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GESCHICHTE DER JUDEN

 

 
 
   
Frühzeit und Zeit des ersten Tempels:

Die zwölf Stämme: Die zwölf Söhne von Jakob, dem Nachfolger Abrahams, gelten als die Stammväter für das ganze hebräische Volk. Trotz den Blutsverwandtschaften gab es zwischen den einzelnen Stämmen auch engere Beziehungen. Der Exodus, der Auszug aus Ägypten unter der Führung Moses, zählt zu den wichtigsten Ereignisse: Hier erhält das Volk durch Moses die Thora (das Gesetz), dessen Erfüllung ab nun im Mittelpunkt für die Verwirklichung der Gottesherrschaft im Leben sowie in der Geschichte Israels steht.
Das Königreich: Um 1020 v. Chr. erfolgte durch den ersten israelitischen König Saul der Zusammenschluss der Stämme zu einer politischen Einheit. Die Grenzen wurden durch seinen Nachfolger David noch erweitert. David eroberte Jerusalem, machte es zur Hauptstadt und auch die Religion der Israeliten zur vorherrschenden Religion in Palästina. Als David starb waren alle benachbarten Länder unterworfen bzw. durch Freundschaftsverträge an Israel gebunden. Sein Nachfolger und Sohn Salomo ließ 979-931 v. Chr. den Tempel von Jerusalem bauen.
Das geteilte Reich: Jerobeam drang mit Hilfe des ägyptischen Königs in Rehabeams Königreich ein, da dieser Forderungen von Jerobeams ablehnte. Der Tempel wurde geplündert und ausgeraubt. Das Reich wurde 926 v. Chr. geteilt und zwar in das davidsche Südreich und das Nordreich, regiert von Jerobeam, dem nach biblischer Überlieferung zehn der zwölf Stämme angehörten. Die Bewohner der beiden Staaten fühlten sich zwar als ein Volk, blieben jedoch politisch voneinander getrennt.
Eine Vielzahl von Kämpfen zwischen den Kleinstaaten prägten in der Folgezeit die jüdische Geschichte. Um 870 v. Chr. wurde Samaria als Hauptstadt von Israel gegründet und es entsteht eine Phase des Friedens.
Die Assyrer wollten schon über längere Zeit Palästina erobern. Es gelang ihnen jedoch erst 734 v. Chr. Israel einzunehmen, die Bastion von Samaria konnte sich sogar noch bis 721 v. Chr. halten. Das Königreich Israel wurde zerstört und viele der Bewohner wurden verschleppt. Das Königreich Juda musste an die Assyrer Zwangsabgaben leisten, konnten aber ihre nominelle Unabhängigkeit noch weitere 135 Jahre bewahren.
Die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar: Nebukadnezar regierte die Chaldäer, ging 598 v. Chr. gegen die Judäer vor und eroberte Jerusalem. Zwei Jahre später wurde Juda von seinen Soldaten erobert und Jerusalem zerstört. Alle Judäer, die verdächtigt wurden sich bei den Aufruhen beteiligt zu haben, wurden nach Babylon verschleppt. Das Babylonische Exil beendete die politische Unabhängigkeit des alten Israel.

 

Zeit des zweiten Tempels:

Die meisten Verbannten waren in Babylon. Dort gründeten sie 597 v. Chr. eine blühende Kolonie. 539 v. Chr. eroberte jedoch Kyros der Große, der Begründer des Persischen Reiches, Babylon. Er schenkte den Juden die Freiheit und so wurde ihnen die Rückkehr aus dem Exil nach Palästina erlaubt. In Jerusalem erbauten die Juden 516 v. Chr. den Tempel neu; also den zweiten Tempel. Dieser stand auch als kultischer Mittelpunkt in Jerusalem. Der Wiederaufbau des Tempels gilt nach jüdischer Auffassung auch als Datum für das Ende des Babylonischen Exils (586-516 v. Chr.). Judäa wurde zur Theokratie, die den Hohen Priester und den Synedrion (Hoher Rat) an der Spitze hatte. Unter der Leitung von Nehemia (jüd. Günstling des persischen Königs) entwickelte sich Jerusalem zu einer bedeutenden Metropole und Judäa zu einem gut organisierten Staat. Die Priesterschaft legt die wesentlichen Glaubensinhalte fest und kontrollierte sie auch. Gleichzeitig wuchs der Wohlstand und in den folgenden 150 Jahren entwickelten sich die Juden von einer politisch definierten Gesellschaft immer mehr zu einer religiös bestimmten.
Die Diaspora: Durch Alexander dem Großen wurde Mazedonien zu einer bedeutenden Macht. Später gehörte auch Judäa zu den Provinzen Alexaders. Nach der Gründung von Alexandria in Ägypten siedelten sich viele Juden dort an, viele ließen sich auch an den Ufern des Schwarzen Meeres, auf den griechischen Inseln oder an den Mittelmeerküsten nieder. Diese Juden, die auswanderten nannte man Diasporajuden (Diaspora: Zerstreuung). Die griechische Sprache setzte sich gegenüber der hebräischen durch und sie übernahmen griechische Sitten und Vorstellungen. Die Seleukiden herrschten in Syrien, 198 v. Chr. siegten sie über Ägypten und nahmen Judäa ein. Der Seleukidenkönig Antichos IV versuchte mit aller Macht das Judentum durch den Hellenismus zu ersetzen. Er erklärte den jüdischen Glauben für gesetzwidrig. Dies führte zu Aufständen der Makkabäern (Söhne der jüdischen Priestern) In einem Kampf schlugen sie das syrische Heer, die Dynastie der Hasmonäer (oder Makkabäer) übernahmen die Regierung und ernannten sich in Folge zu den Königen des unabhängigen jüdischen Staates. Weiters versuchten die Juden, ihren Glauben von fremden Einflüssen zu befreien.
Die römische Herrschaft begann mit dem Eingreifen Roms in den judäischen Bürgerkrieg und der Eroberung Jerusalems 63 v. Chr. durch Pompeius. Herodes der Große bestieg den Thron 37 v. Chr.
Es entstanden viele Konflikte und Aufstände, da die römischen Herrscher despotisch regierten und die jüdische Religion missachteten. Kaiser Vespasian schlug die Auflehnungen zwischen 70 und 73 n. Chr. nieder und zerstörte mit Jerusalem auch den Tempel. Dies führte wiederum zu gewaltsamen, aber erfolglosen Aufständen der Juden unter Simon Bar Kochba. Der römische Kult wurde in Jerusalem verpflichtend und jeder Jude, der sich nicht dazu bekannte, wurde zum Tode verurteilt.
Die Rabbiner bestimmten mit der Zeit das ganze Judentum, da sie als einzige handlungsfähige aus den Niederlagen hervorgingen. Grundlagen für sie waren neben der schriftlichen Thora die mündlich überlieferte Lehrstoff. Dieser wurde niedergeschrieben und es entstand die Mischna und die palästinische Gemara. Zusammengefasst ergab sich dann um 350 der Talmud.
Jochann Ben Sakkai errichtete 70 n. Chr. ein Lehrhaus. Einer der bedeutendsten Goans (Oberhaupt einer Gelehrtenschule) war Saadja, der das erste hebräische Wörterbuch verfasste.

 

Mittelalter:

Die Muslime eroberten 637 Mesopotamien, dann Nordafrika und weite Teile der Iberischen Inseln. Im "Omar – Vertrag" wurde geregelt, wie sich die Juden als Unterworfene zu verhalten hatten und was für Rechte sie hatten. Beispielsweise durften sie keine politischen Ämter bekleiden, keine Muslime als Dienstboten beschäftigen, keine Waffen tragen und Pferde reiten. Weiters wurde ihnen verboten neue Synagogen zu bauen oder religiöse Feiern in der Öffentlichkeit abzuhalten. Außerdem mussten sie gelbe Flicken als Erkennungsmerkmal tragen. Die Juden wurden zwar als einzige Minderheit geduldet, mussten jedoch oft als Sündenbock herhalten.
Sie wurden während der Kreuzzüge 1096 und 1147-1149 verfolgt, auch an der Pestepidemie von 1348/49 waren sie vermeintliche Urheber der Seuche und wurden deshalb erneut blutigen Verfolgungen ausgesetzt. Dies führte v.a. in Spanien dazu, dass die Juden gezwungen wurden zum Christentum zu konvertieren. Schon 1492 erfolgte Ausweisung der Juden aus Spanien und 1497 wurden sie aus Portugal vertrieben.

 

Frühe Neuzeit:

Das Osmanische Reich bot vielen Emigranten Asyl. So entstanden in Griechenland, Kleinasien und Palästina blühende sefardische Gemeinden, doch mit dem Untergang des Reiches zerfielen sie wieder.
Im späten 17. Jahrhundert kam es zur Trennung zwischen Ost- und Westjudentum. Nach der protestantischen Reformation wurden manche Länder Europas toleranter gegenüber den Juden. Dem Vorbild Englands 1650 folgte nach der franz. Revolution Frankreich und in Rußland dauerten die Verfolgungen noch bis 1917 an. Andere Kolonien ehemaliger osteuropäischer Juden bildeten sich in Kanada, Südamerika und Palästina.
1654 wurde erstmals von brasilianischen Marranen eine Gemeinde in der niederländischen Kolonie Neuamsterdam gegründet. Dort konnten die Juden sich offen zu ihrem Glauben bekennen.
Innerhalb von hundert Jahren, von 1780-1880, stieg die Anzahl der Juden in der Vereinigten Staaten steil an, von 2 000 auf 250 000. Erst mit der Einführung der Einwanderungsbeschränkung 1924 wurde dies etwas gedämpft.

 

Aufklärung und Emanzipation:

In Frankreich wurde der jüdischen Minorität 1791 die Emanzipation durch Verleihung vollen Bürgerrechtes gewährt, in den USA bereits 1776 mit der Virginia Bill of Rights. In den deutschen Staaten kam die Gleichstellung der Juden nur langsam zustande. Doch 1871 ist auch diese vollendet. Als Gegenreaktion entstehen antisemitische Gruppen und Parteien.

 

 

 

1882 bis 1948:

Die Juden verfolgten die Idee einer Nation mit Anspruch auf Territorium und Staatsbildung. Die Balfour- Deklaration 1917 förderte der Zionismus. In der Diaspora "suchen" sehr viele Juden den Zionismus.
Der Antisemitismus: In Deutschland und Frankreich fanden die antijüdischen Gruppierungen schnell wieder Anhänger. Der Antisemitismus ist vor allem während der Zeit von 1933-1945 sehr geprägt durch die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland und Europa. Massenmorde sind keine Seltenheit. In ganz Europa schlossen sich Gruppen zusammen, deren Ziel es war die jüdische Emanzipation rückgängig zumachen. Ein Drittel des gesamten Judentums wurden während Hitlers Macht ermordet. Die meisten von ihnen kamen in dem Holocaust in Konzentrationslagern ums Leben.

 

 
Nach dem 2. Weltkrieg: (in Deutschland)

Der deutsche Politiker Konrad Adenauer betrieb eine "Wiedergutmachungspolitik" gegenüber den Juden. Diese forderten; dass die Bundesrepublik Deutschland die Verantwortung für die Verbrechen in der nationalsozialistischen Zeit endlich anerkennen. Adenauer akzeptierte schließlich die Bedingungen und er trat in Verhandlungen mit Israel über eine finanzielle "Wiedergutmachung". Diese Verhandlungen wurden mit dem Luxemburger Abkommen abgeschlossen.
In der Sowjetunion wurde vielen Person aufgrund jüdischer Herkunft entsagt hohe Staatsämter anzutreten. Die DDR hat den Staat Israel nie wirklich anerkannt.
Die jüdische Gemeinde in Deutschland. 1994 bei den Bundespräsidentenwahlen wollten sehr viele den Vorsitzenden des "Zentralrats der Juden in Deutschland" zur Wahl aufstellen. Die Leute wollten damit ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus im Vereinigten Deutschland setzen. Die Struktur der jüdischen Gemeinden ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Geburtenrate in den jüdischen Gemeinden geht ständig zurück, doch die Einwohnerzahl steigt weiter, da immer mehr Personen aus Osteuropa einwandern. Die Gemeinden sind oft dazu gezwungen den Neubürgern Hilfeleistung zu geben, da die meist arbeitslos sind. Sie sehen sich aber lieber ihre jüdische Glaubenstradition zu bewahren als sich als eine soziale Hilfsorganisation auszugeben.
Der ehrenamtliche Kulturdezernent der jüdischen Gemeinden in Berlin formulierte 1996 seine Ängste in einem Zeitungsinterview so: "Wir verdünnen uns ins Nirwana! Wenn es so weitergeht, wird es in vierzig Jahren hier kein Judentum mehr geben, höchstens eine Interessengemeinschaft der zum Judentum positiv Eingestellten."

 

 

Anhang:

Begriffserklärungen:
 

Zionismus: von Herzl begründet; National jüdische Bewegung, die auf die Gründung eines eigenständigen jüdischen Staates in Palästina abzielte; Mit der Proklamation des Staates Israel (1948) war das politische Ziel des Zionismus erreicht;

Holocaust: Massenvernichtung; v.a. die Vernichtung während des Nationalsozialismus;

Marranen: verächtliche Bezeichnung für spanische und portugisische Juden, die im 14 und 15 Jh zwangsweise getauft wurden;

Chaldäer: semit. Volk, das die assyr. Herrschaft in Vorderasien beendete und unter König Nabopolassar 626 v.Chr. das neubabylonische Reich begründete;

Seleukiden: Hellenistische Dynastie von 312-64v. Chr.; begründet von Seleukos Nikator, einem Feldherrn Alexanders d. Großen; Das Reich umfaßte nach Alexanders Tod die ehemals persischen Gebiete in Kleinasien, Mesopotamien sowie den ganzen Iran;

Sephardim: Dritter Zweig der Juden mit eigener Umgangssprache (neben Aschkenasim und dem arabisch sprechenden Teil) sie lebten im MA als gelehrte Oberschicht in Spanien und Portugal, wurden jedoch vertrieben und wanderten zuerst ins Osmanische Reich aus und später auch nach Israel;

Theokratie: Religiös begründete Staatsform, die in einem "Gottesstaat" geistliche und weltliche Bereiche miteinander vereint.

Hellenismus: Epochenbegriff,geprägt von J.G. Droysen für die Ausbreitung griech. Kultur im Mittelmeerraum und Nahen Osten,vermischt mit altorientalischen Elementen, ungefähr von der Zeit Alexander d. Großen.

 

Textnachweis:
 

Entcarta 98
Der neue Brock Haus (1971, F.A. Brockhaus, Wiesbaden)
Das Judentum (1988, Peter Stiegnitz, Wien)

 

Bildnachweis:
 

Landkarte Israel (Microsoft Corporation, Encarta 98)