B Widerstand in (besetztem) Europa
KPD: Die KPD erkennt schon vor der Machtübernahme
Hitlers die Gefahren, die vom Nationalsozialismus (NS) ausgehen, legt auch
schon Waffenlager an, die Sozialdemokraten scheinen ihr jedoch bedrohlicher.
Sofort nach der Übernahme beginnt die Partei mit antifaschistischer
Propaganda, wird aber durch Massenverhaftungen am Tag des Reichstagsbrandes
schwer geschädigt. Zunächst versucht die KPD durch noch legale
Gewerkschaften mehr Einfluss auf Arbeiter in Betrieben zu bekommen, später
arbeitet sie illegal im Untergrund weiter. Neben der ROTEN
KAPELLE, der jedoch nicht nur Kommunisten angehören, existieren
noch 5 weitere bedeutende Gruppen:
Die Gruppen um:²
Robert Uhrig in Berlin
² Theodor Neubauer
und Magnus Poser in Thüringen
² Georg Schumann
und Otto Engert in Leipzig
² Anton Saefkow,
Franz Jacob und Bernhard Bästlein in Berlin
² Die kommunistische
Partei Deutschlands (Opposition), die KPO
Sozialdemokraten: Noch stärker als die KPD
bereiten sich auch die Sozialdemokraten schon vor der Machtübernahme
Hitlers auf eine Kampf gegen die Herrschaft des NS vor:
v Organisationen
zum Sperren von Straßen, zum Kappen von Telefonleitungen und zur
Besetzung von Bahnknotenpunkten
v Aufbau eines eigenen
Funknetzes
v Studentengruppen
und Mitglieder der sozialistischen Arbeiterjugend stehen in Berlin zum
Schutz der Partei bereit
| Wahlplakat
der SPD zur Reichstagswahl vom 31. 7. 1932 als Propaganda gegen Hitler
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ROTER STOSSTRUPP: Er ist eine der frühesten Widerstandsgruppen (bestand seit 1932), ihm gehören v.a. sozialdemokratisch-linkssozialistisch orientierte Studenten, Jungarbeiter und Arbeitslose an. Der R.S. setzt sich mit Hilfe von Flugblättern und einer illegalen Zeitschrift für eine Einheitsfront außerhalb der Parteien gegen den NS ein. 1933 werden ca. 180 Mitglieder zu hohen Strafen verurteilt, ein kleiner Teil bleibt jedoch weiter bestehen, hilft den Familien der Inhaftierten und vermittelt Verstecke und Papiere an politische Flüchtlinge und Juden.
NEU BEGINNEN: Diese Gruppe wird schon 1929 als leninistische Organisation (LO oder ORG) gegründet, Mitglieder sind v.a. kritische/aus der Partei ausgeschlossene Sozialdemokraten und Kommunisten. Sie bringt 1932 das Werk "Neu Beginnen" heraus und bekommt daher ihren Namen. Die Gruppe sammelt Berichte und Infos aus D und vermittelt sie ins Ausland. Ende 1935 und im Herbst 1938 wird sie durch Verhaftungswellen geschwächt, eine ca. 20-köpfige Gruppe setzt sich aber immer noch von der Exilzentrale aus für den Kontakt zu Widerstandsgruppen in D und für die Weiterführung selbstständiger NB-Gruppen im Ausland ein.
SOZIALISTISCHE FRONT: Sie ist eine um den sozialdemokratischen Redakteur Werner Blumenberg, der schon 1932 Vorkehrungen für die illegale Arbeit trifft, entstandene Widerstandsgruppe, der mehrere 100 Menschen in den hannoveranischen Arbeiterwohngebieten angehören. Sie publizierte bis 1936 viele Ausgaben der "sozialistischen Blätter" dann werden über 250 Mitglieder verhaftet und verurteilt, mehr als 600 bleiben aber unentdeckt.
SAP(Sozialistische Arbeiterpartei): Sie wird 1931 unter führender Beteiligung von Max Seydewitz und Kurt Rösenfeld gegründet und ist mit ca. 17000 Mitgliedern die größte sozialistische Gruppe. Ihr Ziel ist eine Einheitsfront von oben und von unten, sie hat aber interne Probleme. Bis Mitte der 1930er Jahre erfolgt die illegale Reichsleitung durch Walter Fabian, er koordiniert die Mitglieder. Die Organisation wird erst 1936/37 von der Gestapo aufgedeckt, größere Gruppen bis nach Kriegsende existieren nur in Berlin, Hamburg und Mannheim.
ISK(Internationaler sozialistischer Kampfbund): Er geht 1925 als militant sozialistische Gruppe aus dem nach dem 1.WK gegründeten internationalen Jugendbund(IJB) hervor und umfasst ca.200 Mitglieder und 600-1000 Sympathisanten. 1933 wird mit dem Aufbau der Auslandsleitung in Paris unter Willi Eichler begonnen, im Inland wird die Organisation von Fritz Eberhard geführt. Es bestehen auch Gruppen in Amsterdam, Frankreich, Dänemark, der Schweiz und London. Die letzte unterstützt durch umfangreiche publizistische Arbeit den Widerstandskampf im Exil und in Deutschland, die Gruppe in der Schweiz(unter René Berthold) leistet Kurierdienste nach Deutschland und stellt Kontakte zur französischen Resistance her.
Diese Widerstandsorganisation funkt der UdSSR ab
Beginn des Krieges eine Vielzahl von Mitteilungen über wirtschaftliche
Maßnahmen, militärische Probleme und Personalangelegenheiten
der deutschen Führung.
Nicht alle Mitglieder sind Kommunisten, sie vereint
die Ablehnung des Faschismus, Angehörige sind Offiziere, Beamte, Wissenschaftler,
Künstler, Arbeiter, Angestellte, Soldaten, Marxisten und Christen.
Hauptakteure sind u.a. der Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium
Arvid Harnack und der Oberleutnant im Reichsluftfahrtsministerium Harro
Schulze-Boysen.
Die ROTE KAPELLE sieht in der Zusammenarbeit mit
der Sowjetunion die einzige Möglichkeit, Deutschland und Europa vor
einer dauernden Herrschaft des NS zu retten. Am 31. August 1942 stößt
der Sicherheitsdienst bei der Aushebung einer kommunistischen Agentengruppe
in Brüssel auf Unterlagen, die den Weg zur ROTEN KAPELLE weisen. Bevor
ein Warnung möglich ist, werden die meisten Angehörigen verhaftet
und auf Hitlers Weisung erhängt(erste Massenerhängungen am 22.
Dezember: Ehepaar Schulze-Boysen, Arvid Harnack...).
Das Beispiel der Roten Kapelle dokumentiert, dass
Widerstand existierte, dessen Ausmaß weit größer war als
angenommen.
Beide Personen bekleiden vor und auch anfangs nach der Machtübernahme einflussreiche Positionen im politischen und militärischen Bereich. Goerdeler ist ab 1930 Oberbürgermeister von Leipzig und gleichzeitig Reichskommissar für die Preisüberwachung, Beck gehört ab 1911 dem deutschen Generalstab an und arbeitet ab 1935 als Chef des Generalstabs des Heeres. Während Beck anfangs noch mit Hitlers Politik sympathisiert, ist Goerdeler gegen die Konzepte der NSDAP, arbeitet zu Beginn jedoch noch mit Hitler zusammen, da er meint, dessen Einstellung beeinflussen zu können. Einige Jahre später treten beide zurück, Goerdeler 1937, Beck 1938, und arbeiten von diesem Zeitpunkt an im Widerstand. Goerdeler fordert die Absetzung Hitlers und verfasst zahlreiche Denkschriften zur Staatsordnung von Deutschland nach der Diktatur. Sein Ziel ist die Restauration eines autoritären Staatswesens, in das Österreich, Polen und das Sudetenland miteinbezogen werden sollen. Beck soll nach der Entmachtung Hitlers das Amt des Staatsoberhauptes übernehmen. Goerdeler und Beck kommen in Kontakt mit anderen Widerständlern, wie z.B. mit dem ehemaligen Staatssekretär des Reichsfinanzministeriums Johannes Popitz, dem früheren Botschafter von Hassell, dem Ex-Landesgeschäftsführer der Christlichen Gewerkschaften Jakob Kaiser, dem früheren Gewerkschaftsführer, Abgeordneten und Innenminister von Hessen, Wilhelm Leuschner, sowie auch Claus Schenk Graf v.Stauffenberg. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944, an dem die Gruppe maßgeblich beteiligt ist, werden die meisten Angehörigen, auch Goerdeler und Beck verhaftet und hingerichtet.
Ab 1940 finden sich auf dem schlesischen Gut Kreisau
sowie in München und Berlin Gruppen von Männern und Frauen aus
unterschiedlichen sozialen Schichten und geistigen Traditionen um die Freunde
James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg zusammen. Sie
wollen sich durch Tagungen, Gespräche und Denkschriften auf die "Zeit
danach", die Zeit nach dem NS vorbereiten. Sie arbeiten die Grundzüge
einer geistigen, politischen und sozialen Neuordnung aus, später machen
sie Überlegungen zu einzelnen Fragen der Politik und Verwaltung. Im
Aufruf zur "sozialistischen Aktion" wird der Plan einer über den Parteien
stehenden Volksbewegung zur Überwindung des NS entwickelt. Als Ergebnis
der drei großen Zusammenkünfte des KREISAUER KREISES verfasst
Moltke die "Grundsätze für die Neuordnung. Außerdem werden
auf der 3. Tagung die Grundsätze einer "Bestrafung der Rechtsschänder",
der Verbrecher des NS erarbeitet.
Seit 1943 suchen verschiedene Mitglieder, die an
der aktiven Verschwörung teilnehmen wollen den Kontakt zu Goerdeler,
Beck und Graf v. Stauffenberg. Wegen dieser
Verbindungen werden die meisten Mitglieder nach dem 20. Juli 1944 als Mitverschwörer
angeklagt und zum Tode verurteilt.
| Sophie Scholl
"Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund. Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern! Seine und seiner Helfer Schuld hat jedes Maß überschritten...Ein Verbrechertum kann keinen deutschen Sieg erringen. Trennt euch rechtzeitig von allem, was mit dem NS zusammenhängt." (Flugblatt der Weißen Rose) |
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Im Sommer 1942 findet sich an der Münchner Uni eine Gruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl zusammen, zu ihnen gehören Willi Graf, Alexander Schmorell und Christoph Probst. Sie wollen ihre geistige Unabhängigkeit bewahren und sich der totalen Vereinnahmung durch den NS entziehen. Im Juni 1942 schreiben Hans Scholl und Alexander Schmorell, stark von ihrem Professor Kurt Huber geprägt, die ersten 4 Flugblätter der WEISSEN ROSE. Als sie im Winter 1942/43 von den sinnlosen Leiden und Opfern in der Sowjetunion bei der Schlacht von Stalingrad erfahren, rufen sie mit Wandparolen und 2 weiteren Flugblättern zum "passiven Widerstand" gegen Hitlers Kriegführung auf. Gleichzeitig bauen sie Kontakte zu anderen Gruppen (z.B. in Hamburg) aus. Am 18. Februar 1943 legen Hans und Sophie Scholl hunderte von Flugblättern in der Münchner Uni aus und werden dabei vom Hausmeister erwischt und der Gestapo übergeben. Ihr ethisch begründeter Appell an das Gewissen wird von den NS-Machthabern als politisches Schwerverbrechen angesehen. Die Geschwister Scholl und Christoph Probst werden noch am Tag ihrer Verurteilung, Willi Graf und Kurt Huber einige Monate später hingerichtet. In den folgenden Jahren werden noch viele weitere Menschen aus dem Umfeld der WEISSEN ROSE getötet.
DIE EDELWEISSPIRATEN:
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Die Gladbecker Jugendgruppe "Die Kittelbachpiraten"1936 |
Außerhalb der Hitlerjugend
entstehen 1941/42 in vielen Orten des Ruhrgebietes, Sachsens und in anderen
Industriezentren neue Jugendgruppen. Sie wollen dem eintönigen Dienst in
der HJ entgehen und entwickeln ihr Selbstbewusstsein aus dem Gegensatz zu ihr.
Die Gruppen nennen sich "Cliquen", "Blasen" oder "Horden" bzw. benennen sich
nach ihren Treffpunkten, wie die "KITTELBACHPIRATEN" und gemeinsamen Abzeichen
wie die "EDELWEISSPIRATEN". Die Mitglieder erkennen sich gegenseitig an unauffälligen
Gemeinsamkeiten , z.B. Liedern, Kleidungsstücken, Abzeichen oder Grußformen.
Ihre Aktivitäten: Sabotageakte, Schlägereien mit der HJ, Abhören
alliierter Sender, Verbreitung von Flugblättern und Kontaktaufnahme zu
ausländischen Zwangsarbeitern. In Ausnahmefällen kommt es zur Zusammenarbeit
mit Widerstandskreisen der KPD und anderen Oppositionellen.
EDELWEISSPIRATEN werden bei Verhaftungen als "Verwahrloste"
oder "Gemeinschaftsschädlinge" bezeichnet, dann in Arbeitserziehungs-
oder Konzentrationslager verschleppt, von Gerichten zum Tode verurteilt
oder ohne jedes Verfahren ermordet.
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6. A Gruppe um Claus
Schenk Graf von Stauffenberg
| Stauffenberg
tritt 1930 in das Kavallerieregiment der Bamberger Reiter ein und ist zu
Beginn des 3. Reiches durchaus noch mit Hitlers (v.a. Außen-) Politik
einverstanden. Dessen Kirchenfeindlichkeit verletzt den Katholiken jedoch
schwer, auch die Judenprogrome und die brutale Vernichtungspolitik kann
er nicht gutheißen.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg |
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Die organisierte Selbsthilfe sicherte das physische
und psychische Überleben vieler deutscher Juden und war damit eine
bedeutende Widerstandsform. Am 13. April 1933 wird von den Vertretern aller
wichtigen jüdischen Organisationen der "Zentralausschuss für
Hilfe und Aufbau" gegründet. Er setzt sich u. a. für Auswanderungsunterstützung,
Wohlfahrtspflege, Wirtschaftshilfe und Berufsumschichtung ein. Am 1. April
1935 wird der " Zentralausschuss der Reichsvertretung der deutschen Juden"
angegliedert, welcher die Interessen der deutschen Juden gegenüber
den Behörden des NS-Staates vertritt. Wichtige Arbeitsgebiete der
Reichsvertretung sind die Ausbildung der Jugend und Umschulung der Erwachsenen,
v.a. in für die Auswanderung besonders geeigneten handwerklichen und
landwirtschaftlichen Berufen.
Sehr effektiv ist auch die im Oktober 1935 gegründete
"Jüdische Winterhilfe" (die Juden wurden aus dem Winterhilfswerk des
deutschen Volkes ausgegrenzt), die bereits im Gründungsjahr 20% der
jüdischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Heizmaterial und Kleidung
unterstützt.
8. Attentate auf Hitler
Der berühmte Anschlag vom 20. Juli 1944 ist
nur einer von über 40 Versuchen von Gegnern des NS-Regimes, Hitler
zu töten. Die meisten scheitern jedoch an strengen Sicherheitsmaßnahmen
und technischen Schwierigkeiten.
Einige fast erfolgreiche Attentate:
Ÿ Im
November 1938 versucht der junge Schweizer Maurice Bavaud, Hitler mit einer
Pistole zu erschießen, Passanten verstellen jedoch das Schussfeld.
Ÿ Zu Beginn des 2.
Weltkriegs kann Johann Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller
eine selbstgebaute Zeitbombe zünden, Hitler war jedoch früher
gegangen.
Ÿ Henning von
Tresckow und sein Adjutant Fabian von Schlabrendorff geben 1943 einem
Begleitoffizier Hitlers auf dem Rückflug vom Hauptquartier der Heeresgruppe
Mitte ein Päckchen mit einer als Cognacflasche getarnten Bombe mit,
der Zünder aber versagt.
Ÿ Im März 1943
will Rudolf Freiherr von Gersdorff Göring und Hitler beim Besuch einer
Beutewaffenausstellung durch eine Bombe töten, doch Hitler bleibt
zu kurz; ein Attentat ist unmöglich.
Ÿ Der Versuch von
Axel Freiherr von Bussche sich mit Hitler in die Luft zu sprengen, scheitert
an einer Verletzung Bussches kurz vor dem geplanten Attentat.
Ÿ Am 20. Juli 1944
gelingt es Claus Schenk Graf von Stauffenberg
in der Lagerbaracke des Führerhauptquartiers Wolfschanze einen Sprengkörper
zu zünden; doch Hitler überlebt auch dieses Attentat.
B Widerstand in (besetztem) Europa
Y Böhmen, Mähren, Polen: seit 1939 Untergrundkämpfer
Y Frankreich: seit
1940 "Resistance" Sabotageakte;
1942/43 kämpfen französische Widerständler
in süd-französischen Wäldern
gegen die deutsche Wehrmacht und die Miliz des
Vichy-Regimes;
Y Niederlande, Belgien:
über Schweiz und Schweden Kontakt zu Großbritannien, Organisationen
zur Unterstützung Verfolgter;
Beispiel: Amsterdam: von Nationalsozialisten provozierte
Juden setzen sich zur Wehr, über 400 verhaftet ð Amsterdams Arbeiter
treten in Solidaritätsstreik ein ð von SS blutig niedergeschlagen,
100 Einwohner Amsterdams werden mit Vorwurf, sie seien Kommunisten und
Rädelsführer verhaftet;
Y Norwegen: Resistance stört durch Streiks und Sabotageakte (zusammen mit Großbritannien) die deutsche Rüstungsindustrie;
Literaturquellen: