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von Mehmet Ündemir
Die Nürnberger Prozesse

 

Übersicht:

 

 

Bedeutung des Kriegsverbrechertribunals:

Erstmals werden nach einem Krieg die Kriegsverbrecher für die Verbrechen, die sie im Krieg begangen haben vor einem Gericht verantwortlich gemacht. Und die Siegermächte verzichteten darauf dem Volk die Schuld zu geben und es dafür zu bestrafen(Reparationszahlungen). In der Folge der Entnazifizierung wird auch versucht dem Volk durch Re-education,Reformen usw. zu helfen, was aber nicht überall angenommen wurde und in manchen Fällen fehlschlug.

 

Die Vorgeschichte der Nürnberger Prozesse:

Konferenz von Jalta:

Die Großen Drei , US Präsident Roosevelt, der britische Premierminister Churchill und der sowjetische Diktator Stalin trafen sich vom 4.-11. Februar 1945 auf der Halbinsel Krim in Jalta. Stalin ging es in dieser Konferenz um die Festlegung von Reparationszahlungen die Deutschland bezahlen sollte.Stalin war für 20 Milliarden Dollar, von denen 10 die Sowjetunion erhalten sollte. Der amerik. Präsident Roosevelt bemühte sich um die Zusage Stalins. Zum Kriegsbeitritt gegen Japan und um die Kooperation Stalins bei der Gründung der Vereinten Nationen. Das letzte Ziel Roosevelts und auch Churchills war den Expansionsdrang der Sowjetunion unter Kontrolle zu bekommen. Im Laufe der Konferenz beschlossen die Großen Drei, die vollständige Entwaffnung und Entmilitarisierung und die Zahlung von Reparationszahlungen der unterlegenen Staaten . Frankreich wurde als Vierte Macht zur Teilnahme an der Kontrolle Deutschlands eingeladen. Die Franzosen erhielten eine eigene Besatzungszone im Südwesten.

 

Konferenz von Potsdam:

Zur letzten Kriegskonferenz vom 17.7.-2.8.1945 trafen sich die Staatsmänner der 3 Großen im Schloß Cecilienhof in Potsdam. Der verstorbene Präsident Roosevelt wurde durch seinem Nachfolger Truman ersetzt. Churchill mußte auf dem Höhepunkt der Konferenz durch den Wahlsieger Attlee ersetzt werden.Stalin war als einziger bei allen Konferenzen anwesend. Die wichtigsten Beschlüsse der Potsdamer Konferenz waren:

+ Gründung eines Rates der Außenminister der fünf Hauptmächte ( USA, Sowjetunion ,China ,Großbritannien und Frankreich )

+ Bestimmung wirtschaftlicher und politischer Prinzipien für die Behandlung Deutschlands während der Besatzungszeit:

Anfangs war man sich unklar über den Prozeßort. Der amerikanische Robert H. Jackson empfahl Nürnberg, weil es nur in Nürnberg ein ausreichend großes unbeschädigtes Justizgebäude (530 Büroräume und 80 Säle) gab. In der Nähe befindet sich ein Gefängnis. Die Sowjetunion wiederum forderte Berlin als Prozeßort, später einigte man sich mit dem Londoner Viermächte - Abkommen darauf, daß Berlin ständiger Sitz des Gerichtshofes wird, trotzdem wurde das erste Verfahren in Nürnberg durchgeführt.

 

Der Militärgerichtshof in Nürnberg setzte sich aus den Vertretern Großbritanniens, Rußlands, Frankreichs und den USA zusammen. Der Vertreter Großbritanniens war Sir Geoffrey Lawrence, Lord Richter des Vereinigten Königreichs von Britannien, der Vertreter aus den USA war Francis Biddle, Frankreichs Vertreter war Richter Henri Donnedieu de Vaabres und der sowjetische Vertreter war Generalmayor Iola T. Nikitschenko.

 

Am 18. Oktober 1945 fand die erste Sitzung des internationalen Militärtribunals in Berlin statt. Es wurden Anklageschriften gegen die 24 Hauptkriegsverbrecher und gegen 6 Organisationen des Dritten Reiches: NSDAP, SS, SA, Reichsregierung, Generalstab, Gestapo und Sicherheitsdienst.

 

Als Anklagepunkte wurden festgelegt:

 
 
Nürnberger Prozeß

Das internationale Militärtribunal tagte vom 20.11.1945 bis zum 31.8.1946. Der Vorsitzende war der britische Lord Richter Geoffrey Lawrence. Es waren über 360 Zeugen am Verfahren beteiligt, aber nur 270 Zeugen wurden vom Gericht selbst vernommen. Für diesen Prozeß waren mehr als 1000 

Mitarbeiter tätig. Der Prozeß wurde nach amerikanischem Recht geführt.

 

Die Urteile wurden am 30.9.1946 und 1.10.1946 verkündet. Es wurden 12 Todesstrafen, 7 lebenslängliche und begrenzte Freiheitsstrafen verhängt und es gab 3 Freisprüche.

Die NSDAP, SS, Gestapo und der Sicherheitsdienst wurden für verbrecherisch erklärt.

 

Die Hinrichtungen fanden 16.10.1946 in der Sporthalle des Gefängnisses statt, die Toten wurden in einem Münchener Krematorium eingeäschert, die Asche wurde später in einen Nebenfluß der Isar geschüttet. Die zu Gefängnisstrafen verurteilt waren, kamen ins Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau. Der letzte von ihnen verübte 1987 Selbstmord (Heß).

 

Die 24 Hauptangeklagten

 

Martin Bormann, geboren 1900, war Mitglied der Obersten SA-Führung, Leiter der Parteikanzlei und des Volkssturmes, Reichsleiter, Sekretär Hitlers im Führerhauptquartier. Wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt.

 

Karl Dönitz, geboren 1891, Großadmiral, Nachfolger Raeders als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, nach Hitlers Tod Nachfolger als Staatsoberhaupt. Wurde wegen Planung und Durchführung eines Angriffskrieges und Kriegsverbrechen zu 10 Jahren Haft verurteilt. Er wurde 1956 entlassen und verstarb 1980.

 

Hans Frank, geboren 1900, Generalgouverneur in Polen, Nachfolger Neurath als Reichsprotektor über Böhmen und Mähren. Wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Willhelm Frick, geboren 1877, Reichsinnenminister Nachfolger Neuraths als Reichsprotektor über Böhmen und Mähren . Wurde wegen Planung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Hans Fritzsche, geboren 1900, Leiter des Nachrichtenwesens des Propagandaministeriums, war bekannt als Rundfunkkommentator. Wurde freigesprochen, aber später im Entnazifizierungsverfahren zu 9 Jahren Arbeitslager verurteilt. Wurde 1950 entlassen und starb 1953.

 

Walter Funk, geboren 1890, Reichswirtschaftsminister, Nachfolger Schachts als Präsident der Deutschen Reichsbank. Wurde wegen Planung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt. Wurde 1957 wegen Krankheit entlassen und verstarb 1960.

 

Hermann Göring, geboren 1893, war Gründer der Gestapo (geheime Staatspolizei), Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Reichsluftfahrtsminister, Leiter der Kriegswirtschaft, preußischer Ministerpräsident. Wurde wegen allen Punkten der Anklage zum Tode verurteilt. Beging Selbstmord am Vortag der Hinrichtung.

 

Rudolf Heß, geboren 1894, Stellvertreter Hitlers in der NSDAP, Mitglied des geheimen Kabinettsrates, flog am 10.5.1941 nach Schottland (Grund ist unbekannt). Wurde wegen Verbrechen gegen den Frieden und Plan und Durchführung eines Angriffskrieges zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Beging 1987 im Gefängnis Berlin-Spandau Selbstmord.

 

Alfred Jodl, geboren 1890, Generaloberst, Chef des Wehrmachtsführungsstabes und Berater Hitlers. Wurde wegen allen Punkten der Anklage zum Tode verurteilt.

 

Ernst Kaltenbrunner, geboren 1903, Leiter der Sicherheitspolizei und des Reichssicherheitshauptamtes, Staatssekretär für öffentliche Sicherheit in der Ostmark (Österreich). Wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Wilhelm Keitel, geboren 1882, Leiter des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall. Wurde wegen allen Punkten der Anklage zum Tode verurteilt.

 

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, geboren 1870, Präsident der Deutschen Schwer- und Rüstungsindustrie, Leiter der Friedrich-Krupp-AG, wegen einem Verkehrsunfall wurde er für Verfahrensunfähig erklärt und starb 1950, sein Sohn wurde zu 12 Jahren Gefängnisstrafe und zur Einziehung des ganzen Vermögens verurteilt.

 

Robert Ley, geboren 1890, beseitigte die freien Gewerkschaften, Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), beging im Nürnberger Gefängnis Selbstmord.

 

Konstantin Neurath, geboren 1873, Reichsprotektor über Böhmen und Mähren, Außenminister und Präsident des geheimen Kabinettsrates. Wurde wegen allen Punkten der Anklage zu 15 Jahren verurteilt. Wurde 1954 wegen Krankheit entlassen und verstarb 1956.

 

Franz von Papen, geboren 1879, Botschafter in Wien und Ankara. Wurde freigesprochen, aber später im Entnazifizierungsprozeß zu 8 Jahren Arbeitslager verurteilt. Wurde 1949 entlassen und verstarb 1969.

 

Raeder Erich, geboren 1876, Großadmiral, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Wurde wegen Verbrechen gegen den Frieden, Planung und Durchführung eines Angriffskrieges, und Kriegsverbrechen zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Wurde 1955 wegen Krankheit entlassen und verstarb 1960.

 

Joachim von Ribbentrop, geboren 1893, Reichsaußenminister. Wurde wegen allen vier Anklagepunkten zum Tode verurteilt.

 

Alfred Rosenberg, geboren 1893, Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Reichsleiter der NSDAP für Weltanschauung und Außenpolitik, Herausgeber des "Völkischen Beobachters" und der "NS Monatshefte". Wurde wegen allen vier Anklagepunkten zum Tode verurteilt.

 

Fritz Sauckel, geboren 1894, Generalbevollmächtigter für Zwangsarbeit von über 5 Millionen Menschen aus allen besetzten Gebieten Europas in Deutschland, Gauleiter und Reichsstatthalter von Thüringen. Wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Hjalmar Greely Horace Schacht, geboren 1877, Präsident der Reichsbank und Reichswirtschaftsminister, 1944 im KZ Flössenbürg. Wurde freigesprochen und bis 1948 inhaftiert und lebte bis 1970.

 

Baldur Schirach, geboren 1907, Reichsjugendführer und Gauleiter von Wien. Wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt und 1966 entlassen, verstarb 1974.

 

Alexander Seyß-Inquart, geboren 1892, nach Anschluß Österreichs Reichsstatthalter der Ostmark und Reichskommissar für die besetzten Niederlande. Wurde wegen Planung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Albert Speer, geboren 1905, war Architekt Hitlers, Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Wurde 1966 entlassen und verstarb 1981.

 

Julius Streicher, geboren 1885, Gauleiter von Franken, war Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift "Der Stürmer". Wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

 

Nürnberger Nachfolgeverfahren

In allen vier Besatzungszonen (auch in den befreiten Gebieten Polen ,Italien und Niederlande ) fanden nach den Nürnberger Prozessen einzelne Prozesse statt in denen die Verbrechen der Nationalsozialisten untersucht und verurteilt werden.Eine der bedeutensten Verfahren unmittelbar nach dem Nürnberger Prozeß, waren die 12 Nachfolge Prozesse die bis Mitte 1949 dauerten.Diese Prozesse standen für 12 Jahre Nationalsozialistische Politik und Wirtschaft

 

Ärzteprozeß: Im Ärzteprozeß ging es um Euthanasie und Menschenversuche

Milchprozeß:(nach Generalinspekteur der Luftwaffe Erhard Milch) Im Milchprozeß

ging es um Kriegsrüstung

Flickprozeß:(nach Friedrich Flick, Großunternehmer im NS-Staat) Im Flickprozeß

ging es um Zwangsarbeit und den Raub von ausländischem Gut und Eigentum.

Süd-Ost Generäle Prozeß: Geiselerschießungen auf dem Balkan

Fall 8-Prozeß:Mitarbeiter des Rasse - und Siedlungshauptamtes der SS werden wegen Ermordung von Juden und Polen angeklagt

Willhelmstraßenverfahren: gegen Diplomaten und höhere Funktionäre wird Ermittelt

Einsatzgruppen-Prozeß: Gegenstand der Anklage Mordaktionen an Juden in Ostgebieten

 

 

 

Prozesse in den einzelnen Besatzungszonen

Ein amerikan. Militärgericht tagte im KZ Dachau . In diesen mehreren Prozessen standen die Wachmannschaften und Kommandanten einzelner KZ`s (Dachau, Mauthausen , Flossenbürg usw.) wegen den Verbrechen die sie begangen hatten vor Gericht.

Am 13.5.1946 wurde der Prozeß gegen die Wachmannschaften und Kommandanten des KZ Mauthausen beendet. Es wurden alle 61 Angeklagten für schuldig erklärt, 49 zum Tod und 12 zu lebenslanger Haft im Zuchthaus verurteilt. In der brit. Besatzungszone wurde ein Verfahren gegen das SS-Personal von Bergen-Belsen und Auschwitz geführt. In Hamburg wurde Generalfeldmarschall Erich von Manstein wegen Nichtbeachtung der Zivilbevölkerung bei der Kriegsführung zu 18 Jahren verurteilt. Später wurde die Haftstrafe auf 12 Jahre herabgesetzt, schlußendlich kam er nach 4 Jahren aus dem Gefängnis. In der franz. und sowjetischen Besatzungszone standen Helfer und Schergen der NS-Regierung vor Gericht. In Straßburg wurde der Gauleiter Wagner von einem franz. Gericht verurteilt. In den anderen befreiten Gebieten ( Belgien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Dänemark , Norwegen, Tschechoslowakei und Jugoslawien ) standen Funktionäre, Besatzungsoffiziere und SS-Leute vor. In Krakau wurde Rudolf Höß, der Auschwitzkommandant zum Tod verurteilt.

 
 
 
 
 

 

Viele Kriegsverbrecher wie zum Beispiel Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler und viele andere entzogen sich ihrer Bestrafung durch Selbstmord. Andere tauchten unter und flüchteten mit Hilfe des Roten Kreuzes und des Vatikans, die ihnen gefälschte Ausweise bzw. eine neue Identität besorgten, nach Südamerika. Adolf Eichmann konnte seiner Bestrafung nicht entkommen. Er wurde in Argentinien von israelischen Agenten verhaftet. 1960 wurde er nach Israel geschmuggelt und 1962 von einem israelischen Gericht wegen seiner Beteiligung an den Judenmorden zum Tod verurteilt. 1987 wurde Gestapo-Mann Klaus Barbie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Frankreich zu Lebenslanger Haft verurteilt.

Dr. Josef Mengele, Gründer des Institutes für Erbbiologie und Rassenhygiene, war im KZ Auschwitz tätig. Mengeles Forschungsschwerpunkt war die Zwillingsforschung und die Erforschung Zwergwüchsiger. Er war bis kurz vor der Evakuierung des Lagers Auschwitz tätig, konnte ungehindert an seinem Heimatort weiterleben, bis der Schriftsteller Ernst Schobel auf ihn aufmerksam machte. Mengele setzte sich nach Südamerika ab, wo er vermutlich 1979 in Brasilien bei einem Badeunfall starb.

Zwischen 1965 und 1981 mußten sich 55 Angeklagte Frankfurter -Auschwitz - Prozeß für nationalsozialistische Gewaltverbrechen verantworten.

 

Entnazifizierung

Es haben etwa 8,5 Millionen zu den Mitgliedern der NSDAP gehört, man hatte Während dem Krieg sogar mit dem Gedanken gespielt alle der politischen Säuberung bzw. der Entnazifizierung zu unterwerfen. Schon bevor Ausführungsbestimmungen erlassen wurden, hatte es schon überall im Frühjahr 1945 begonnen. Es beteiligten sich auch Deutsche daran, die in ganz Deutschland Antifaschistische Gruppen gründeten ( vor allem Männer der Arbeiterbewegungen). Die Antifaschisten hinderten Nazi - Größen unterzutauchen und mußten sie sogar einige Male vor den Lynchversuchen der Bevölkerung schützen. Die Alliierten waren gegen die Mithilfe der deutschen Antifaschisten, da das Mißtrauen viel zu groß war. Schließlich wurden die Antifaschistischen Gruppen ( Komitees ) in der amerikanischen und in der sowjetischen Zone verboten.

 

Zur Beurteilung der Angeklagten wurden fünf Gruppen gebildet:

Entnazifizierung in der US – Zone

Die Amerikaner wollten mit der politischen Säuberung alle ehemalige Nazis aus ihren Führungspositionen im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben entfernen. Für die Ermittlungen diente ein Fragebogen mit 131 Fragen auf die eine wahrheitsgetreue, vollständige Antwort verlangt wurde. Ansonsten konnte man für das Auslassen bzw. Schreiben falscher Antworten bestraft werden. Ende 1945 gingen 900.000 Fragebögen in den Dienststellen der amerikanischen Militärregierung ein, davon wurden 140.000 Personen sofort aus ihren Ämtern entlassen. Und eben so viele wurden für minder-gefährlich eingestuft. Anfangs beschränkte man sich nur auf die Überprüfung der Fragebögen. Das Ausweiten der Säuberungsaktion von Führungspersonal auf normale Beschäftigte schuf große Probleme (Personalmangel in der Verwaltung). Im Frühjahr 1946 gab es einen Kurswechsel in der US – Zone durch das "Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus". Dieses Gesetz bot den Deutschen eine Gesetzgrundlage für Säuberungen. 13 Millionen Menschen (ab 18 Jahren) hatten einen Fragebogen ausgefüllt und knapp ein Drittel war vom Befreiungsgesetz betroffen. Zehn Prozent wurden verurteilt und ein Prozent wurde mit Strafen belegt, die ihnen Nachteile von Dauer brachten. Ein bisschen Entlastung brachte die Jugendamnästie vom August 1946 (für alle ab Jahrgang 1919) und Weihnachtsamnästie von 1946 für Kriegsgeschädigte und sozial Schwache. Ab 1948 lockerten die Besatzungsmächte die Kontrollen, um schneller Abzuschließen und es wurden auch Schnellverfahren durchgeführt. Es profitierten nicht wenige , und es kam auch zu Vorwürfen der Korruption, Scheinheiligkeit und der Jagd nach Persilscheinen (Bestätigung durch Unbelastete für NSDAP Mitglieder, die ihre Harmlosigkeit zeigen wollen).

 

Re-education

Die Alliierten hielten die Herstellung eines demokratischen System für ein grundlegendes Kriegsziel. Es war dazu nötig, die Deutschen mit demokratischen Verhaltensweisen bekanntzumachen und sie zu Demokraten zu erziehen. Re-education heißt auch "Umerziehung". Viele wehrten sich gegen die kulturellen Lehren der sowjetischen, amerikanischen, britischen und auch französischen Offizieren, da die Niederlage schmerzlich genug war, und sie nicht noch auch belehrt werden wollten.

Nach der Besetzung wurden alle Schulen geschlossen, aber vor Wiederaufnahme des Unterrichts sollten alle Lehrer entnazifiziert werden (überwiegender Anteil NSDAP). Im Herbst 1945 wurden die Schulen wieder eröffnet, um die Kinder von der Straße fernzuhalten. Pensionisten und Studenten halfen beim Unterrichten mit, aber an eine Schulreform war nicht zu denken.

Reformen im Schulwesen

Die Alliierten begannen erst 2 Jahre später mit der Demokratisierung des deutschen Erziehungs- und Schulsystems. Sie forderten ein umfassendes Schulsystem, in dem Grundschule und höhere Schule aufeinanderfolgende Stufen sind, die sich aber nicht überschneiden. In allen vier Zonen wurden Reformen in Gang gesetzt, die sich voneinander unterschieden. In der sowjetischen Zone wurde ab 1946 das Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule in Kraft gesetzt. Es wurde die achtklassige Einheitsschule mit anschließender vierstufiger Oberstufe oder dreistufige Berufsschule eingeführt. 40000 Neulehrer wurden eingestellt (Antifaschisten), die in Schnellkursen von 3 Monaten, später von 8 und 1947 12 Monaten Dauer ausgebildet wurden. Ziel der Bildungsreform war die Förderung von Bauern- und Arbeiterkindern. In der französischen Zone versuchte die Militärregierung das französische Schulsystem einzuführen. Französisch erhielt anderen Fremdsprachen gegenüber den Vorrang. In der britischen Besatzungszone überließ man es den Deutschen Reformen zu entwickeln und durchzuführen.

Die Amerikaner wollten das Modell der Einheitsschule einführen. Laut Reform war die Gesamtschule für alle Schulpflichtigen. Sie waren auch für die Schulgeld- und Lernmittelfreiheit und für die Schulpflicht bis zum 15. Lebensjahr.

 

Kulturpolitik

Es bestand in Deutschland die Notwendigkeit auf die Erwachsenen einzuwirken. Dies erfolgte auf unterschiedliche Art und Weise, durch Spielfilme, Dokumentarfilmen und Wochenschauen (aus alliierter Produktion). Die Wiederbelebung der Kulturszene war wichtig für die Alliierten: Propaganda für eigene Kunst, Erziehung zur Demokratie, Unterhaltung und Pazifizierung der Bevölkerung.

 

 

Presse und Rundfunk

Die Alliierten wollten die Presse und den Rundfunk in drei Schritten verbieten, um sie durch alliierte Institutionen zu ersetzen und dann in neuen völlig demokratischen Strukturen aufzubauen. Das Gesetz vom 24.11.1944 untersagte das Drucken, Erzeugen und sogar das Verleihen von Büchern, Broschüren, Plakaten usw.

Heeresgruppenblätter, Rundfunksendungen unter alliierter Kontrolle leitete die 2. Phase ein, in der die Besatzungsmächte das Informationsmonopol besaßen. 3. Schritt war die Lizenzierungsphase, in der sorgfältig ausgesuchte Journalisten und Verleger unter alliierter Kontrolle (Zensur) deutsche Zeitungen machen und in Funkhäusern arbeiten konnten. Das Ziel der Alliierten war eine objektive Berichterstattung, die entscheidend ist zur Herstellung einer demokratischen öffentlichen Meinung.

 

Ab 1946 existierten in allen Besatzungszonen zahlreiche und bedeutende Blätter, so z.B. die "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Rundschau" usw. Die alliierte Zensur beschränkte sich darauf auf die militärische und nationalistische Kritik an den Besatzungsmächten zu verhindern. Die Massenmedien bzw. die Lizenzpresse und Rundfunkstationen und Nachrichtendienste sollten in die deutsche Hand wieder übergehen, nachdem sie die Bewährungsprobe überstanden und demokratische Presse- und Rundfunkgesetze geschaffen hätten.

 

Quellenangabe: Chronik des 20 Jahrhunderts, Schulbuch achte Klasse,

Chronik des zweiten Weltkriegs;

Bilder Quellenangabe: Keystone Wien, Institut für Zeitgeschichte Wien;