. Schon 1968/69 äußerte sich DDr. Karl Heinz Burmeister, der Direktor des Vorarlberger Landesarchivs, dass noch zahlreiche Dokumente zur jüdischen Geschichte Vorarlbergs zu erwarten und auszuwerten seien. Dies war der Grundgedanke, der schließlich zu einem Museum führte.
Nach langen Überlegungen und Besprechungen über das zukünftige Museum, wurde die Villa von Clara Heimann-Rosenthal, aus der ehemaligen jüdischen Fabrikantenfamilie Rosenthal, von Dr. Oskar Burtscher erworben und an die Stadt Hohenems verkauft. Seit dem 10. April 1991 befindet sich darin das Jüdische Museum. Die ständig steigenden Besucheranzahlen, die weit über den ursprünglichen Erwartungen liegen, zeugen von einem großem Interesse in der Bevölkerung.
Das Novemberpogrom von 1938, welche von Teilen der NSDAP organisiert worden waren, war in der Presse ausführlich dargestellt worden. Aber in Hohenems war es in jenen Tagen der Reichspogromnacht zu keinen Ausschreitungen gekommen.
In dieser Zeit emigrierten sehr viele Juden in benachbarte Staaten, welche jedoch schon nach kurzer Zeit ihre Grenzen für Flüchtlinge schlossen. Viele konnten Vorarlberg nicht mehr rechtzeitig verlassen und fielen der NSDAP in die Hände und wurden in Konzentrationslagern gebracht.
Begriffserklärung:
Rabbiner: Geistlicher der jüdischen Gemeinde; Lehrer der jüdischen Gesetzte und der jüdischen Religion.
Quellennachweis:
Marktgemeinde Hohenems, Hohenems-Geschichte, Austria (Vorarlberg) 1975
Eva Grabherr, Juden in Hohenems (Katalog des Jüdischen Museums), Hohenems 1996
Aron Tänzer, Geschichte der Juden in Hohenems, Bregenz 1971
Bildquellennachweis:
Eva Grabherr, Juden in Hohenems (Katalog des Jüdischen Museums), Hohenems 1996,Buch Seite 250, 251.
Norbert Peter, Alte Bilder der jungen Stadt, Hohenems