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ZWANGSARBEIT
 von Hannes Matt

Übersicht:

Augenzeugenbericht

Quellen

 

1.Defintion:

Wenn man das Lexikon bei Zwangsarbeit aufschlägt, so erhält man folgende Definition : "jede Art von Arbeit die oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die er sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat" (Definition der Internationalen Arbeiterorganisation (IAO) von 1930). In dem IAO - Übereinkommen zur Beseitigung der Zwangsarbeit von 1930 wurden als Ausnahmen anerkannt: Militärdienstpflicht, die üblichen Bürgerpflichten (zum Beispiel Wegereinigung u.s.w.), Strafarbeit aufgrund gerichtlicher Verurteilung und Notstandspflichten.

Aus dem internationalen Kampf gegen die Sklaverei erwuchs nach dem ersten Weltkrieg der Kampf gegen die Zwangsarbeit zunächst vor allem in den Kolonien, der sich in dem IAO Übereinkommen von 1930 niederschlug. Unter wirtschaftlicher Perspektive zeigt die Zwangsarbeit starke Ähnlichkeit mit den modernen Formen der Sklaverei.

2. Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges:

Ab Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939) wurden um deutsche Arbeitskräfte für den Militärdienst freizumachen, zur Sicherung der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion sowie zur Durchführung militärisch bedingter Bauvorhaben Millionen von Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten nach Deutschland gebracht und zur Zwangsarbeit gezwungen. Im nationalsozialistischem Deutschland wurden die Häftlinge der Konzentrationslager zu Zwangsarbeit herangezogen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Menschen, die im nationalsozialistischem Sprachgebrauch "Fremdarbeiter" genannt wurden, waren aufgrund der Anwendung rassenideologischen Gesichtspunkten je nach Herkunftsland unterschiedlich. Sie lagen aber insgesamt weit unter dem für deutsche Arbeitskräfte üblichen Standart. Die Unterbringung erfolgte meist in Wohnlager, Arbeitserziehungslagern oder auch in Haft in einem Konzentrationslager. Eine Vielzahl von Konzentrationslagern diente als Arbeitslager, in ihnen wurden besonders ab 1942 viele Häftlinge und Kriegsgefangene unter hohen Verlusten zur Arbeit gezwungen. Die Arbeit war hart und gefährlich, das Essen ließ auch zu wünschen übrig. Diese Verhältnisse sind schuld daran das so viele Arbeiter frühzeitig starben .In diesen Arbeitslagern arbeitete man für die Rüstungsindustrie. Mitte 1944 arbeiteten auf dem Gebiet des "Großdeutschen Reiches" 7,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte. Es handelte sich um Kriegsgefangene und Fremdarbeiter, wobei die größten Gruppen stellten die Arbeitskräfte aus Polen und der Sowjetunion. Es waren rund 1,7 Millionen Arbeitskräfte aus Polen beschäftigt und rund 2,8 Millionen Menschen aus der Sowjetunion. Diese beiden zusammen wurden auch "Ostarbeiter" genannt. Insgesamt waren ein Drittel der Arbeitskräfte Zwangsarbeiter und in Rüstungsbetrieben sogar die Hälfte. Viele bekannte Firmen setzten Zwangsarbeiter ein. Es folgt eine Liste von Firmen die polnische Zwangsarbeiter eingesetzt haben. Diese Liste wurde am 23.9.1998. in der österreichischen Tageszeitung "Der Standart" veröffentlicht.

Betriebe mit polnischen Zwangsarbeitern:

AEG Innsbruck

AEG- Union Linz

Alpine- Edelstahl Brown-

Boveri Gmbh Graz

Aluminiumwerke Ranshofen Ranshofen

Auer Klemens- Zuckerfabrick Bruck/Leitha

Austria Emailwerke Lampen und Metallwarenfabrik Wien

Bau – Drau – Kraftwerk Lavamünd

Baufirma Ing. A. Kallinger Wien

Böhler &Co Kapfenberg

Donau- Chemie AG Tulln, Moosbierbaum

Donauwerft Wien

Elektrizitätswerk Kaprun

ELIN AG Wien

Futurit Werk, Schäffer und Budenberg Wien

Gräf und Stift Wien

Graphitwerk Mühlwerk

Gummiwerke Semparit Hermann Göring Reichswerke Linz

Ingenieure Mayreder, Kraus&Co Linz

Julius Meinl AG Linz

Kartonagefabrik Herburger und Rhomberg Textilfabriken, Josef Bayer Dornbirn

Kranawetter, Kraftfahrzeugreparaturwerk Steyr

Phillips Werke Krems

Lenzinger Zellwolle und Papierfabrik AG Lenzing

Nettingsdorfer Papierfabrik AG Nettingsdorf

Nibelungenwerk; "Universale" St. Valentin

Österreichische Staatsdruckerei Wien

Raxwerke Wiener Neustadt

Rosenbauer Fabrik für Feuerwehrgeräte Linz

Schenker CO Wien

Schoeller – Bleckmann

Stahlwerke Mürzzuschlag

Schrack Elektronic AG

Schrack Ericsson Wien

Semperit Gummiwerke Traiskirchen

Siemens & Halske AG Wien

Simmering Graz Pauker AG Steyr

Steyr – Daimler – Puch AG Steyr

STUAG Straßen u. Tiefbau Wien

Teerag Linz

Textilfabriken Dornbirn; T. M. Hämmerle Dornbirn

V. A. W. Linz

Waager Biro´ AG Wien

Wiener Stadtwerke Verkehrsbetriebe Wien

Zellwolle Lenzing AG Lenzing

Eine andere Statistik der Tageszeitung der STANDARD, die am Donnerstag, den 21. Jänner 1999 veröffentlicht wurde, zeigt die Anzahl der Polnischen Zwangsarbeiter, die in den Jahren 1941-1944 in Österreich gearbeitet haben.

1941: 40. 928 1943: 97. 382

1942: 62. 568 1944: 106. 023

2.1 Zwangsarbeit in der Landwirtschaft:

Neben der Bau – und Rüstungsindustrie litt am stärksten die Landwirtschaft unter dem Arbeitskräftemangel. Es bestand auch erhöhte Ablieferungspflicht für landwirtschaftliche Produkte aufgrund des Krieges, dies verstärkte den Bedarf an Arbeitskräften. Hier wurden Kriegsgefangene und Fremdarbeiter vor allem aus dem Osten eingesetzt, um die Nahrungsmittelproduktion zu sichern. Reichsnährstand und Arbeitsamt organisierten den Arbeitseinsatz der Ausländer.

Der Bauer meldete seinen Bedarf dem Ortsbauernführer, Kreisbauernschaft und Arbeitsamt nahmen die Verteilung vor. Die Verteilung der Arbeitskräfte war besonders demütigend für den Arbeiter. Die Bauern suchten sich auf einer Sammelstelle die stärkste Arbeitskraft aus. Diese Prozedur erinnert an einen Sklavenmarkt.

Viele Bauern sahen in den vom Staat zugewiesenen Arbeitskräften eine billige Hilfe die ihnen zustand. Für diese Menschen gab es keine geregelten Arbeitszeiten, es wurde oft bis in die Nacht gearbeitet und am nächsten Tag am Morgen um 4Uhr mußte man wieder mit der Arbeit beginnen. Es wurden auch Frauen eingesetzt die von der Arbeit eines Bauern keine Ahnung hatten und es erst noch lernen mußten.

2.2 Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft:

Der Großteil der für Vorarlberg bestimmten männlichen Arbeitskräfte wurde bei der Ankunft sofort zu den Illwerke – Baustellen und anderen Großprojekten zugeteilt. Denn gerade die großen Energiebauten, der Ausbau der Verkehrswege und andere Bauvorhaben brachten einen sehr hohen Arbeitskräftebedarf mit sich. Dieser wurde mit ausländischen Zivilarbeiter vor allem aus dem Osten gedeckt.

Laut Baubericht der Illwerke arbeiteten bereits im Oktober 1940 auf den Baustellen neben "freien deutschen Angestellten und Arbeitern" und 172 Wachmannschaften 1728 Fremdarbeitern und 1590 Kriegsgefangene

3. Ordentliche Beschäftigungspolitik und deren Folgen:

Die "Vereinigung der durch das dritte Reich geschädigten Polen" legen eine umfangreiche Dokumentation über die Arbeit die ihre Landsleute, bei der Industrialisierung Österreichs gespielt haben vor. Diese Aufbauleistung war jedoch keine freiwillige. Die Polen, die zwischen 1938 und 1945 in den österreichischen Stahlwerken und Panzerschmieden, aber auch in kleineren Privatunternehmen und auf den Feldern der Bauern arbeiteten, waren alle insgesamt Zwangsarbeiter. Österreichs Wirtschaft war noch stark auf die Hilfe der Zwangsarbeiter angewiesen. Der Grund dafür war Hitler. Er ließ vor allem in seiner Heimat Oberdonau, gigantische Industrieanlagen bauen, aber aufgrund des Krieges waren kaum Arbeitskräfte vorhanden. Die Unternehmen waren auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen und forderten von sich aus Zwangsarbeiter an. In den Stickstoffwerken und in Ranshofen waren zeitweise mehr als zwei Drittel der gesamten Belegschaft Zwangsarbeiter. Auch auf den großen Kraftwerksbaustellen und in den Steyr Werken stellten sie die Mehrheit.

Vieles an Know –how, Maschinen sowie großindustrielles Denken und Produzieren, das es im Österreich der Zwischenkriegszeit nicht gegeben hat. Hat Österreich Hitlers Industrialisierungspolitik zu verdanken und damit auch den ausländischen Zwangsarbeitern, ohne die all das nicht möglich gewesen wäre.

4. Der Preis der Vergangenheit:

Amerikanische Anwälte haben sich intensiv auf die Suche nach österreichischen Unternehmen gemacht, die in der NS - Zeit Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Mit der Ankündigung der US – Anwälte Ed Fagan und Melvyn Weiss, Entschädigung für NS -Zwangsarbeit zu fordern, sprechen sie ein Thema an, das die Österreicher verdrängt haben. Am Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges waren rund 700. 000 zivile Ausländer, Kriegsgefangene und KZ - Häftlinge in der "Ostmark" eingesetzt. Daraus haben bekannte Unternehmen profitiert, die den kriegsbedingten Mangel an inländischen Arbeitskräften mit den Zwangsarbeitern deckten. Die Zwangsarbeiter wurden nicht entlohnt, die "Tagesmiete" von sechs Reichsmark pro Facharbeiter und vier Reichsmark für Hilfsarbeiter wurde an die SS abgegeben.

In einem Vertrag zwischen der SS, der Baufirma Universale und der Staatlichen Bauleitung aus dem Jahr 1943 heißt es: "Die beim Loibltunnel beschäftigten Häftlinge werden vom KZ Mauthausen an den Unternehmer abgestellt. Das Entgelt wird vom Unternehmer dem Lager Mauthausen bezahlt."

Der Historiker Florian Freud ist der Meinung das von der Zwangsarbeit nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganz Österreich profitiert hat und es sei Zeit sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Mit Entschädigungen die diesen Namen nicht verdienen, wurden jene Juden abgefunden, die Opfer der "Arisierungen" geworden waren. Rund 2,3 Milliarden Reichsmark betrug nach NS - internen Aufstellungen 1938 das "zur Verfügung stehende" jüdische Vermögen in Österreich. Ein Großteil wurde mehr oder weniger entschädigungslos enteignet und nach 1945 nur zu einem geringen Teil rückgestellt. Die Forderungen der Zwangsarbeiter werden nun, nach 53 Jahren, zu Fällen für die Justiz. Der österreichische Rechtsanwalt Michael Graff ist der Meinung das, in Österreich alles schon verjährt ist, aber erstens sage das nichts über die Moralische Dimension des Problems aus. Und zweitens versuche´n die klagenden Rechtsanwälte, in allen Fällen amerikanisches Recht zur Anwendung zu bringen. Nach diesem sind die Erfolgsaussichten der Kläger wesentlich besser. Graff meint weiters das, das US - Recht lediglich eine sachliche Beziehung zu dem betreffenden Bundesstaat verlangt. Die CA etwa, die in den USA eine Filiale und Tochtergesellschaften besitzt, kann auf jeden Fall nach US – Recht geklagt werden. Aber nicht nur sie in gewissen Fällen genügt eine einfache Geschäftsbeziehung (auch ohne Geschäftsniederlassung),um die Zuständigkeit eines amerikanischen Gerichts zu begründen. Ist eine solche Zuständigkeit gegeben kommen die Besonderheiten des US – Rechts zutragen. Viele Firmen geben erst jetzt ihre Archive frei.

5. Augenzeugenbericht

Aus dem Tagebuch des Jerzy Slazak, der als 15jähriger zur Arbeit in die Linzer Hermann – Göring – Werke deportiert wurde.

Er wurde als 15jähriger aus Polen weggebracht. Sein Vater fragte sich: "Er ist doch erst 15 Jahre alt geworden, welche Arbeit wollen sie von ihm verlangen?"

Nach der brutalen Behandlung während der langen Bahnfahrt stieß die mitten durch Linz geführte Gruppe de erschöpften und verängstigten Polen auf freundliche Menschen die sie sogar fragten woher sie kommen. Welche Realität auf sie wartete erkannten sie bald. Anstehen vor dem Lagerbüro, Marsch zu den Baracken, erstaunen über abgemagerte Lagerinsassen... Und dann das erste Essen. Sie bekamen eine Suppe und ein Stück Brot, aber das füllte ihren leeren Magen nicht, sie hätten das doppelte Essen können und es wäre nicht zu viel gewesen.

Nach kurzer Anlernzeit begann die Arbeit in den Eisenwerke Oberdonau. Aufstehen um 4 Uhr 30, dann 45 Minuten Fußmarsch in die Fabrik. Arbeitsantritt der 12 – Stundenschicht erfolgte um 6 Uhr, Mittags hatten sie 45 Minuten Mittagspause. Die Zwangsarbeiter waren alle zu Tode erschöpft, es kam vor das manche auf dem Klo einschliefen. Die SS Wachen haben sie entweder mit herunter gelassener Hose zurück an die Maschine gebracht, oder sie wurden mit dem Gewehr vom WC - Sitz herunter geprügelt. Je härter die Arbeit war desto mehr sehnten sie sich nach ihren Familien. Mitte 1943 verschärfte sich das Arbeitstempo. Pro Schicht mußten zwölf Panzer produziert werden, die Schichten dauerten 14 bis16 Stunden. Der Sonntag war noch frei, die Buben konnten sich noch frei in Linz bewegen. Ab dem Herbst im Jahr 1943 galt dann eine 7 – Tage – Woche mit zwölf Stunden Schichten.

Wenn einem Arbeiter eine Maschine kaputt ging, wurde er wegen Sabotage der Gestapo übergeben, diese prügelten die Zwangsarbeiter oft Ohnmächtig. Sehr viele Menschen gingen an dieser Arbeit zu Grunde.

Quellenangaben:

Zeitungen:

Der Standart: 22, 23, 24 Mai 1999, 21. 1. 1999

23. 9. 1998, 16. 12. 1998

Profil: Nr.36, 31. 8. 1998

Nr. 35, 24. 8. 1998

Bücher:

"Um ihre Jugend betrogen" - Magarethe Ruff

"Auschwitz mein Bericht" – Jean Heinemann

Lexikas:

Encarta, Bertelsmann, Brockhaus, Meyers......