Heute beschäftigen sich Historikerkomissionen mit den Geschäften der Banken,die sie mit Gold machten, außerdem stellt sich die Frage inwiefern die Banken mit dem Gold der KZ – Insassen zu tun hatten.
Bank Austria und Credit Anstalt:
Gerhard Randa (Chef der Bank Austria) sichtete sich völlig ausserplanmäßig, auf Geschäft, die bereits fast 60 Jahre zurückliegen. Das tat er weil die Bank Austria möglicherweise mit einer Klage wegen Nazigold konfrontiert ist. Der New Yorker Anwalt Edward Fagan agiert für die Holocaust – Opfer und er zieht eine Klage gegen die Bank Austria und die Credit Anstalt in Erwägung. Die CA ist heute eine Tochtergesellschaft der Bank Austria und galt damals als eine der wichtigsten Drehscheiben des Goldhandels.
Edward Fagan hat bereits millionenschwere Schadensersatzklagen gegen die größten Schweizer Banken, die Deutsche Bank und die Dresdner Bank eingereicht. Die Vorwürfe betrafen vor allem den Handel mit "Opfergold" (=Schmuck- und Zahngold von KZ – Insassen) Fagan bemerkte, dass die Banken momentan noch Geschäfte mache, aber das sie dann schon sehen werde, was passiert, wenn die Menschen rufen:"Ihr habt mit dem Zahngold aus dem Mund unserer Eltern gehandelt" (Edward Fagan; Profil Nr. 33, 10. August 1998; S. 42)
Gerhard Randa gab die Parole aus, weitestgehende Kooperationsbereitschaft zu zeigen, aber möglichst wenig konkrete Stellungnahmen abzugeben. Weiters kündigte der Bank Austria – Sprecher Heimo Hackel entsprechend an, dass die Bank Untersuchungen in allem was in ihrer Möglichkeit steht, zu unterstützen. Auch Gerhard Reidlinger, Pressesprecher der CA äußerte sich ähnlich:"...Wir sind bemüht, alles zu unternehmen, um die Sache aufzuhellen" (Gerhard Reidlinger; Profil Nr. 33, 10. August 1998; S. 45)
In Wahrheit war die Kooperationsbereitschaft der Banken aber sehr bescheiden:
Anfragen, die sich etwa auf die weitere Vorgehensweise der Banken bezogen, wurden mit zweizeiligen Fax – Stellungnahmen beantwortet. Die Bank Austria zum Beispiel schrieb, dass sie ihre Position bereits klar und deutlich dargelegt habe und dem sei aktuell nichts hinzuzufügen.
Krzystsztof Niéc leitet die Krakauer Filiale, seit sie 1995 wiedereröffnet wurde. Und auch dieser Bankdirektor sieht keinen Anlass in den Archiven Nachforschungen anstellen zu lassen. Er hofft das die Wiener Zentrale das regelt. Ob die Rolle der CA in dem seltsamen Geldverkehr mit KZ´s je völlig gelöst werden kann ist offen.
Durch Untersuchungen gelangte man zur Erkenntnis, dass auch die Länderbank (eines der Vorgängerinstitute der Bank Austria) in den Goldhandel der NS – Zeit involviert war. Doch dazu wollte die Bank Profil gegenüber nicht kommentieren.
Die angekündigte Öffnung aller Archive wäre für die Nachforschungen sicher positiv gewesen.
Jonathan Steinberg (Mitglied einer Historikerkommission) erhielt von der Credit Anstalt keinerlei Unterlagen. Nicht ein einziges verwendbares Dokument aus dieser Zeit, sei mehr vorhanden, wurde aus Wien mitgeteilt. Anscheinend musste man Aufgrund von Raumnot historische Akten abgeben.
Geschäfte der Deutschen Bank und ihre Beziehung zu österreichischen Banken:
Die Credit Anstalt pflegte traditionell eine enge Beziehung mit der Deutschen Bank.
Dass die von der Deutschen Bank, spätestens ab 1942 kontrollierte CA im Golddeal mit dabei war, wurde aus Unterlagen der Deutsche Bank Filiale in Istanbul rekonstruiert. Die CA in Wien war eine von mehreren Stationen des Goldes aus dem Deutschen Reich auf seinen Weg auf den freien Weltmarkt. Jede einzelne Transaktion war dazu da, das Gold zu normalisieren.
Rund fünf Tonnen Gold (heutiger Wert: ca. 600 Mio. Schilling) wurden über Wien umgeschlagen. Von exakt 63 Barren konnten die Historiker genau nachvollziehen, dass sie Opfergold aus Konzentrationslagern waren. Es könnte aber auch bedeutend mehr gewesen sein. Auf jeden Fall hat die Deutsche Bank mit Gold gehandelt und war dadurch in die "Ernte" des Holocaust involviert. Diese Feststellung gilt im allgemeinen wohl auch für die CA.
Ein beträchtlicher Teil der jüdischen Depots konnten bereits entschädigt werden, ohne dass die Bank Austria und CA zahlen mußten. Die CA und Bank Austria übertrugen Regreßansprüche an die Deutsche Bank und Dresdner Bank. Die CA und Länderbank waren während der NS-Zeit mehrheitlich von den beiden Deutschen Banken übernommen worden. Nun werden diese dafür in die Pflicht genommen. Die Dresdner Bank drückte in einer ersten Stellungnahme ihr Bedauern darüber aus, dass sie in der NS – Ära mit Raubgold und mit Opfergold gehandelt hat.
Nach profil – Recherchen beträgt die Summe, über die sich Edward Fagan mit der Bank Austria geeinigt hat 40 Millionen Dollar (480 Mio. Schilling).
Die Deutsche Bank und in der Folge die CA haben Gold gekauft, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem der Massaker der SS zu Beginn des Holocaust stammt. Eine Goldlieferung unter dem Titel "Reichskasse Stanislaus" wurde zum sogenannten "Blutigen Sonntag", der in der ukrainischen Stadt Stanislaus, zurückverfolgt:"Am 12. Oktober 1941 trieben SS – Männer 12.000 jüdische Menschen auf einen jüdischen Friedhof zusammen, um sie dort zu erschießen. Ein halbes Jahr später gingen 3.2 kg Gold bei der Deutschen Reichsbank ein.
1943 begann Hermann Josef Abs (ist im Vorstand der Deutschen Bank für die Goldgeschäfte zuständig) mit dem Aufbau von Devisenreserven als Vorsorge für die Zeit nach dem Krieg. Selbst nach dem Krieg weigerte sich Abs hartnäckig gegen den Verkauf der Goldbarren. Er förderte indirekt auch die Ziele des NS – Regimes. Josef Abs war aber kein Mitglied der NSDAP: Zeitweise sympathisierte er sogar mit Widerstandskreisen. Es ist jedoch schwer anzunehmen, dass die leitenden Herren nicht wussten, dass einiges von dem Gold in ihrem Besitz von NS Opfern stammt.
Laut einem historischen Bericht wußte Abs, was im Regime vor sich ging.
Erst 1995, ein Jahr nach seinem Tod, wurden die letzten Barren NS – Gold der Deutschen Bank verkauft und der Erlös jüdischen Organisationen zur Verfügung gestellt.
Das Länderbank – Depot:
Die Dresdner Bank hortete ihren Gewinn aus dem NS – Goldgeschäft in der Wiener Länderbank. Damals waren das 380,693 Kilogramm Feingold in Barren (2.4 Millionen Schweizer Franken), die wegen des Kriegsverlaufes von Wien nach München geschafft wurden. Es sind Dokumente vorhanden, aus denen man erkennen kann, dass auch die Länderbank in den Goldskandal einsteigen wollte. Es wurde ihnen jedoch von Berlin aus verboten. Telegraphisch hieß es, dass die Reichsbank Gold nicht an Inländer, sondern nur an im Ausland lebende Personen und nur für Geschäfte, die im deutschen Interesse liegen, abgeben.
Schweizer Banken:
Wichtigster kommerzieller Partner im Goldhandel des Dritten Reichs war insbesondere die Schweizer Nationalbank.
Die sogenannte Bergier – Kommission meint, dass die Goldgeschäfte der Deutschen Reichsbank, zwischen September 1939 und Juni 1945, 889,8 Mio. Dollar betrugen. Die Hälfte dieses Betrages wurde über Schweizer Banken abgewickelt.
Der Herkunftsnachweis des Goldes ist sehr schwierig und schmerzhaft. Die Historikerkommission der Deutschen Bank begaben sich auf die Spuren der schrecklichen Realität über das "Zahngold", dass aus den Zähnen toter und in manchen Fällen lebender Juden, stammt. Obwohl in der Deutschen Bundesbank in den siebziger Jahren 24 Bände über das sogenannte "Melmer – Gold", verschwanden, konnte nachgewiesen werden, dass "Zahngold" in bedeutenden Mengen von der Reichsbank angekauft und auf den Weltmarkt weiter geschleust wurde.
Die Schweiz wird wegen ihrer Tätigkeit während der NS – Zeit moralisch verurteilt und auch ihre Neutralität wird in Frage gestellt.
Die Schweizerische Nationalbank betrieb Transaktionen mit der Deutschen Reichsbank. Sie bestanden aus Währungsgold, das die Deutschen in den besetzten Gebieten erbeutet haben und über die Schweiz verkauft haben. Gravierend war, dass ein großer Teil des Goldes, eingeschmolzenes Opfergold war. Eizenstat (US – Staatssekretär) gab zu, dass die US – Geheimdienste davon gewußt haben, aber der Schweizer Bank war nichts bekannt gewesen.
US – Senator Alfonse d`Ámato sagte, dass die Schweizer nazifreundlich gewesen sind und auch als sich 1943 Hitlers Niederlage abzeichnete, haben sie ihre Beziehung zu Deutschland nicht geändert. Statt dessen haben sie die Deutschen weiter beliefert und sie unterstützt. Weiters meinte Eizenstat, dass die Schweiz damit zur Kriegsverlängerung beigetragen hat und so zum reichsten Land Europas geworden ist.
Schweizer Historiker sind der Meinung, dass der Kriegsbeitrag bescheiden war.
Hitler gab zu Gold geraubt und es in die Schweiz angelegt zu haben, um seinen Krieg zu finanzieren.
Die Creditanstalt machte Geschäfte mit zumindest 13 KZ´s.
Die CA – Filiale Krakau erhielt viele Briefe aus KZ´s. vor allem aus dem KZ Auschwitz. In einem Schreiben aus Auschwitz an die CA – Filiale ging es um umgerechnet eine Mill. Schilling.
Polnische Angehörige der Häftlinge überwiesen immer wieder kleinere Beträge an die Filiale Krakau. Auf das hin teilt das KZ Auschwitz mit, dass die Menschen "nicht mehr feststellbar bzw. nicht mehr anwesend" seien. Anschließend bekam die Filiale immer wieder Listen, mit den Namen von Häftlingen, die nicht mehr "feststellbar" sind.
Gefunden hat diese Dokumente, in Auschwitz Bertrand Perz (Historiker). Laut Steinberg sind diese Dokumente der erste Beweis von direkten Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und KZ´s. Wie eng und vertrauensvoll die Zusammenarbeit war, dokumentiert unter anderem die Tatsache, dass die Creditanstalt mit den Lagern sogenannte "Clearingüberweisungen" (Ausgleichszahlungen) abwickelte.
Die Angehörigen der Toten wurden von den Beamten der CA in einer Art Schimmelbrief verständigt, dass ihr Geld retourniert werde. Aus Dokumenten aus dem April 1942, hat mehr als die Hälfte der finanziellen Hilfe, die Angehörigen nicht mehr erreicht: Von 95.000 Zloty wurden 56000 an die CA Krakau zurückgeschickt und knapp 5000 Zloty nahm man den Einzahlern an Spesen ab (Zloty = polnische Währung ; 1 Zloty wird für zwei Reichsmark gehandelt).
Ein Beispiel:
Jan Stallmach kam im Februar 1941 im Krakauer Gefängnis Montelupich unter und ab Mai war er im Kz Auschwitz untergebracht. Seine Frau Michalina bat monatlich 50 Reichsmark an ihren Mann schicken zu dürfen. Die ersten Unterstützungszahlungen gingen über die Post, dann musste sie über die Creditanstalt – Filiale Krakau überweisen lassen. Die Tochter des Ehepaares beschäftigt sich heute mit den Dokumenten, die an ihren Vater erinnern und sie bezweifelt ob ihr Vater das Geld je erhalten hat. Sie vermutet, dass bei den Überweisungen nur eine rechtmäßige Transaktion vorgetäuscht wurde. Doch die bisher gefundenen Akten liefern keine Beweise dafür.
Das Wissen der CA
Die CA – Filiale Krakau wußte also vom massenhaften Tod in den KZ´s und das wußten sie schon sehr früh., denn der Geschäftsverkehr mit den KZ´s ist seit September 1941 dokumentiert. Also genau zu jenem Zeitpunkt als im Hauptlager Auschwitz zum ersten Mal Zyklon B (Giftgas) ausprobiert wird. Es starben 600 Häftlinge. In dieser Zeit begann auch die konkrete Planung von Vernichtungslagern. Die ersten systematischen Tötungen begannen im März 1942. Das war der Beginn der "Aktion Reinhard". Unter diesem Decknamen lief die Ermordung der 2,3 Millionen Juden, die rund um Krakau lebten.
Die Banken und externe Wirtschaftsinstitutionen halfen finanziell beim Bau der riesigen KZ´s. Geld war ein wesentliches Motiv der "Arisierung" und es war ein Faktor der aus der Vertreibungspolitik eine Vernichtungspolitik machte.
Quellennachweis: