Entarte Kunst ist der Sammelbegriff der Nationalsozialisten für alles was von ihnen aus ideologischen Gründen abgelehnt wurde. Dazu zählen Kunstwerke sowie die Stilrichtungen der modernen Kunst aber auch bestimmte Autoren wurden verboten. Ab 1936 war in Deutschland nur noch die "Deutsche Kunst" zugelassen. Alles andere galt als entartete und wurde verboten und verfolgt. Die Entartung war sehr wichtig, denn sie wurde vor dem Deutschen Volk als Rechtfertigung die dazu verwendet, um eine ganze Bevölkerungsgruppe auszugrenzen.
Wie auch bei Malern wurden auch Autoren der Macht der Reichskulturkammer unterworfen. Falls ein Autor dem Deutschen Reich kritisch gegenüberstand wurde ihm Berufsverbot erteilt und seine Bücher verboten und verbrannt (siehe Bücherverbrennung)
Als Beispiel das Schreibverbot für Erich Kästner 1943:
Berlin-Charlottenburg 2, den 14. Januar 1943
Der Präsident der Reichsschrifttumskammer
Herrn Erich Kästner,
Berlin-Charlottenburg. Roscherstr. 16
Auf Grund einer neuerlichen Entscheidung der Reichskulturkammer wird die Ihnen unter dem 25. 7. 1942
erteilte Sondergenehmigung widerrufen. Sie sind somit nicht mehr berechtigt, im Zuständigkeitsbereich der
Reichsschrifttumskammer als Schriftsteller tätig zu sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Berufsuntersagung können von mir gemäß § 28 der Ersten Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz mit Ordnungsstrafen belegt werden.
Im Auftrage: gez. unleserlich
(Johanneum Lüneburg Entartete Kunst Bildende Kunst; keine richtige Quellenangabe gefunden)
Die meisten Künstler wählten zwischen folgenden 3 Möglichkeiten
Der Begriff der inneren Emigration wurde durch den Schriftsteller Frank Thieß geprägt. Unter diesem Begriff wird die Gruppe von Personen zusammengefasst, die aus religiösen oder allgemeinen Gründen ihre Arbeit niederlegten und für sich eine zurückgezogene Existenzweise wählten. Manche Autoren geben ihre Botschaft in den Werken durch verdeckte Anspielungen und indirekter Kritik weiter. Auch für diese Möglichkeit entschieden sich sehr viele Künstler. Emigration bedeutet die Auswanderung in ein anderes Land (oft in die USA). Diese Emigration war keineswegs freiwillig sondern erzwungen. Nicht alle emigrierten oder legten ihre Arbeit nieder, Künstler sind auch in die Reichskulturkammer eingetreten und hielten sich an die Richtlinien des Deutschen Reiches.Ideologie:
Als 1928 Alfred Rosenberg die Nationalsozialistische Kulturvereinigung gründete, wurde von keinem der damaligen Zeit davon eine Notiz genommen.
Zitat einer Rede von Alfred Rosenberg über: Die Kunstpolitik der NSDAP
(in "Wege deutscher Kunstpolitik", 1938)
"Für Malerei und Skulptur wird das Schönheitsideal, das nun einmal die Vorstellung des germanischen Menschen ausmacht, wieder zur Herrschaft aufrücken; (...) Das deutsche Naturgefühl, (...) ist doch nur ein Ausdruck des allgemeinen deutschen Wesens, das sich in weltanschaulichen Bekenntnissen durch alle Zeiten ebenso deutlich ausgesprochen hat wie in der biologisch- rassenkundlichen Gesetzgebung des Dritten Reichs."
Als die Nationalsozialisten dann ihren ersten Wahlsieg im Thüringer Landtag schafften, ließen sie sofort über 70 Gemälde aus dem Weimarer Museum verschwinden. Diese sogenannte "Säuberungsaktion" sollte aber nicht die einzige bleiben. Als 1933 Hitler zum Reichskanzler wurde, benutzte er seine Macht um ein neues Ministerium zu schaffen, nämlich das Ministerium für "Volksaufklärung und Propaganda", die Leitung wurde dem Propagandaminister Joseph Goebbels übertragen.
Damit startete die Säuberung, in allen deutschen Museen und Galerien wurde die Kunst, die nicht den Idealen entsprach entfernt. Moderne Kunstwerke wurden einfach zerstört. Zusätzlich wurde den Leitern des Museums, die diese moderne Kunst gekauft hatten Berufsverbot erteilt und stattdessen Personen eingesetzt, die dem Reich näher standen. Um diese neue Kulturpolitik zu kritisieren wurde die Zeitschrift "Kunst am Volk" herausgegeben, aber nach 2 Jahren ließ sich Hitler auch diese Kritik nicht mehr gefallen und verbot schließlich diese Zeitschrift, so musste sie eingestellt werden. Künstler beschwerten sich auch bei Goebbels, wurden aber von ihm einfach abgewiesen.
Von Hilter wurde dann eine Kommission ins Leben gerufen, die die Aufgabe hatte über alle Gemälde und Skulpturen ein Urteil abzugeben. Diese Kommission wurde auch ermächtigt sämtliche Entartete Kunst "zur sicheren Aufbewahrung" in Besitz des Staates zu übernehmen, also sie zu beschlagnahmen.
Hitler setzte aber seinen Krieg gegen die moderne Kunst fort: siehe Die Deutsche Reichskulturkammer
Die Deutsche Reichskulturkammer:
Den Machthabern im Deutschen Reich war bewußt das jede Art von Kunst ein Medium ist, dass eine Wirkung hat und bestimmte Eindrücke vermittelt, die auch das Verhalten der Menschen beeinflussen könnte. So wurden alle Künstler vor die Wahl gestellt: entweder Mitglied in der Reichskammer für bildende Kunst zu werden oder sie erhielten ein Berufsverbot. (siehe Schreibverbot für Autoren)
Für jede Kunstsparte gab es eine eigene Kammer, die alle Teil der Reichskulturkammer waren, diese selbst unterstand Joseph Goebbels.
Um kritische Personen "mundtot" zu machen wurden der freie Kunstmarkt und die Kritik abgeschafft. So wurden auch ausländische Kunstzeitungen verboten, denn niemand sollte etwas über die Kunst wissen, die in anderen Ländern vorhanden war. Um zu verhindern, dass Personen selbst nicht in andere Länder reisen konnten wurde der Zugang zu Fremdwährungen erschwert. Als Ausgleich für den freien Kunstmarkt wurde der sogenannte "Kunstbericht" eingeführt, so konnten alle Werke genau nach den ideologischen Vorstellungen der Reichskulturkammer kommentiert werden, ohne dass irgendjemand die Werke kritisieren konnte.
Alle Bilder wurden idealisiert, um die Leute in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. So wurde ein Soldat als heldenhaft, aggressiv und hart dargestellt oder Frauen meistens in Mutterrollen gezeigt. Beispiel: Ein Bild einer Bauernfamilie von Adolf Wissel

"Die Familie ist die Urzelle der Volksgemeinschaft und repräsentiert im Kleinen die Staatsstruktur. Der Vater überragt die anderen Personen, denn er ist der "Führer der Familie". Der Sohn schaut wie der Vater selbstbewusst in die Welt, Mutter und Töchter hingegen haben den Blick demütig gesenkt."
(Zitat Bilder Bauten Gebilde S. 69)
[Textanfang][Hitlers Wunschbilder]
Die Entartete Kunst Ausstellung
Eine weitere Kampagne gegen die moderne Kunst wurde mit der Ausstellung "Entartete Kunst" gestartet, In der die Ausstellungsstücke verschmäht wurden. 1937 wurde die Ausstellung in München eröffnet und in zahlreichen anderen deutschen Städten gezeigt. Die Stücke stammten aus den inzwischen konfezierten Gemälden. Insgesamt wurden über 16000 Werke eingezogen unter ihnen von Künstlern wie: Klee, Kandinsky, Otto Dix, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Pablo Picasso, Emil Nolde, Bertholt Brecht und viele andere.

Um den Menschen dazu zu bringen die moderne Kunst als "entartet" zu erkennen wurden zu en Gemälden Fotos von verkrüppelten Menschen hinzugefügt. Die Werke wurden also mit Zeichnungen von geistig Behinderten gleichgesetzt. Diese Präsentationen dienten auch zur Rechtfertigung der Verfolgung von "rassisch Minderwertigen, kranker und jüdisch-bolschewistischer" Kunst, aber auch gleichzeitig als Grund politische Gegner zu verfolgen.
Zur selben Zeit wie die Ausstellung der "entarteten Kunst" wurde auch im Haus der deutschen Kunst die Ausstellung "deutscher" Kunst durchgeführt. Dort zeigten die Nationalsozialisten was sie unter Kunst verstanden. Zu diesem Zweck wurde eine große Einweihungszeremonie veranstaltet, mit einer Parade, die mit einem Vorbeimarsch der SA beendet wurde. Hitler selbst hatte dieses Gebäude nach seinen Skizzen entwerfen lassen und sah es selbst als den Tempel deutscher Kunst. Von ihm wurde auch eine seiner typischen Reden abgehalten, in der er die Nationalsozialistische Kunst und ihre große Zukunft betonte. Hier ein Zitat aus seiner Eröffnungsrede "Kubismus, Dadaismus, Futurismus, Impressionismus, Expressionismus, alles völlig wertlos für das deutsche Volk".
Auch Adolf Ziegler hielt eine Ansprache zur Eröffnung:
"Sie sehen um uns herum diese Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtkönnertums und der Entartung. Uns allen verursacht das, was diese Schau bietet, Erschütterung und Ekel. (...)Ich gebe damit die
Ausstellung "Entartete Kunst" für die Öffentlichkeit frei. Deutsches Volk, komm und urteile selbst"
(aus NS-Kunst)
Auch er unterstütze Hitler mit seiner Rede und machte dem Deutschen Volk auch unverständlich klar was sie in dieser Ausstellung zu sehen bekommen.
Nachdem die Ausstellung Entartete Kunst beendet war, war man sich nicht einig was mit den Kunstwerken geschehen sollte. Goebbels schlug darauf vor, man sollte die wertvollen Bilder ins Ausland verkaufen (heute sind diese Bilder ein vielfaches mehr Wert als der Preis den sie damals hatten) und die anderen einfach verbrennen und tatsächlich wurden im März 1939 1004 Ölgemälde und 3825 Graphiken in Berlin verbrannt. (siehe auch Bücherverbrennungen)
Bücherverbrennungen selbst werden schon seit 213 v. Chr. durchgeführt, immer aus ideologischen oder religiösen Motiven veranlasst. Die Bücherverbrennungen wurden zu Propagandazwecken durchgeführt, genauso wie die Verbrennung von Kunstwerken, ist sie ein symbolischer Akt um das Deutsche Volk zu beeinflussen. Die Ideen und Gedanken der Autoren, die in dem Werk (Buch oder Zeichnung) dargestellt sind, werden durch die Nationalsozialisten zerstört, was das Volk glauben lässt: nur was die Nationalsozialisten sagen ist die Wahrheit, alles andere ist falsch und wird vernichtet.
Zu den verbotenen Autoren gehörten: Sigmund Freud, Albert Einstein, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Erich Kästner oder Arnold Zweig, um nur einige wenige zu nennen. Um das Volk noch besser überzeugen zu können wurden aus den Bücherverbrennungen genau durchorganisierte Feiern, die wie ein Ritual stattfanden. Die Verbrennung wurde immer von der Studentenschaft unterstützt, denn die Machthaber haben erkannt, dass sehr wichtig ist die Jugend auf ihrer Seite zu haben, zusätzlich hielten auch prominente Germanistikprofessoren der Universität oder auch Joseph Goebbels selbst ihre Reden dazu. Während der Verbrennung selbst spielten die SA- und SS Kapellen vaterländische Märsche und Weisenlieder, die Werke waren ihren einzelnen Gebieten zugeordnet und die Vertreter der Studentenschaft riefen ihre Kommentare, wenn die Bücher des "undeutschen" Geistes dem Feuer übergeben wurden:
1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft idealistische Lebenshaltung. Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.
2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster.
4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
5. Rufer: Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.
6. Rufer: Gegen volksfremden Journalismus demokratisch jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.
7. Rufer: Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.
8. Rufer: Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.
9. Rufer.- Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzki!"
(Sozialgeschichte der Kultur und Literatur)
Kurz nach der am 10. Mai 1933 inszenierten landesweiten Bücherverbrennung erschien eine regelmäßig aktualisierte Liste mit anfangs 131 Autoren, die aus deutschen Buchhandlungen und Büchereien entfernt werden mussten, stattdessen wurden "nationale" Bücher gekauft. Dazu noch ein Zitat von Heinrich Heine: "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende gar auch Menschen" und er sollte damit Recht haben.

Die Bilder so wie Hitler sie sich vorstellte zielten auf etwas ganz bestimmtes ab: Sie sollten die Menschen beruhigen und den modernen Alltag nicht widerspiegeln. Sie zeigten alte Formen und Inhalte, sie bedeuten Stillstand. Ein Ziel war es, die Politik durch diese Bilder zu verdecken. Die Menschen sollten nichts von der zerstörerischen Politik des NS-Regimes bemerken oder wenigstens von der Realität, die nicht so rosig wie auf den Bildern war, abgelenkt werden. Denn diese zeigten die Bauern ohne Schmutz auf ihrer Arbeitskleidung oder Arbeiter, die mit Weinkrug und Ziehharmonika herumgehen und sich auf die Arbeit freuen. Das bäuerliche Leben wurde von seiner schönsten Seite gezeigt, es drückt Sicherheit aus, ohne auch nur das Anzeichen eines Problems ganz im Gegenteil zur Realität in dieser Zeit. So kann man auch verstehen das die freie Kunstkritik abgeschafft worden ist, denn sie hätte aufdecken können was die eigentliche Idee hinter diesen Bildern ist. Dies war also Hitlers Vorstellung von großer Kunst und alles andere musste als "entartet" vernichtet werden.
Heute hat die Kunst nach Hitlers Vorstellungen für Museen nicht die geringste Bedeutung.
Friedrich Rambousek, Bilder Bauten Gebilde 2, ÖBV Verlag Wien 1997
Charles de Jaeger, Das Führermuseum, Bechtle Verlagt 1988
Arnold Hauser, Sozialgeschichte und Kunst der Literatur, C.H. Beck München Verlag 1990
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Johanneum Lüneburg Entartete Kunst Bildende Kunst
Stern 19/99 S.160-166